Bundesliga-Abstiegskampf
Der HSV ist tot, es lebe der HSV

Der Hamburger SV ist mit seinen Sorgen vor dem letzten Spieltag nicht allein. Auch Namensvetter Hannover 96 ist in akuter Abstiegsgefahr. Die Liga ohne den großen HSV – dafür könnte ausgerechnet der kleine HSV sorgen.
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KölnBeim Bundesliga-Dinosaurier herrscht Alarmstufe rot. Er taumelt und igelt sich ein. Wenn nichts mehr geht, geht’s ins Trainingslager: Vor dem Saisonfinale quartiert sich der Hamburger SV in den „Uwe-Seeler-Fußballpark“ im ostholsteinischen Malente ein. Der Geist der WM 74, der Name der größten HSV-Legende, sie sollen helfen, den Klassenerhalt zu sichern.

Beim eng befreundeten, aber kleineren HSV, der Hannoverschen Sportvereinigung von 1896 (kurz: Hannover 96,) sieht es nicht viel anders aus. Die Mannschaft von Interimstrainer Michael Frontzeck zieht dem heimischen Rasen ein Kloster im westfälischen Harsewinkel vor. Statt dem Geist früherer Zeiten, soll hier himmlischer Beistand der Mannschaft um Noch-Leistungsträger Lars Stindl neue Kraft verleihen.

Den großen und den kleinen HSV eint dieser Tage die Angst vor der Zweitklassigkeit: Für beide Traditionsvereine, die mehr als eine Fan-Freundschaft verbindet, entscheidet erst der letzte Spieltag über Abstieg, Relegation oder Klassenverbleib. Fest steht bereits: Für beide Vereine ist die laufende Saison ein einziges Trauerspiel. Hannovers Vereinschef Martin Kind ließ zuletzt keine Zweifel an seiner Bilanz für die endende Spielzeit: „Es war eine Scheiß-Saison. Egal, wie's ausgeht.“

Angesichts der prekären Lage müssen die Vereinsoberen Dietmar Beiersdorfer in Hamburg und Kind in Hannover alles für den Ernstfall vorbereiten – den Abstieg in die zweite Liga. Für den HSV aus Hamburg, Bundesliga-Gründungsmitglied und seit 1963 immer dabei, wäre dies ein historischer Tiefschlag, für die ambitionierten Niedersachsen von Hannover 96 eine bittere Pille. Doch damit nicht genug der Gemeinsamkeiten: Beide Vereine ähneln sich ihn ihrem Risikomanagement und tauschten vor dem Saison-Finale ihre Trainer aus.

Nun sitzen mit Bruno Labbadia, der beim HSV ebenfalls einen Vertrag für die zweite Liga besitzt, und Frontzeck in Hannover echte Feuerwehrmänner auf der Bank. Labbadias Leistungsdaten sind ausgeglichen: Zwei Siegen stehen zwei Niederlagen und einem Unentschieden gegenüber. Für den Vorletzten der Bundesliga wird das Spiel am Samstag gegen Schalke 04, bei dem Kapitän Rafael van der Vaart gelbgesperrt ist, ebenso den Ausschlag für den Klassenverbleib des Vereines wie für die Bilanz des Trainers geben.

Frontzecks Bilanz in Hannover sieht zumindest in der Punkteausbeute besser aus: Nach der Auftaktniederlage gegen Hoffenheim (1:2) kam die Mannschaft bei Vizemeister Wolfsburg zu einem 2:2, schaffte gegen Bremen ein 1:1 und gewann (2:1) in Augsburg. Die Leistungskurve zeigt – anders als beim großen HSV – nach oben. Hannover wird am letzten Spieltag gegen den Abstiegskonkurrenten SC Freiburg siegen wollen, allerdings würde schon ein Punkt die Relegation sichern – und den Breisgauern definitiv die Klasse.

Beim Hamburger SV sieht es indes selbst in den kühnsten Gedankenspielen duster aus: Der Bundesliga-Dino kann sich nicht mehr aus eigener Kraft retten. Im Falle eines Sieges gegen Schalke 04, dürfte der VfB Stuttgart nicht gegen den SC Paderborn gewinnen, damit der große HSV noch eine Chance auf den direkten Klassenerhalt hat. Hannover könnte indes das Zünglein an der Waage geben: Der kleine HSV dürfte für einen Klassenverbleib des großen Bruders aus der Hansestadt nicht gegen Freiburg unentschieden spielen.

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