Borussia Dortmund

BVB-Traumbilanz in Gefahr

Sportlich steht Borussia Dortmund vor der Woche der Wahrheit, finanziell ist die Titelverteidigung unbedeutend. Um die rasant steigenden Spielergehälter zu stemmen, benötigt der Verein vor allem Merchandising-Einnahmen und die Champions League. Sonst ist der Höhenflug des Vereins schnell gestoppt.
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BVB-Fans: Der Verein muss beim Merchandising kräftig zulegen. Quelle: dpa

BVB-Fans: Der Verein muss beim Merchandising kräftig zulegen.

(Foto: dpa)

DortmundFür die Fans des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund geht es jetzt um alles: Innerhalb von zehn Tagen trifft der Tabellenführer nacheinander auf die Nummer zwei, drei und vier der Liga – Bayern München, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Eine einzige Niederlage kann die schon sicher geglaubte Meisterschaft kosten.

Doch Thomas Treß, der als Geschäftsführer beim Titelverteidiger für die Finanzen zuständig ist, sieht die kommenden Tage gelassener. „Unter dem Strich macht es für das Ergebnis 2011/2012 keinen wesentlichen Unterschied, ob wir Erster oder Zweiter werden“, sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wichtig ist, dass wir uns für die Champions League für die kommende Saison qualifizieren.“ Und das hat die Borussia schon so gut wie geschafft.

Während der europäische Wettbewerb mit saftigen Zusatzeinnahmen lockt, sorgt der Gewinn der Meisterschale nur für ein eher mickriges Zubrot. Zwar erhält der Meister-Klub von der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen höheren Anteil aus den Erlösen der TV-Vermarktung. Die Unterschiede zwischen Platz eins und zwei liegen in der Ausschüttung jedoch bei einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Bei einem Verein wie dem BVB, der in der vergangenen Saison einen Umsatz von 136 Millionen Euro erzielte, füllt das gerade einmal die Portokasse.

Von Schnäppchen-Kickern zu Millionen-Männern
BVB Dortmund's Kevin Grosskreutz celebrates after he scored against Hertha Berlin
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Kevin Großkreutz (23 Jahre, Vertrag bis 2014)

Der bekannteste Fan von Borussia Dortmund flitzt jeden Samstag über das Spielfeld, von Grundlinie zu Grundlinie. Kevin Großkreutz spielt nicht nur für den BVB, er lebt ihn. Wohl für keinen anderen Club würde sich der Junge aus dem Pott so sehr einsetzen, so viel laufen und so schöne Tore (wie den Fallrückzieher gegen Berlin) schießen. Er bringt die Leidenschaft mit, die seine Mannschaft für ihre hart erkämpften Siege braucht - und schießt damit allerdings auch, wie die Duelle gegen Schalke zeigen, mitunter über das Ziel hinaus. Würde den eigenen Wert nochmals veredeln, wenn ihm der Sprung zurück ins Nationalteam gelingt.

Gekommen für: 0 Euro von Rot-Weiss Ahlen

Marktwert: 7,5 Mio. Euro

Quelle für die Marktwerte: Transfermarkt.de

1. FC Köln - Borussia Dortmund
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Lukasz Piszczek (26 Jahre, Vertrag bis 2016)

Der, zugegeben, nicht mehr als „Talent“ zu bezeichnende Abwehrspieler wechselte 2010 nach dem Abstieg von Hertha BSC ablösefrei ins Ruhrgebiet - und vollbrachte dort einen riesigen Leistungssprung. Nicht nur hinten, auch vorne fällt er mit seinem Einsatz auf. In dieser Spielzeit gelangen ihm bereits drei Treffer - keine schlechte Bilanz für einen Abwehrmann. Für Borussia Dortmund ist Piszczek so wichtig, dass der Verein den Vertrag vorzeitig bis 2016 verlängerte. Und damit kletterte auch der Transferwert.

