Bundesliga
Fußballvereine fürchten Verluste

Deutschlands Bundesligavereine rechnen in der kommenden Saison mit sinkenden Erlösen. Die Wirtschaftskrise lässt Fernseh- und Sponsorengelder schrumpfen. Während einige Vereine sich mit günstigen Transfers begnügen müssen, gehen andere auf Einkaufstour. Die Schere zwischen armen und reichen Clubs wird größer.

DÜSSELDORF. Am Freitag geht die Bundesliga wieder an den Start. Der Saisonauftakt zwischen dem VfL Wolfsburg und dem VfB Stuttgart am Freitag ist für die Spieler der erste große Test nach der Sommerpause. Dem „Fitnesstest“ der Unternehmensberatung Ernst & Young mussten sich die Vereine bereits unterziehen. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Klubs rechnet in der neuen Saison mit sinkenden Einnahmen. Jeder dritte Bundesligist erwartet für die abgelaufene Saison sogar einen Verlust.

„Die Fußballbranche kann sich der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht entziehen“, sagt Christoph Ehrhardt, Partner bei Ernst & Young. Rückläufige Einnahmen erwarten die Klubs vor allem bei den Rechten für die TV-Vermarktung und beim Sponsoring. „Zwar gehen die Fußballfans weiter ins Stadion und sorgen für stabile Einnahmen aus dem Spielbetrieb, aber die Marketingbudgets der Unternehmen wurden im Zuge der Krise zusammengestrichen“, sagt Ehrhardt.

Immerhin sind die meisten großen Konzerne ihren Vereinen treu geblieben. Das Trikotsponsoring lohne sich auch weiterhin, heißt es etwa bei der Deutschen Telekom, Partner von Bayern München. Neu dabei ist die Postbank auf der Brust von Borussia Mönchengladbach. Und mit Netto hat der VfL Bochum als letzter Verein einen Trikotsponsor gefunden. Für den Discounter sei das Engagement finanziell kein Problem und Teil der Strategie, die Marke nach der Übernahme von 2 300 Plus-Märkten im neuen Vertriebsgebiet bekannter zu machen, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Wirtschaftskrise zu einer größeren Schere zwischen armen und reichen Klubs in Deutschland führen wird. Zwar investierten die Klubs der ersten Bundesliga bis gestern rund 185 Mio. Euro in neue Spieler, etwa so viel wie im Jahr zuvor. Auf große Einkaufstour gingen aber nur drei Vereine: Bayern München, der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg blätterten zusammen mehr als die Hälfte der Summe auf den Tisch. Bei den meisten kleineren Klubs ist dagegen vor allem eines angesagt: Sparen. Aufsteiger Nürnberg etwa gab bislang gerade mal 150 000 Euro für die Verstärkung seiner Mannschaft aus, Hannover 96 investierte 400 000 Euro.

Hannovers Präsident Martin Kind befürchtet deshalb, dass die erste Bundesliga noch stärker in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zerfällt. „Ohne einen starken Investor haben die Vereine im unteren Tabellendrittel keine Chance, den Rückstand aufzuholen“, sagt er. Den Klubs fehle für Investitionen schlicht das Geld. Wer nicht mindestens 70 Mio. Euro Umsatz erwirtschafte, habe kaum Chancen, Gewinne zu erzielen. Der Grund: „Wir müssen einen viel größeren Teil unserer Einnahmen für den Spielerkader ausgeben als etwa Bayern München, um einigermaßen wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Angesichts des bei den meisten Klubs herrschenden Sparzwangs behelfen sich die Manager mit günstigen Transferwegen: „Wir suchen nach guten ablösefreien Spielern und bevorzugen Ausleihgeschäfte“, sagt etwa Michael Preetz, Geschäftsführer von Hertha BSC Berlin. Der Verein ächzt unter 33 Mio. Euro Schulden und hat sich vorgenommen, den Spieleretat um gut fünf Mio. Euro zu senken. Damit geht der Verein allerdings auch ein erhebliches Risiko ein: Die Abstiegsgefahr steigt – und der Rutsch in die zweite Liga käme die Berliner deutlich teurer zu stehen als einige Verstärkungen für die Mannschaft.

Seite 1:

Fußballvereine fürchten Verluste

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%