Bundesliga-Spielball
Adidas gegen Nike: Eine Frage der Ehre

Anfang Mai hat die DFL den Ausschreibungsprozess für einen einheitlichen Spielball in der Fußball-Bundesliga ab 2010/11 abgeschlossen. Den Zuschlag erhielt erwartungsgemäß der fränkische Sportartikelhersteller Adidas - für knapp fünf Millionen Euro pro Saison. Spannender ist die Frage, warum Erzkonkurrent Nike vorzeitig aus dem Bieterkampf ausstieg.

HAMBURG. Als es in Sachen Einheitsball ans Eingemachte ging, hat Karl-Heinz Rummenigge getan, was er in Angelegenheiten wie diesen immer zu tun pflegt: Er machte den Standpunkt seines FC Bayern München klar. "Grundsätzlich halte ich die Idee für tragfähig, weil ein Liga-Ball zu lukrativen Mehreinnahmen führen könnte. Problematisch ist natürlich, dass wir einen Vertrag mit Adidas haben, in dem steht, dass wir mit Adidas-Bällen spielen müssen", erklärte der Vorstandschef der Münchner. Allerspätestens seit dem 6. Mai weiß Rummenigge, dass er sich in dieser Sache keine Sorgen mehr machen muss. Adidas wird - wie branchenweit erwartet - den Einheitsball für die 1. und die 2. Fußballbundesliga ab der Saison 2010/11 stellen, weitere Werbe- und Lizenzrechte der DFL erhalten und für das gesamte Paket knapp fünf Millionen Euro bezahlen.

Die Geschichte wiederholt sich

So weit, so bekannt. Viel spannender, weil überraschender, ist hingegen der frühzeitige Ausstieg des größten Adidas-Konkurrenten Nike, der sich vier Wochen vor dem Abschluss des Ausschreibungsprozesses verabschiedete. Zwar sei man durch die Erfahrungen als Ballsponsor in anderen Ligen "bestens mit den positiven Auswirkungen eines solchen Engagements vertraut" und habe das Angebot intensiv geprüft, wie Nike-Sprecher Olaf Markhoff auf Sponsors-Nachfrage erklärte. "Dennoch haben wir uns aus strategischen Gründen entschieden, von einem Ballsponsoring zum gegenwärtigen Zeitpunkt abzusehen."

Eine Aussage mit reichlich Raum für Spekulation. Für jene Version, die Brancheninsider am wahrscheinlichsten halten, gilt es, die Vorgeschichte von Nike und dem deutschen Fußball zu kennen. In Kurzform: Vor zwei Jahren hat der US-Konzern dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Angebot vorgelegt, dass es "in der Geschichte eines internationalen Fußballverbandes noch nie gegeben hat und wohl auch nie wieder geben wird", erklärt ein mit den Vorgängen vertrauter Manager. Nike bot dem DFB damals eine Partnerschaft im Wert von 62,5 Millionen Euro pro Jahr. Eine kaum vorstellbar lukrative Offerte, die einem Frontalangriff auf Erzfeind Adidas gleichkam. Doch dem langjährigen Verbandspartner aus Herzogenaurach genügte es, - wenn auch nach etlichen Diskussionen - sein Angebot auf rund 25 Millionen Euro zu erhöhen, um sich der Partnerschaft des Fußballverbandes weiterhin sicher zu sein. Eine Entscheidung, die später noch für heftige Debatten sorgte.

Als sich bei der Liga-Ball-Vergabe nun angeblich frühzeitig abzeichnete, dass Nike abermals "keine Chance haben wird", wie aus unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, boten sich dem US-Konzern zwei Möglichkeiten. Entweder, wie geschehen, auszusteigen. Oder möglichst lange mit zu bieten, den Preis damit nach oben zu treiben und den ungeliebten Konkurrenten wenigstens etwas zu ärgern.

Stachel bei Nike sitzt noch tief

Nutznießer von ebendieser - in der Branche gerne praktizierten - Strategie wäre freilich der deutsche Fußball gewesen. Ebenjener deutsche Fußball also, der den US-Konzern dereinst verschmähte. Dieser Stachel sitzt bei Nike offenbar noch tief. "Man darf den Stolz des Unternehmens nicht unterschätzen", will ein Manager wissen. Sprich: Alles eine Frage der Ehre.

Adidas wird die Haltung von Nike hingegen gefreut haben. Mit dem Deal dringt der Konzern in die Phalanx von Nike als Ballsponsor in Europas Top-Ligen ein - in der Premier League, der Primera Division und der Serie A ziert das Leder bereits einen Swoosh. Für die Herzogenauracher ist das DFL-Engagement indes wohl ein lukratives Geschäft. Alleine mit dem Verkauf der Replikate, grob geschätzt 100 000 Stück pro Jahr zum Durchschnittspreis von 60 Euro setzt Adidas sechs Millionen Euro um. Den immateriellen Werbewert des Engagements noch nicht mitgerechnet. Dagegen wird sicherlich auch Karl-Heinz Rummenigge nichts einzuwenden haben.

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