Fußball
Bundesliga und Klinsmann diskutieren schärfer

In der medienträchtigen Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Bundesliga und Bundestrainer Jürgen Klinsmann um seine Präsenz in Deutschland und eine mangelnde Kommunikation verhärten sich die Fronten zusehends.

Die Diskussion zwischen der Bundesliga und dem Nationaltrainer Jürgen Klinsmann um seine Präsenz in Deutschland hat an Schärfe zugenommen. "Der soll hierher kommen und nicht ständig in Kalifornien herumtanzen und uns hier den Scheiß machen lassen", kritisierte Manager Uli Hoeneß vom deutschen Meister Bayern München beim Pay-TV-Sender Premiere nicht einmal mehr acht Monate vor WM-Beginn.

Klinsmann konterte die Attacken in der medienträchtigen Auseinandersetzung: "Es scheint so, dass viele auf einen Dämpfer für die Nationalmannschaft gewartet haben. Das Wohnsitz-Thema stellt sich nicht", erklärte der 41-Jährige in der Bild am Sonntag entschieden und verbat sich ungeachtet der jüngsten Rückschläge der deutschen Nationalmannschaft (1:2 in der Türkei und 1:0 gegen China) auch fachlich jegliche Einmischung: "Was vor drei Monaten beim Confed Cup alles richtig war, kann man heute nicht alles in Frage stellen. Kein Manager und kein Trainer wird uns da reinreden."

Alarmiert von den Diskussionen in Deutschland unterstrich der Kapitän der deutschen Europameister-Elf von 1996 in weiteren Interviews seinen Führungsanspruch auch nachdrücklich: "Es passt einigen Leuten nicht, wie ich an die Dinge herangehe, was ich für eine Denkweise habe, und dass sie mich nicht so greifen können, wie sie es gerne hätten", sagte Klinsmann der Welt am Sonntag.

Klinsmann: "Eitelkeiten müssen hinten anstehen."

In der ARD-Sportschau konnte sich der Ex-Stürmerstar außerdem verbale Spitzen gegen seine Widersacher bei den Klubs nicht verkneifen. "Tatsache ist: Wir sind mit der Bundesliga nur noch Nummer sechs in Europa und bald vielleicht nur noch Siebter. Wir messen uns mit der Elite, das ist unser Maßstab. Einige Eitelkeiten müssen hinten anstehen."

Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs allerdings rieten "Vielflieger" Klinsmann unterdessen indirekt zur Korrektur zumindest einzelner Standpunkte: Die Wohnort-Debatte sei "eine psychologische Frage. Wäre er öfter in Deutschland, gäbe es solche Diskussionen überhaupt nicht. Alles andere bricht dann in sich zusammen", meinte Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Fernsehsender DSF.

Mayer-Vorfelder: "Ich glaube, er wird öfter da sein."

"MV" ließ allerdings mit Blick auf das WM-Turnier 2006 in Deutschland auch seine Marschrichtung für anstehende Gespräche mit Bundestrainer zur Vorbereitung des für Ende Oktober geplanten "Gipfeltreffens" mit Liga-Managern und -Trainern, das in Hamburg kurzfristig geplatzt war, erkennen: "Ich glaube, er wird öfter da sein."

Liga-Chef Werner Hackmann bestritt im Kölner Express zwar die Existenz einer "Anti-Klinsmann-Stimmung" bei den Vereinen, monierte allerdings auch den Abflug des Bundestrainers Richtung USA am frühen Morgen nach dem China-Match ohne weitere Gespräche mit seinen Kritikern: "Das war sicherlich unklug von ihm. Beim Spitzenspiel in Schalke hätte er sich blicken lassen müssen. So hat Klinsmann zumindest verpasst, ein Signal zu setzen."

Einen Balance-Akt zwischen denkbaren Zugeständnissen und der sportlichen "Richtlinien-Kompetenz" des DFB-Stabes versuchte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff: "Wir haben die Botschaften gehört", erklärte der frühere Profi in der Wams zwar und signalisierte im ZDF offenbar im Namen seines "Chefs" Gesprächsbereitschaft: "Es ist Klärungsbedarf vorhanden. Es ist ein Bild entstanden, dass wir nicht wollen. Wir wollen nicht sagen, dass in der Bundesliga falsch trainiert wird." Bierhoff stellte aber zugleich auch klar: "Jürgen wird sich keine fachlichen Vorschriften machen lassen. Wir können nicht die Wünsche aller 18 Klubs berücksichtigen."

Klinsmann: "Es wäre ein Witz, die Trainingsintensität zurückzufahren."

Das liegt nach Klinsmanns Aussagen auch gar nicht in der Absicht des einstigen Publikumslieblings: "Man kann es nicht jedem recht machen. Und das ist auch nicht meine Intention." Fachliche Vorwürfe wegen seiner Trainingsmethoden, des mangelden Gerüstes für eine WM-Stammelf, der Rotation im Tor der Nationalelf oder Desinteresse an den Bedürfnissen der Vereins-Trainer wies der DFB-Chefcoach jedoch auch zurück: "Es wäre ein Witz, die Trainingsintensität herunterzufahren. Wir fordern vor Länderspielen auch nicht, dass Bundesligisten ihre Intensität herunterfahren. Wir haben weder mit den Torhütern noch haben wir 20 oder 30 andere Probleme. Sollten Probleme dasein, würden wir sie umgehend angehen."

Mayer-Vorfelder gab Klinsmann ungeachtet der Zweifel am Kurs des Bundestrainers bei prominenten Kollegen wie Ottmar Hitzfeld ("Ich weiß nicht, ob die Kommunikation so richtig stimmt" und Udo Lattek ("Klinsmann sagt immer ´Ja, Ja´, ist aber nicht lernfähig. Sein Training sorgt für verkehrte Belastung") für den sportlichen Bereich auch Rückendeckung: "Ich finde es gut, dass er ein eigenwilliger Typ ist mit eigenen Vorstellungen. Das sollte man ihm nicht austreiben. Er muss seinen eigenen Weg gehen. Dafür ist er Bundestrainer geworden."

© SID

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