Blatter nach der Fifa-Wahl
„Ich bin der, der die Probleme löst“

Bei seiner ersten Fifa-Pressekonferenz nach der umstrittenen Wiederwahl von Sepp Blatter ging es um alles - nur nicht um Fußball. Die Fragewelle zu Korruption konterte Blatter wie gewohnt - mit einem Gegenangriff.
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ZürichWas für ein Unterschied: Den 65. Fifa-Kongress in Zürich, der seine Wiederwahl mit 133 von 206 gültigen Stimmen beschloss, leitete Sepp Blatter wie ein routinierter Conferencier: sprachgewandt und charmant. Nach seiner ungefährdeten Wiederwahl strahlte der 79-jährige wie ein glückliches Kind: „Let's go, Fifa!“, rief er mit geballter Faust den Delegierten zu.

Ein ganz anderes Bild zeigte Blatter auf seiner ersten Pressekonferenz am Samstag nach der Wiederwahl in der Fifa-Zentrale: Die Mundwinkel nach unten gezogen, die Armevor der Brust verschränkt. Grimmig blickte Blatter in die vollbesetzten Reihen im großen Presse-Saal. Denn was ihm da alles an Fragen entgegen geschleudert wurde, gefiel ihm überhaupt nicht.

„Herr Blatter, die US-Justiz hat ein Korruptionssystem aufgedeckt, dass Jahrzehnte zurück reicht. Warum übernehmen Sie dafür keine Verantwortung, warum sind Sie noch da?“, wollte gleich zu Beginn ein britischer TV-Journalist wissen.

„Es ist einfach“, schnaubte Blatter sichtbar beleidigt zurück, „Sie haben das Ergebnis auf dem Kongress gesehen. Ich bin also immer noch der Mann, der diese Probleme lösen wird.“

Zu den beiden laufenden Untersuchungen – sowohl die US-Justiz als auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermitteln wegen Korruptionsverdacht – wollte er nichts weiter sagen. „Das betrifft die Fifa nicht direkt“, behauptete er gar.

Die US-Steuerbehörden haben dagegen in einem Zeitungsinterview angekündigt, dass es weitere Verhaftungen im Zuge der Fifa-Ermittlungen geben wird. Ob er Angst hätte, dass er auch verhaftet wird? „Verhaftet? Wofür denn?“, entgegnete Blatter schnippisch.

Derzeit sitzen bereits sieben hochrangige Fifa-Funktionäre in Zürich in Auslieferungshaft. Doch die Verantwortung dafür, dass inklusive Fifa-Vizepräsidenten wie Jeffrey Webb – zig Fußball-Funktionäre im Visier der Ermittler stehen, dass sei nicht die Verantwortung der Fifa. „Die Mitglieder im Exekutiv-Komitee werden nicht vom Kongress gewählt, sondern von den Konföderationen“, so Blatter.

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„Wer gewählt wird, muss das Amt auch annehmen“

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