Bundesliga am Freitag
Frankfurt geht in Düsseldorf unter

Im Duell der Aufsteiger hat Eintracht Frankfurt bei Fortuna Düsseldorf Lehrgeld zählen müssen: Die Gastgeber siegten völlig verdient mit 4:0 und entledigen sich vorerst der Abstiegssorgen.
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Düsseldorf Fortuna Düsseldorf entfernt sich weiter von den Abstiegsrängen. Nach dem Sieg gegen Hamburg und dem überraschenden 1:1 beim Meister in Dortmund gewann das Team von Trainer Norbert Meier gegen Eintracht Frankfurt verdient mit 4:0. Die Gäste enttäuschten auf der ganzen Linie und schwächten sich durch die gelb-rote Karte von Matmour nach gut einer halben Stunde selbst. Die Tore für Düsseldorf erzielten Reisinger, Lambertz, Rafael und Bellinghausen (38., 42., 58., 85. Minute).

Die Eintracht musste vor der Partie in der Defensive kräftig improvisieren: Abgesehen vom Langzeitverletzten Anderson fehlten auch Carlos Zambrano und Pirmin Schwegler. Dafür spielte wie schon beim 1:3 gegen Mainz der 17-jährige Marc-Oliver Kempf in der Viererkette. Düsseldorf hatte unter der Woche beim 1:1 in Dortmund kräftig Selbstvertrauen getankt und begann mit Oliver Fink für den gelb-rot-gesperrten Paurevic. Die Gastgeber hatten die Statistik wahrlich nicht auf ihrer Seite: von den letzten 19 Pflichtspielen gegen Frankfurt gewann die Fortuna nur eines. Und dann mussten die Gastgeber kurz vor dem Anpfiff auch noch eine wahre Hiobsbotschaft verkraften: Robbie Kruse, der an den letzten fünf Treffern direkt beteiligt war, verletzte sich beim Aufwärmen und musste durch Nando Rafael ersetzt werden.

Das Match stand zum Beginn aus zweierlei Gründen unter ungewöhnlichen Bedingungen statt. Zunächst brauchten die Kicker Geduld: Wegen eines Autounfalls kamen Tausende Fans nicht rechtzeitig ins Stadion, so dass Schiedsrichter Michael Weiner sich bereiterkläre, zehn Minuten später anzupfeifen. Und dann traten die 54.000 Zuschauer im Rund für zwölf Minuten und zwölf Sekunden in den "Streik" und schwiegen - eine abgesprochene Protestaktion gegen die neuen Fan-Reuglarien der Deutschen Fußballliga.

Beide Teams kamen mit der Wartezeit und der gespenstischen Stille nicht gut zurecht. Es war in den ersten Minuten ein recht unpräzises Gekicke. Nach neun Minuten brachen einige "Streikbrecher" das Schweigegelübde, als Nando Rafael nach einer feinen Kombination allein vor dem Frankfurter Tor auftauchte. Doch der ins Team gerückte Demidov konnte ihn im letzten Moment am Torschuss hindern.

Und dann war es soweit: Die Fans beider Lager zählten die Sekunden herunter und sorgten nach 12:12 Minuten für ohrenbetäubenden Krach. Und dann setzten einige selbsternannte Frankfurter Anhänger genau das falsche Signal, als sie Bengalos abbrannten. Der höchst überflüssige Spuk war aber nach wenigen Sekunden vorbei, so dass ein richtiges Spiel mit lautstarker Unterstützung starten konnte.

Die erste echte Chance der Partie hatte kurz darauf die Fortuna, als Fink nach einer Ecke aus spitzem Winkel zum Schuss kam, doch Eintracht-Keeper Kevin Trapp bekam rechtzeitig die Fäuste hoch. Eine Minute später fehlten bei Lambertz' Schuss nur Zentimeter. Die Fortuna war die engagiertere Mannschaft und setzte ihre zugegeben spielerisch beschränkten Mittel bisher effektiv ein. Die Eintracht wirkte uninspiriert und müde. Es brauchte schon eine Standardsituation, um überhaupt mal gefährlich zu werden: Doch Karim Matmours Kopfball war keine schwierige Prüfung für Fortunas Torwart Fabian Kiefer (28.).

Eine Wendung nahm die weiterhin lahme Partie in der 34. Minute: Karim Matmour, der zuvor nach einem üblen Tritt die gelbe Karte bekommen hatte, musste mit gelb-rot unter die Dusche. Schiedsrichter Weiner hatte die Szene wohl als taktisches Foul gesehen, eine harte Entscheidung. Bisher kam die Fortuna mit Überzahlsituationen oft nicht gut zurecht - gegen Hoffenheim reichten 40 Minuten numerische Überlegenheit nicht zum Sieg.

An der Überzahl lag es freilich nicht, dass die Fortuna wenig später mit 1:0 in Führung ging: es war ein Tor durch Entschlossenheit gegen zimperliche Verteidiger, das Stefan Reisinger da gelang. Wie schon eine Woche zuvor gegen Hamburg probierte er es einfach mal allein, kam durch und schloss eiskalt ab. Eine Szene symptomatisch für die gesamte Partie bisher: die Fortuna wollte den Sieg einfach mehr.

Und dann klappten auch noch die verrücktesten Aktionen: Oliver Fink probierte es einfach mal mit einem Drehschuss und wuchtete den Ball mit Links unhaltbar für Trapp ins rechte Toreck (42.). Beide Tore hatten sich die Frankfurter selbst zuzuschreiben - ihr Entstehen kann unmöglich auf die Unterzahl wegen der aus ihrer Sicht fragwürdigen gelb-roten Karte zurückgeführt werden. Die Führung für die Gastgeber war so oder so absolut verdient.

Frankfurts Trainer Armin Veh reagierte und brachte nach dem Seitenwechsel Stefano Celozzi für den Schwächen Martin Lanig. Am Spielverlauf änderte dies durchaus etwas: die Gäste waren nur wacher, laufstärker und kamen zu Chancen - wie n der 53. Minute, als ein Kopfball von Aigner das Tor nur knapp verfehlte. Die Fortuna verlor zwischenzeitlich den Faden und rannte den Frankfurtern trotz der Überzahl nun häufig hinterher. Doch die Abwehr der Eintracht blieb ein Torso. Just in dieser Phase durfte Rafael nach einer Flanke des starken Balogun weitgehend unbedrängt das 3:0 erzielen (58.).

Damit war der Kampfgeist der Eintracht aber immer noch nicht gebrochen. Die Gäste probierten es tapfer weiter, aber das Selbstvertrauen war nun endgültig fort, die spielerische Linie war heute ohnehin nie vorhanden. In den verbleibenden 30 Minuten passierte nicht mehr allzuviel Nennenswerte, außer dem 4:0 durch Bellinghausen wenige Mnuten vor dem Abpfiff. Die Fortunen-Anhänger feierten ihre Truppe, genossen nach das Gefühl des sicheren Sieges und die Tatsache, nun so richtig in der ersten Liga angekommen zu sein.

Mit dem Sieg entfernt sich die Fortuna ein gutes Stückweit von den Abstiegsrängen. Die Mischung aus guter Defensivarbeit, Entschlossenheit und Effizienz vor dem Tor machen die spielerischen Mängel derzeit mehr als wett. Für die Frankfurter ist nach zwei Niederlage infolge die Herrlichkeit des tollen Saisonstartes vorerst vorbei. Vermutlich ist der ein oder andere Akteur froh, dass nun die Winterpause naht.

 
Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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