Bundesliga-Chefvermarkter Jörg Daubitzer
„Wir wollen mehr TV-Abschlüsse ohne Vermittler“

Im Ausland steigt das Interesse an der Bundesliga. Jörg Daubitzer, Chefvermarkter der DFL, über das Standing des deutschen Fußballs im Ausland, welche Regionen kommerziell sind und wo es Risiken gibt.
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Am Wochenende feiert zum Bundesligastart auch die neue Ligarepräsentanz in Singapur ihr Debüt. Was ist das Ziel?

Wir wollen in Asien intensiveren Kontakt zu den Kunden aufbauen, etwa über häufigere Senderbesuche, und Markttrends mitnehmen.

Bisher überlassen Sie Agenturen dort die Arbeit. Wie lange noch?

Ein Ziel der Repräsentanz ist, noch mehr Abschlüsse in Asien ohne Vermittler zu tätigen. Das auch mit Blick auf eine effizientere Wertschöpfung. Wir nehmen uns das vor für die nächste Rechteperiode, die 2015/16 starten wird.

Welche Regionen und Sender spielen für Sie im Ausland die kommerziell größte Rolle?

Eurosport hält einen wichtigen Rechteanteil – mit Osteuropa, den Balkanstaaten und Skandinavien. Diese Märkte haben eine hohe Bedeutung, auch weil viele Bundesligaspieler von dort kommen. Wirtschaftlich hochinteressant ist auch die Region des Mittleren Ostens, wo Dubai Sports Channel über 20 Länder bedient. Die südafrikanische Region entwickelt sich sehr gut, auch Brasilien und Nordamerika nehmen einen immer größeren Stellenwert ein.

In England dauerte es eine Weile, bevor Sie doch auf den alten Partner ESPN zurückkamen. Warum?

Wir hatten mit ESPN stets ein sehr gutes Verhältnis, auch in Lateinamerika und Brasilien. ESPN wollte erst abwarten, bis die Premier-League-Rechte vergeben wurden. Dabei ging ESPN leer aus.

Ein Fußballvakuum also. Hat das Ihre Position gestärkt?

Die Bundesliga hat eine höhere Nachfrage im Vereinigten Königreich erfahren, aber es hätte auch ganz anders kommen können. Wenn ein Sender wesentliche Rechte verliert, kann sich ja auch die Programmstrategie komplett ändern - und Fußball spielt keine Rolle mehr. Da kann man schnell auf einem Abstellgleis stehen mit seiner vermeintlich tollen Verhandlungsposition.

Im Schnitt konnten Sie die Erlöse zuletzt um gut 50 Prozent steigern. Gilt das auch für ESPN?

Wir haben eine Mischkalkulation. In gewissen Märkten muss man beim Preis etwas nachgeben, in anderen läuft es besser als erwartet. Ein Rückschluss, dass es auch in England um 50 Prozent hochging, wäre falsch. Aber wir konnten deutlich zulegen.

Frisch verlängert haben Sie auch mit dem chinesischen Staatskanal CCTV. Gab es hier Steigerungen?

China ist nicht einfach. Man kann nicht von explosionsartigen Umsatzsteigerungen ausgehen in einem Markt, der noch immer sehr stark auf das Staatsfernsehen fokussiert ist.

Die englische Liga hat sich in China verzockt, oder?

Die Engländer haben für viel Geld bei privaten Verwertern abgeschlossen, sich den Zorn von CCTV zugezogen und dann auf einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Geldes verzichten müssen. Sie sind mit Sicherheit nicht glücklich geworden. Hinzu kam, dass die Sponsoren der Klubs offenbar ziemlich verärgert waren, dass die große Reichweite von CCTV nicht geliefert wurde. Nach meinem Kenntnisstand versucht die Premier League händeringend unter Einsatz höchster Personen, die Geschäftsbeziehungen mit CCTV zu reparieren. Aber wenn man die einmal verärgert, ist für lange Zeit Schicht im Schacht.

Stefan Merx
Stefan Merx
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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