Bundesligatrainer Tuchel
Eine Fußballpause als Karriereturbo

Sich eine Auszeit gönnen? Das war früher für Bundesliga-Trainer undenkbar. Sie wurden gefeuert. Der Mainzer Thomas Tuchel macht es anders und gilt im Handumdrehen sogar als Kandidat für den Posten des Bundestrainers.
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DüsseldorfBundesliga-Trainer und Topmanager haben mehr gemeinsam als gedacht. Das dürfte Thomas Tuchel von Mainz 05 gespürt haben, als er vor einem Jahr zusammen mit dem Chef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp, Heinrich Hiesinger, auf der Bühne einer Handelsblatt-Veranstaltung stand. Am Wochenende nun sorgte Tuchel für einen Paukenschlag, der zum Trend werden könnte: Er gönnt sich eine Pause und nutzt das als Karriereturbo.

Der ungewöhnliche Rückzug vom Trainerjob in Mainz löste sogleich große Spekulationen aus. Schließlich gilt er als einer der begehrtesten jungen Wilden unter den Trainern. Sogar den Job des Bundestrainers trauen ihm viele zu. Und war es etwa ein Zufall, dass er im letzten halben Jahr nicht nur mit Schalke, sondern auch mit Leverkusen über seine Zukunft gesprochen  hat? Immerhin der Dritte und Vierte der vergangenen Saison.

Tuchel ist nicht der einzige Flüchtling. Eigentlich werden Trainer ja gefeuert. Doch zuletzt war das oft anders. Sie gehen, obwohl sie ihre Ziele erreichen. Tuchel führte Mainz in den internationalen Wettbewerb. Armin Veh bewahrte Frankfurt vor dem Abstieg. Genauso wie Sascha Lewandowski, der den vierten Platz mit Leverkusen schaffte und nun wieder Jugendtrainer ist.

Und beim VfB Stuttgart verkündete Huub Stevens, dass er sich wie Tuchel eine Auszeit genehmigt. Versüßt wurde das durch eine satte Prämie, und bekannt gab er es natürlich erst, nachdem er die Stuttgarter wie erhofft vor dem Abstieg in die Zweite Liga bewahrt hatte. Ironie der Geschichte: Er macht damit den Weg für Veh frei, den VfB-Meistertrainer von 2007.

Ausgerechnet Tuchel nehmen aber viele nicht ab, dass er mal eine Pause braucht. Schließlich ist er noch relativ jung, noch nicht lange im Geschäft – und begehrt. Tuchel kam als Außenseiter in seinen Job bei Mainz. Und er war ein Bundesliga-Trainer ohne Profi-Erfahrung – eine absolute Seltenheit. Meistens trainieren Ex-Profis Bundesligavereine.

Doch das macht nichts, denn Tuchel bewies, dass er führen kann. Wie das geht, erzählte er vor einem Jahr, als das Handelsblatt gemeinsam mit sieben Konzernen und 700 Führungskräften den ersten „Tag des Nachdenkens” veranstaltete. Unter dem Motto „Pathfinder – Die Zukunft beginnt heute” diskutierten sie im Hangar 2 des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof über ein Leben jenseits von Angebot und Nachfrage.

 

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