Bundestrainer glaubt an Titelgewinn
Klinsmann: "Wollen noch zwei Spiele gewinnen"

Die deutsche Mannschaft setzt ihren Traum vom WM-Titel fort: "Wir wollen noch zwei Spiele gewinnen", macht Bundestrainer Jürgen Klinsmann klar, dass der Viertelfinal-Erfolg gegen Argentinien nicht das Ende sein soll.

Der Empfang der Helden im Schlosshotel Grunewald war genauso emotional wie zuvor schon die ekstatischen Jubelfeiern im Berliner Olympiastadion: Nach dem Elfmeterkrimi gegen Argentinien konnten die erschöpften Spieler im Mannschaftsquartier ihre Frauen und Kinder überglücklich in die Arme schließen. Auch Jürgen Klinsmann freute sich sehr über den Besuch seiner Familie. Der Bundestrainer genoss sichtlich den Augenblick. Es wurde gegrillt, geredet, gefeiert, gelacht, und so ganz nebenbei lief das Spiel des kommenden Halbfinal-Gegners Italien.

Schon am Samstagmorgen hatte Klinsmann das Viertelfinale gegen die Südamerikaner, die anschließenden Tumulte und die Heldentaten von Torwart Jens Lehmann, der beim 4:2 i.E. (1:1 n.V.) zwei Elfmeter abwehrte, jedoch weitgehend abgehakt. Zusammen mit seinem Assistenten Joachim Löw und Chefscout Urs Siegenthaler startete er umgehend die akribische Vorbereitung auf den Klassiker am Dienstag (21.00 Uhr) in Dortmund gegen Italien, in dem das deutsche Sommermärchen fortgeschrieben werden soll.

"Wir haben natürlich diesen tollen Moment genossen und gefeiert"

"Wir haben natürlich diesen tollen Moment genossen und gefeiert. Aber wir haben der Mannschaft direkt nach dem Spiel gesagt, dass wir nach vorne schauen wollen. Das ist das Wichtigste. Wir wollen noch zwei Spiele gewinnen", verdeutlichte Klinsmann, dass der deutsche Fußball-Traum erst am 9. Juli beim Finale zu Ende gehen soll.

Schon jetzt ist der Glaube an die deutsche Nationalmannschaft so stark wie schon lange nicht mehr. Vom Bundespräsidenten Horst Köhler über Kanzlerin Angela Merkel bis hin zu "Kaiser" Franz Beckenbauer, die sich auf der Ehrentribüne jubelnd in den Armen lagen, ist inzwischen ganz Deutschland davon überzeugt, dass die noch vor Wochen belächelte Klinsmann´sche Vision vom vierten WM-Titel Realität wird.

"Nur" mit dem Halbfinale will sich längst niemand mehr begnügen. "Man darf nicht locker lassen und denken, dass man schon etwas erreicht hat. Wir wollen Weltmeister werden. Der Titel ist wichtig, daran wird man letztendlich gemessen", betonte Teammanager Oliver Bierhoff, für den die DFB-Auswahl schon jetzt "zu Recht zu den besten Teams der Welt gehört. Die Welt hat wieder Angst vor der deutschen Mannschaft".

"Jeder Einzelne will an seine Grenzen gehen"

Klinsmann glaubt sogar, dass seine Mannschaft, die mit fünf Siegen in Folge bei einer WM schon jetzt DFB-Geschichte geschrieben hat, noch zulegen kann. "Jeder Einzelne will an seine Grenzen gehen. Ich bin sicher, dass bei allen die Grenzen erst am 9. Juli zu sehen sein werden", sagte der Bundestrainer. "Absolut sicher" war er gegen die Argentinier auch, dass sein Team trotz eines 0:1-Rückstands durch Roberto Ayala (49.) "zurückschlagen wird". Per Kopfball erzwang Miroslav Klose (80.) schließlich die Verlängerung und das Elfmeterschießen, in dem Lehmann durch Paraden gegen Ayala und Esteban Cambiasso zum neuen "Titan" avancierte.

"Das war ein Thriller, ein echter Hitchcock. Aber wir haben uns das verdient", analysierte Klinsmann und zeigte sich "sehr, sehr stolz auf unsere Mannschaft. Da ist etwas zusammengewachsen." Als wichtigsten Grund für die momentane Leistungsstärke führte er den "unglaublichen Zusammenhalt" an.

Kahns große Geste

Besonders deutlich wurde der Teamgeist, als Oliver Kahn vor dem Elfmeterschießen seinem Rivalen Lehmann den Arm um die Schulter legte und ihm viel Glück wünschte und ihn anschließend herzlich umarmte. Dies zeige, so Klinsmann, "dass keiner neidisch ist und jeder dem anderen den Erfolg gönnt. Gewinner ist für mich deshalb nicht nur Jens Lehmann, sondern vor allem auch Oliver Kahn".

Das Fußball-Märchen soll nun am Dienstag im "Wohnzimmer" in Dortmund weitergehen. Noch nie hat die DFB-Auswahl dort verloren. Diese Serie soll auch gegen die Italiener Bestand haben, zumal die deutsche Elf gegen die "Azzurri" noch etwas gutzumachen hat. "Da haben wir noch eine Rechnung offen", verdeutlichte Lukas Podolski nach der 1:4-Klatsche am 1. März in Florenz.

Die Pleite hatte damals derart viel Staub aufgewirbelt, dass sich plötzlich selbst Klinsmann seines Jobs nicht mehr ganz sicher sein durfte. Vergangenheit. "Wir haben einen Lauf, spielen seit WM-Beginn auf einem hohen Niveau und machen dabei wenig Fehler", beschreibt Michael Ballack den Status quo. Der Kapitän selbst ging gegen Argentinien als Vorbild voran, schleppte sich mit ständigen Wadenkrämpfen über die 120 Minuten und verwandelte anschließend sogar seinen Elfmeter sicher.

"Fantastisches Erlebnis"

Doch ebenso wie bei Klinsmann wollten sich auch die Spieler nicht mit diesem "fantastischen Erlebnis" (Lehmann) aufhalten. "Das war das Viertelfinale, nun kommt die nächste große Herausforderung. Die Leute sollen jetzt feiern. Ich bereite mich auf Dienstag vor", meinte die deutsche Nummer eins ganz cool. Auch Christoph Metzelder richtete gleich wieder den Blick nach vorne: "Ich freue mich jetzt auf das Spiel in Dortmund, das wird ein Spiel wie wir es noch nie erlebt haben."

Mittendrin wird dann wohl auch die Kanzlerin wieder sein, die beim Argentinien-Spiel kaum gekannte Emotionen zeigte. Doch selbst Angela Merkel hält es inzwischen mit Jürgen Klinsmann: "Das war ein sensationelles, einzigartiges Spiel. Jetzt freuen wir uns, danach müssen wir aber achtsam sein. Jedes Spiel, was jetzt kommt, ist ein hartes Spiel."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%