Bundesliga
Fußballprofis droht Welle von Steuerprüfungen

Bei jedem dritten, kickendem Großverdiener gibt es laut einem Bericht Verdachtsmomente für nicht deklarierte Einkünfte. Die Vereinigung der Vertragsfußballer empfiehlt ihren Mitgliedern im Zweifel eine Selbstanzeige.
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Fast jede dritte Steuerklärung von Bundesligaspielern ist nicht vollständig. Die Folge sind nach Informationen des WDR verstärkt Betriebsprüfungen bei den Großverdienern unter den Kickern. Eine Stichprobe des Landesrechnungshofes Niedersachsen bei 60 kickenden Großverdienern ergab in fast jedem dritten Fall Verdachtsmomente für nicht deklarierte Einkünfte vor allem aus Werbung und Handgeldern.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer hat ihre Mitglieder bereits vor den Betriebsprüfungen gewarnt und empfiehlt im Zweifel eine Selbstanzeige.

Die Steuergewerkschaft in Nordrhein-Westfalen geht von zahlreichen bisher unentdeckten Steuervergehen aus. „In Zusammenhang mit der Schweizer Steuer-CD sind Vorgänge bekannt geworden, die über Schweizer Konten sich abwickelten, die in Zusammenhang mit Panini liefen.

Da wurden beispielsweise die deutschen Panini-Bilder in der Schweiz lizensiert und in Italien gedruckt; und da wurden dann Kontenbewegungen bekannt. Bekannt wurde dann auch, dass deutsche Spieler Geld bekommen haben für die Hingabe ihrer Persönlichkeitsrechte und die sind in deutschen Steuererklärungen auch nie aufgetaucht“, sagte Manfred Lehmann, Vorsitzender der Steuergewerkschaft gegenüber dem WDR-Magazin „sport inside“.

Wegen der häufigen Vereinswechsel von Fußballprofis ist Überprüfung der Steuerakten für die Finanzämter allerdings ein Alptraum: In vielen Fällen werden die Erklärungen erst nach Jahren abgegeben, wenn die Spieler bereits im Ausland leben.

Dennoch begrüßt Lehmann die Initiative der Finanzbehörden: „Die Branche hat erkannt dass wir hier ein Problem haben, gleichzeitig ist aber auch die Finanzverwaltung noch mal darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich lohnt noch ein Auge extra auf den Profisport zu werfen. Ich gehe davon aus, dass im Profifußball, in den nächsten Jahren, deutlich mehr Ermittlungen stattfinden werden."

Der Fall erinnert an den des ehemaligen Bochumer Profis Raymond Kalla, der 2008 vom Bochumer Landgericht unter anderem zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, weil er ein Handgeld von 930.000 Euro nicht versteuert hatte.

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