Brasiliansiche Hackentricks statt Leipziger Blutgrätsche
Testlauf für Rasen und Arenen

Selten hat das Wörtchen "Test" auf ein Ereignis so zugetroffen wie auf den Confederations Cup 2005 in Deutschland. Zumindestens wenn man allen Beteiligten Glauben schenkt, die im Zusammenhang mit dem früher so ungeliebten Pokal plötzlich von "einem sehr wichtigen Test" sprechen.

HB DÜSSELDORF. Franz Beckenbauer, Oberfußballer der Nation, sagte zum Beispiel nicht nur dem Handelsblatt: "Der Confed Cup ist der erste und letzte Test für Jürgen Klinsmann und seine Mannschaft, bevor es im nächsten Jahr bei der Weltmeisterschaft Ernst wird."

Doch nicht nur für Bundestrainer Klinsmann und alle seine Kollegen, die Spieler, die Offiziellen, die Pressesprecher, die Polizei und sämtliche fußballinteressierte Prominenz ist der Pokal der große Test, wie sie immer wieder wiederholen. Wenn morgen um 18 Uhr in Köln bei der Begegnung Argentinien gegen Tunesien zum ersten Mal der Confed-Cup-Ball rollt - das offizielle Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Australien um 21 Uhr in Frankfurt ist schon die zweite Partie des Turniers - dann werden wir auch lernen, ob die Fußball-Arenen für die Weltmeisterschaft geeignet sind. Denn der "Kaiser" sagt: "Es ist auch ein Test für die Stadien."

Was auch immer das genau heißen mag, denn in allen fünf Confed- Cup-Stadien - Leipzig, Hannover, Nürnberg, Köln und Frankfurt - wurde ja schon Fußball gespielt. Zugegeben, in Frankfurt und Köln zuletzt nur zweitklassiger und in Leipzig dient die Arena vor allem dem elftklassigen 1. FC Lokomotive Leipzig. Aber ist es eine besondere Belastung, wenn die Spieler Weltklasse- statt Kreisliganiveau haben? Schadet ein brasilianischer Hackentrick oder Übersteiger dem Rasen mehr als eine Leipziger Blutgrätsche? Nein, das kann nicht der Grund sein, warum "Kaiser" Beckenbauer von einem Test für die Stadien spricht

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"Einige Arenen sind vielleicht noch nicht ganz so weit fertig, wie wir uns das vorgestellt haben. Und es kann sein, dass die Infrastruktur um die Stadien herum noch nicht optimal ist", erklärt Beckenbauer. Die gemeinen Fußballfans reisen also zum Confed Cup mit "nicht optimalen S-Bahnen" an und testen "unfertige" Stadien. Und hinterher weiß Beckenbauer als oberster WM-Planer genau, ob denn auch bei der Weltmeisterschaft 2006 alles klappt - wenn die Stadien wirklich fertig sind.

Natürlich sind die Stadien auch jetzt schon nahezu fertig - wer zum Beispiel schon mal in Köln beim FC zu Besuch war, weiß das. Selbst das neue Waldstadion, die Commerzbank-Arena in Frankfurt, war mit 42 770 Zuschauern im letzten Saisonspiel der Eintracht schon fast ausverkauft. Anschließend durften sich gar die harten American-Football-Jungs von Frankfurt Galaxy noch auf dem Grün austoben. Ein bleibender Schaden verursachten sie nicht, denn in Frankfurt legten die Stadionmeister genau wie in Köln - wo auch der Football Einzug hielt - extra für den Confed Cup einen neuen Rasen aus.

Vielleicht spielen Beckenbauer aber auch auf die gute alte Stadionwurst an. Ist der Confederations Cup womöglich ein Test, ob die offizielle Fifa-WM-Wurst dem Fan auch schmeckt? Wir werden sie probieren.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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