Gekommen für: 0 Euro von Hertha BSC Berlin

Marktwert: 9 Mio. Euro

Germany Soccer Bundesliga
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Mario Götze (19 Jahre, Vertrag bis 2016)

Manchmal fragt man sich doch, wie viele Punkte mehr Borussia Dortmund auf dem Konto hätte, wenn Mario Götze nicht verletzt wäre. Mutmaßlich wäre der Meister längst wieder Meister. Und das ist nur eine leichte Übertreibung: In den 14 Spielen, die der Professorensohn absolviert hat, schoss er fünf Tore und bereitete genauso viele vor. Auch, wenn sein Trainer die Rolle des Mittelfeld-Magiers gerne klein redet - wie wichtig der 19-Jährige für das Dortmunder Spiel ist, weiß auch Jürgen Klopp. Als der 19-Jährige Ende März seinen Vertrag bis 2016 verlängerte, konnte auch Klopp seinen Stolz nicht verbergen. „Das ist das nächste herausragende Zeichen“, sagte der Meistertrainer. „Mario hätte den Finger heben und sich einen anderen Verein aussuchen können.“ Das ist ein weiteres Merkmal des Jungstars: Er bleibt - trotz aller Höhenflüge - auf dem Boden. Das portugiesische Fußballfinanzportal „Futebol Finance“ taxierte ihn jüngst als zweitteuersten Nachwuchsspieler der Welt.

Gekommen: aus der eigenen Jugend

Marktwert: 30 Mio. Euro

Holstein Kiel - Borussia Dortmund
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Robert Lewandowski (23 Jahre, Vertrag bis 2014)

In der vergangenen Spielzeit war der Pole Bankdrücker, Jürgen Klopp setzte ihn nur sporadisch ein. Als sich Lucas Barrios verletzte, kam seine große Chance - und die hat er genutzt. Mit derzeit (Stand: 29. Spieltag) 19 Treffern ist er der drittbeste Torschütze der Liga. Wie gut er sich entwickelt hat, zeigt auch sein Marktwert: Er kam für knapp fünf Millionen Euro, bei einem Verkauf würde er dem BVB das Dreifache einbringen.

Gekommen für: 4,75 Mio. Euro von Lech Posen (Polen)

Marktwert: 15 Mio. Euro

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart
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Jakub Blaszczykowski (26 Jahre, Vertrag bis 2013)

Als klar wurde, dass Mario Götze ausfallen würde, rechneten viele Beobachter mit einem Leistungseinbruch des BVB. Der hatte aber einen Joker in der Rückhand: Jakub Blaszczykowski. Der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft entwickelt sich zu einer tragenden Figur im Dortmunder Ensemble. Mit vier Toren und neun Vorlagen etabliert sich „Kuba“ zu einem dauerhaften Konkurrenten Götzes. Das Triumvirat aus ihm, Lewandowski und Piszczek begeistert übrigens unmittelbar vor der Europameisterschaft im eigenen Lande auch die polnischen Fußballfans.

Gekommen für: 3,05 Mio. Euro von Wislau Krakau (Krakau)

Marktwert: 7 Mio. Euro

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen
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Shinji Kagawa (23 Jahre, Vertrag bis 2013)

Der Japaner war sicherlich der größte Transfer-Coups der vergangenen Jahre - die märchenhafte Geschichte des Aufstiegs ist mittlerweile gemeinhin bekannt. Allen Hymnen, die auf ihn gesungen werden, wird Shinji Kagawa immer aus Neue gerecht. Schnell, wendig, zielstrebig - mit diesen Eigenschaften hat der 23-Jährige schon so manche Abwehrreihen durcheinander gewirbelt. Mit zwölf Treffern in dieser Saison ist der Japaner neben Mario Götze der herausragende Spieler des Vereins. Die Vertragsverhandlungen laufen, der BVB will mit dem kleinen Ballkünstler gerne verlängern. Der hat sich noch nicht dazu geäußert, ob das auch in seinem Sinne ist. Dem Vernehmen nach träumt Kagawa von der Premier League. BVB-Boss Watzke bleibt jedoch gelassen.

Gekommen für: 350.000 Euro (Ausbildungsgebühr) von Cerezo Osaka (Japan)

Marktwert: 17 Mio. Euro

1. FC Nürnberg - Borussia Dortmund
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Sven Bender (22 Jahre, Vertrag bis 2016)

Seine Nehmerqualitäten hat Sven Bender mehr als einmal bewiesen. Ob doppelter Kinnbruch oder Nasenbeinbruch - Bender kämpfte sich immer wieder erstaunlich schnell zurück in die Startelf. Der 22-Jährige kam 2009 von 1860 München, ablösefrei. Seine Lauf- und Dribbelstärke haben seinen Marktwert inzwischen auf 14 Millionen Euro getrieben. Es ist übrigens das erste Mal in seiner Karriere, dass er ohne Zwillingsbruder Lars, der für Leverkusen kickt, spielt. Beide Brüder sind zumindest im Blickfeld von Bundestrainer Löw.

