Bundesliga: Finanzinvestor KKR steigt bei Hertha BSC ein

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Finanzinvestor KKR steigt bei Hertha BSC ein

Seit Jahren ist der Hauptstadtverein finanziell angeschlagen. Nun holt sich Hertha BSC einen Investor ins Boot – und will damit nicht nur die Schuldenlage wieder in den Griff bekommen.
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DüsseldorfHertha BSC hat am Freitag vermeldet, dass das Private-Equity-Unternehmen KKR 9,7 Prozent am Verein übernimmt. Zuvor hatte dies bereits der „Spiegel“ berichtet, auch gegenüber Handelsblatt Online waren die Angaben bestätigt worden. Der Hauptstadtklub nimmt durch die Partnerschaft 61,2 Millionen Euro ein – Geld, mit dem die Schulden des Vereins abgebaut werden sollen. Die Partnerschaft ist auf mindestens sieben Jahre angelegt sein, wie es auf der Vereinshomepage heißt.

Nach Angaben des „Spiegels“ erhält der Finanzinvestor KKR einen Sitz im Aufsichtsrat der Profi-Fußball-Tochter Hertha BSC GmbH & Co. KgaA. „Es ist jedoch klar geregelt, dass wir mit Hinblick auf sportliche Themen weiterhin eigenständig entscheiden werden“, heißt es auf der Webseite.

Der Verein wird durch die Investition mit insgesamt 600 Millionen Euro bewertet. Die Marktkapitalisierung des börsennotierten Konkurrenten Borussia Dortmund liegt bei rund 224 Millionen Euro. Nach Angaben eines Reuters-Informanten ist das Ziel, dass Hertha durch das Engagement zu längst einteilten Rivalen wie dem BVB oder Bayern München aufschließt. Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz sagte: „Der Erfolg professioneller Fußballvereine hängt nicht nur von der sportlichen, sondern auch von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab.“

KKR wollte zu der Partnerschaft keine Stellung beziehen. In der Pressemitteilung von Hertha BSC wird KKR-Europachef allerdings mit den Worten zitiert: „Die große und loyale Fangemeinde, das einzigartige Entwicklungsprogramm für Nachwuchsspieler und die Tatsache, dass es der führende Fußballverein in Deutschlands Hauptstadt ist, machen Hertha zu einem attraktiven Partner für uns.“ Aus Branchenkreisen heißt es, die Kooperation zwischen Hertha und KKR sei überraschend gewesen, aber der „perfekte Fit“. Für den Investor ist die Bundesliga Neuland, KKR sehe bei Hertha aber Wachstumspotential. In das operative Geschäft will sich KKR demnach nicht einmischen. Es werde etwa keine Intervention geben bei dem Thema, welche Spieler kommen sollten oder nicht, hieß es.

Hertha BSC strauchelt schon seit einigen Jahren mit seiner finanziellen Situation. Der Klub hat einen Schuldenberg von 37 Millionen Euro angehäuft. In diesem Zusammenhang hat der Verein auch diverse Rechte aus dem Bereich TV und Marketing veräußert, um an Geld zu kommen. Nun sollen diese Rechte offenbar wieder zurückgekauft werden.

Der Hauptstadtverein war erst 2013 wieder in die Bundesliga aufgestiegen und gilt als Überraschungsmannschaft der Hinrunde: Nach 17 Spielen stand die Mannschaft auf dem sechsten Platz, der ein Ticket in das internationale Geschäft bedeutet. Offenbar ist KKR auch wegen des sportlichen Erfolgs eingestiegen: KKR rechne offenbar damit, dass Hertha „Aufholpotential“ habe, schreibt der „Spiegel“.

KKR ist einer der weltweit größten Finanzinvestoren und in Deutschland kein Unbekannter. Unter anderem ist KKR beim Gabelstaplerhersteller Kion und der Werktstattkette ATU investiert. Beim Fernsehkonzern ProSiebenSat1 war KKR jüngst ausgestiegen. Das Engagement von Finanzinvestoren ist in der Bundesliga kein Novum. 2004 war etwa der Hedgefonds-Manager Florian Homm beim damals finanziell angeschlagenen BVB mit mehr als 25 Prozent als Großaktionär eingestiegen. Homm war im vergangenen Jahr in Italien festgenommen worden, nachdem US-Behörden ihm Anlagebetrug vorgeworfen hatten.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundesliga: Finanzinvestor KKR steigt bei Hertha BSC ein"

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  • Irgendwie macht das ja nur Sinn, wenn da Fremdkapital im Spiel ist.

  • “Der Verein wird durch die Investition mit insgesamt 600 Millionen Euro bewertet.“

    Die Bewertung erfolgt nach Hertha-Angaben auf einem Unternehmenswert von 220 Mio. Das heißt die 60 Mio fließen nur zum Teil für den 10%-Anteil. Wie der Rest berechnet wird, könnte das Handelsblatt ja z.B. mal rausfinden.

    Bitte in Zukunft in Fußballfragen besser recherchieren.

    Die Woche war im Print-Handelblatt eine Grafik zur Deloitte Money League. Da war die Rede von „Arsenal London“, „Chelsea London“, „Tottenham Hotspurs“ oder „Juventus Turin“. Keiner dieser Verein heißt in Wirklichkeit so. Ist es so schwer, korrekte Vereinsnamen aufzunehmen, wenn man eh schon nur aus anderen Quellen abschreibt?

  • Hertha hat doch selber in der Pressekonferenz offengelegt, dass man mit etwa 220mio€ bewertet wurde. Woher kommen denn jetzt die 600 mio?

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