Bis hin zur Aberkennung des WM-Titels
Materazzis Verbalfoul könnte Folgen haben

Zwei Tage nach dem unrühmlichen Kopfstoß von Zinedine Zidane im WM-Finale hat der italienische Verteidiger Marco Materazzi erstmals eine Provokation des französischen Superstars zugegeben. Details nannte er zwar nicht. Doch sollte sich herausstellen, dass er sich dabei rassistisch geäußert hat, ist sogar die Aberkennung des WM-Titels für Italien möglich.

HB/mr ROM/PARIS. "Ich habe ihn beleidigt, das stimmt", sagte Materazzi der "Gazzetta dello Sport". Was er genau gesagt hat, ließ er jedoch offen. "Es war eine der Beleidigungen, die du dutzende Male hörst und die ständig auf dem Fußballplatz fallen."

Dem Kopfstoß war ein Wortgefecht vorausgegangen. Medien hatten später berichtet, Materazzi habe Zidane vor dessen Kopfstoß massiv provoziert und ihn als "dreckigen Terroristen" beschimpft. Dies wies Materazzi mittlerweile zurück. Zidane ist Sohn algerischer Einwanderer.

"Ich habe ihn definitiv nicht einen Terroristen genannt", sagte Materazzi. Er sei "nicht so gebildet" und wisse gar nicht so genau, was ein islamischer Terrorist sei. "Ich habe sein Trikot nur für ein paar Sekunden festgehalten, dann drehte er sich um und sagte ein paar höhnische Worte zu mir", erklärte Materazzi. Der Italiener betonte, dass Zidane mit dem Streit in der Verlängerung des Endspiels in Berlin angefangen habe. "Er musterte mich arrogant von oben bis unten und sagte dann: Wenn du mein Trikot unbedingt willst, dann gebe ich es dir später." Was er Zidane daraufhin gesagt hat, ließ der 32 Jahre alte Verteidiger von Inter Mailand aber offen.

Der Weltfußballverband Fifa kündigte am Dienstag eine Untersuchung des Vorfalls an, bei der neben Zidane auch Materazzi als Sünder überführt werden könnte. "Die Fifa wird eine disziplinarische Untersuchung des Verhaltens von Zidane einleiten, um die Umstände des Zwischenfalls so genau wie möglich aufzuklären", teilte der Verband am Dienstag mit.

Sollte sich dabei herausstellen, dass sich Materazzi rassistisch geäußert hat, droht nicht nur Materazzi, sondern der ganzen italienischen Mannschaft großes Ungemach. Denn erst im März dieses Jahres hat die Fifa eine deutliche » Verschärfung der Strafen für Rassismus beschlossen. Neu ist im Artikel 55, Absatz 4 des » Fifa-Disziplinarreglements . Darin heißt es, "dass bei diskriminierendem oder menschenverachtendem Verhalten eines Spielers, Offiziellen oder Zuschauers, das einer Mannschaft zugeordnet werden kann, der betreffenden Mannschaft bei einem ersten Vergehen automatisch drei Punkte abgezogen werden. Bei einem zweiten Vergehen werden sechs Punkte abgezogen; bei einem weiteren Vergehen erfolgt die Relegation der Mannschaft. Bei Spielen ohne Punktvergabe erfolgt die Disqualifikation."

Was als rassistische Äußerung eingestuft wird, regelt Absatz 1 des Artikels. Demnach wird bestraft, wer öffentlich die Menschenwürde einer anderen Person durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äusserungen in Bezug auf ihre Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft verletzt. Die Fifa hat die Konföderationen und Verbände verpflichtet, die verschärften Bestimmung bis 1. Juli 2006 in ihre Disziplinarreglemente/Satzungen aufzunehmen und die Sanktionen zu vollziehen. Bei Verletzung dieser Bestimmung wird der betroffene Verband für zwei Jahre vom gesamten internationalen Spielbetrieb ausgeschlossen. Lassen sich Beweise für ein entsprechendes Verhaltens Materazzis finden, droht Italien bei konsequenter Auslegung der Disziplinarvorschriften möglicherweise sogar die Aberkennung des Titels.

Seite 1:

Materazzis Verbalfoul könnte Folgen haben

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%