Gekommen für: 0 Euro von 1860 München

Marktwert: 14 Mio. Euro

Bedeutender ist der Image-Effekt: Der Bundesliga-Meister wird für Sponsoren attraktiver, auch die Marktwerte der Spieler steigen. Auch an der Börse kommt der BVB nicht so recht in Fahrt. Zwar ist die Aktie seit Jahresanfang um fast 30 Prozent gestiegen – allerdings von sehr niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Anteilsschein 2,43 Euro. Damit liegt der Kurs niedriger als vor einem Jahr, damals kostete die Aktie 2,80 Euro.

Gehälter der Spieler steigen
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20 Kommentare zu "Borussia Dortmund: Schwarz-gelbe Traumbilanz in Gefahr"

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  • zu den von Euch kolportierten explodierenden Gehältern hat sich nunmehr auch Uli Hoeneß geäußert, auf welchem Niveau sich seine Äußerungen befinden, kann man an unzähligen Kommentaren ablesen. Zumal Watzke umgehend darauf geantwortet hat: Ich erzähle keine Märchen, sondern Tatsachen. Unsere testierten Bilanzen kann jeder nachlesen, wir hatten im letzten Geschäftsjahr in der gesamten KG - mit über 400 Angestellten - Gehaltskosten von 55 Millionen Euro - die von Bayern sind nun mal rund dreimal höher. Ich sehe absolut keine Strategie hinter Hoeneß’ Verhalten. Alle unsere Wirtschaftszahlen sind testiert. Warum er sich jetzt so hochschaukelt, ist mir ein Rätsel.
    Das Handelsblatt spricht also von explodierenden Gehältern, obwohl der Personaletat lediglich um 4 Millionen steigt, und das bei einem anvisierten Gewinn von 25 Millionen Euro und 195 Millionen Umsatz.
    Aber es geht weiter:
    Der neue TV Vertrag garantiert unfaßbar höhere Einnahmen als zunächst kalkuliert.

    Möget ihr vom Handelsblatt diesen Artikel ewig in den Jagdgründen des Internets behalten, die Blamage ist euch garantiert. Es wäre ja möglich gewesen, auf irgendwas zu antworten.

  • Die Reaktion vom Handelsblatt finde ich aller erste Sahne. Man könnte natürlich auch unhaltlich auf die Fehler eingehen oder sie korrigieren oder den Artikel einfach wegschmeißen, stattdessen kritisiert man, dass die Leute nicht ihren richtigen Namen nennen. Ist das jetzt die Reaktion, die man erwarten kann. Hat was von Kindergarten. Aber auf die Kollegen von Sky kann man zum Beispiel draufhauen, denn das ist ja "peinlich", ich hätte gerne eine Stellungnahme, zu den Kommentaren. Vielleicht liegen diese ja auch alle daneben und das Handelsblatt hat recht, schließlich machen die das ja professionell, während Leute wie ich, das nur als Hobby sehen, den Lieblingsverein in all seinen Facetten zu kennen. Bitte erleuchtet mich.

  • Ich kann mich nur den vielen Kommentaren hier anschließen. Ein selten* schlechter Artikel vom Handelsblatt.

    *Wenn man mal von der Hetzkampagne gegen die Piraten absieht.

    Ich möchte auch mal darauf hinweisen, dass der BVB sein Kaderetat um 4 Mio. € auf 45 Mio. € anhebt. Die Kalkulationsgrundlage sind dabei 60 Punkte in der nächsten Saison. Und nun kommt der Hammer, wenn weniger Punkte erreicht werden, dann entstehen auch weniger Personalkosten und wenn mehr, dann gibt es mehr Gelder. Das ganze Szenario wird dabei noch gesteigert, dass auch die Sponsorenverträge auf eine ähnliches Basis verhandelt wurden. Dabei liegen die Fixbeträge der Sponsoren so hoch, dass das Europageschäft nicht mal verpflichtend ist. Die Etaterhöhung ist aufgrund der besseren Verträge mit Evonik und Puma möglich.

