Borussia Dortmund KGaA
Kommentar: Endlich wieder zu zweit

Borussia Dortmund hat einen echten Star: Seine Name ist nicht Rosicky, Sahin oder Koller. Der Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kittet die schwarz-gelben Scherben zusammen, die seine Vorgänger Niebaum und Meier hinterlassen haben. Einige Kritiker witterten zuletzt jedoch eine erneute Alleinherrschaft. Die Ernennung von Thomas Treß zum zweiten Geschäftsführer nimmt ihnen den Wind aus den Segeln.

Als vor einem Jahr die Krise bei Borussia Dortmund sichtbar wurde, war eines für BVB-Präsident Reinhard Rauball klar: „Die Ticket-Preise werden nicht erhöht.“ Hans-Joachim Watzke tat es trotzdem. Seit dieser Saison kostet eine Stehplatzkarte elf statt zehn Euro. Spieler verlängern trotz enormer Gehaltseinbußen ihre Verträge. Gläubiger stellen ihre Forderungen zurück. Sie alle vertrauen Hans-Joachim Watzke, dem Selfmade-Unternehmer aus dem Sauerland.

Doch einige Kritiker glauben, dass dem BVB eine erneute Alleinherrschaft droht. Nach „Dr. Gott“ Gerd Niebaum sind die Borussen sensibel geworden für mächtige Persönlichkeiten. So sprach Ex-Schatzmeister Werner Wirsing nicht nur für sich, wenn er Watzkes Doppelfunktion als Geschäftsführer der KGaA und als Schatzmeister des Vereins kritisierte. Auch an der Verpflichtung von Albert Knauf als zweiten Präsidenten des Vereins soll Watzke tatkräftig beteiligt gewesen sein. Kritiker meinten: Die Geschäftsführung sucht sich ihre Kontrolleure selbst aus.

Auch Aktionärsvertreter wurden unruhig. Das so genannte Vier-Augen-Prinzip gelte schließlich auch für Fußball-Unternehmen. Nur der Präsidialausschuss des BVB sah das anders: Der hat im April gesagt, keinen Nachfolger für den im Juni ausgeschiedenen Michael Meier nominieren zu wollen. Die Führungsspitze solle „verschlankt“ werden, war damals die Begründung. Das heißt: Zwei Geschäftsführer sind zu teuer.

Auch dieses Problem ist nun aus der Welt. Treß verdient als Geschäftsführer weniger als in seiner bisherigen Beraterfunktion. Außerdem ist er der externe Zahlenfachmann, denn nicht zuletzt Großaktionär Florian Homm seit Monaten fordert. Seine Berufung war ein geschickter Schachzug. Die Aktionäre sind zufrieden, Kritiker beruhigt und die finanziellen Mehrkosten überschaubar. Ein weiteres Puzzelstück, dass sich dem großen Bild der BVB-Rettung einfügt.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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