    Und die angeblich benötigen CL-Einnahmen lösen sich relativ schnell in Luft auf, wenn man sich mal die Mühe gemacht hätte und in die aktuellen Zahlen des BVB geschaut hätte.

    Der BVB hat nicht nur im ersten Halbjahr 11/12 über 16 Mio. € Jahresüberschuss erwirtschaftet. Nein, er hat gleichzeitig auch mehrere Mio. € in die Infrastruktur investiert und zusätzlich zu den jährlichen Beträgen von ca. 10 Mio. € zur Rückführung von Verbindlichkeiten und zur Begleichung von Zinsen noch weitere Mio. € dafür verwendet.

    Es ist vielleicht für einige schwer vorstellbar, aber der BVB kann ohne CL/EL-Mio. den Kader zusammen halten und bezahlen. Es gibt dann keinen großen Jahresüberschuss mehr, aber es gibt auch keine neue Schulden.

  • Tut mir leid, aber jetzt wird es richtig peinlich. Welcher Amateur rechnet das so aus? Ihr seid doch das Handelsblatt, also habt ihr doch schonmal mit Zahlen zu tun gehabt, hoffentlich.
    Dazu kommt, dass mit den 20 Millionen nicht nur ein Fixgehalt von 5 Millionen Euro suggeriert wird, ohne sportlichen Erfolg, sondern dass man das Gefühl haben muss, dass das alles nicht bezahlt werden kann.

    Interessant finde ich dann noch, dass ihr "den Fehler" - als wenn es nur einen geben würde - korrigiert habt. Nehmt den Artikel bitte wieder von eurer Seite, wie gesagt, es wird wirklich langsam peinlich!

  • "Noch im vergangenen Meisterjahr erzielte die Borussia mit 9,5 Millionen Euro Gewinn das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte. Doch jetzt zeigt sich, dass sportlicher Erfolg auch teuer werden kann." Konkret wird der BVB seinen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr vermutlich mehr als verdoppeln. Keine Erwähnung findet, daß der BVB erstmalig eine Dividende zahlen wird, ich finde es wirklich unfaßbar, wie kann das sein??? Ich hätte hierzu von der Redaktion gerne eine Antwort.

  • öhm:
    1. 12/13
    2. 13/14
    3. 14/15
    4. 15/16 vertragsende
    also das könnt ihr drehen wie ihr wollt, das sind vier gehaltsperioden. meinetwegen noch +2 monate, da er anfang april/ende märz das neue papier unterschrieb.

  • 2016 weniger 2012 sind vier, das ist richtig. Doch es geht um die Bezahlung von Mario Götze von 2012 bis 2016 - also um das Gehalt von fünf Jahren.

  • Danke für den Hinweis! Wir haben das korrigiert - und auch den Fehler beseitigt. Denn 7,5 Millionen erhielt der BVB vor der Vertragsverlängerung mit Evonik. Jetzt sind es zehn Millionen.

    Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

  • Schöner Kommentar !!! ;-)

  • Leider ein ziemlich peinlicher Artikel. Alleine die Überschrift spricht da Bände. Warum wird hier krampfhaft und offensichtlich bewusst versucht, eine Entwicklung schlecht zu reden, die bei genaurem Hinsehen vorbildlich für den Aufbau einer jungen Mannschaft steht? Eine Mannschaft die vom Gehaltsniveau immer noch im oberen Bundesliga-Mittelfeld angesiedelt ist und bei der die moderat steigenden Gehälter ganz bewusst stark erfolgsorientiert gezahlt werden. Wo ist denn hier die "schwarzgelbe Traumbilanz" akut in Gefahr?
    Warum werden bewusst reißerische Ausdrücke ("explodiere Gehälter" ist nur ein Beispiel) verwendet, was genau soll das implizieren? Man könnte meinen, Dortmund wandele am Rande des Bankrotts. Warum begibt sich eine seriöse Zeitung wie das Handelsblatt hier auf Bild-Zeitung-Niveau?
    Warum schaffen es gleich drei Redakteuren nicht, zu einem Artikel mit einem Umfang von 4(!)Seiten ordentlich zu recherchieren?

    Mir ist schleicherhaft, was dieser Artikel vermitteln will. Schade und peinlich.

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