Bundestrainer Jürgen Klinsmann
Chronologie einer Amtszeit

Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist nach zwei Jahren von seinem Amt zurückgetreten. Die wichtigsten Stationen seines Wirkens in der Übersicht.

29. Juli 2004
Jürgen Klinsmann wird als neuer Bundestrainer vorgestellt, mit ihm Oliver Bierhoff als Teammanager. Klinsmann sagt: "Ich habe die große Hoffnung, dass wir 2006 Weltmeister werden." Einen Tag später benennt Klinsmann Joachim Löw zu seinem Assistenten.

18. August 2004
Vor dem ersten Länderspiel (3:1 in Österreich durch drei Tore von Kevin Kuranyi) ernennt Klinsmann Michael Ballack zum neuen Kapitän. Eine verständliche, aber problematische Entscheidung, weil Oliver Kahn als Kapitän abgesetzt wird.

8. September 2004
Die Nationalmannschaft trotzt dem Weltmeister Brasilien ein 1:1 ab. Das Spiel ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Zum ersten Mal sind die Grundzüge des neuen Stils (offensiv denken und nach vorne spielen) zu erkennen, und zum ersten Mal lässt Klinsmann die Spieler von amerikanischen Fitness- Experten malträtieren.

10. Oktober 2004
Auf dem Flughafen von Teheran teilt Klinsmann Torwarttrainer Sepp Maier (Foto) mit, dass er nicht mehr benötigt werde. Maier hatte gegen das Neutralitätsgebot verstoßen und über Jens Lehmann gesagt: "Er kann sich aufhängen. Er wird nie die Nummer eins." Zu Maiers Nachfolger bestimmt Klinsmann Andreas Köpke. Gegen den Iran (2:0) kommt Per Mertesacker zu seinem Länderspieldebüt. Er steht fortan prototypisch für den von Klinsmann eingeleiteten Verjüngungsprozess. In den zwei Jahren seiner Amtszeit beruft er 13 Neulinge.

19. Dezember 2004
Deutschland verliert bei der Asien-Reise 1:3 gegen Südkorea. Es ist die erste Niederlage für Bundestrainer Klinsmann.

29. Juni 2005
Die Zuschauer im Leipziger Zentralstadion haben einen neuen Liebling. Nach dem Spiel um Platz drei des Confed-Cups (4:3 gegen Mexiko) wird Klinsmann zum ersten Mal mit Sprechchören gefeiert. Das Publikum macht den Bundestrainer für das attraktive Spiel der Mannschaft verantwortlich, das sie in diesen Sommerwochen gezeigt hat. Nur Oliver Kahn murrt: "Es ist haarsträubend, wie viele Fehler wir machen. Das ist Kamikaze."

Herbst 2005
Nach einigen unerfreulichen Ergebnissen (2:2 gegen Holland, 0:2 in der Slowakei, 1:2 in der Türkei) regt sich das Establishment gegen Klinsmann. "Klinsi nur noch Krisi", schreibt "Bild". Es kommt zur Krisensitzung mit den Managern der Bundesliga. Das Ergebnis: Die "Task Force", eine schnelle Eingreiftruppe der Bundesliga, wird reaktiviert. Deren Sprecher Uli Hoeneß (Foto) sagt: "Es kann sein, dass wir uns bis zur WM gar nicht mehr treffen, weil es nicht nötig ist."

Februar 2006
Durch eine Indiskretion wird vorzeitig bekannt, dass Klinsmann Bernhard Peters, den Trainer der Hockey-Nationalmannschaft, zum Sportdirektor des DFB machen möchte. Die alten Männer im Verband meutern und installieren Matthias Sammer mit der Begründung, dass er Stallgeruch habe.

1. März 2006
Die deutsche Mannschaft verliert in Florenz 1:4 gegen Italien. "Mit dir ist unsere Nationalmannschaft nur noch zum Weinen", schreibt "Bild". Als Klinsmann kurz darauf beim Workshop der WM-Trainer in Düsseldorf fehlt, wirft ihm Franz Beckenbauer eine schlechte Kinderstube vor. "Man wollte mich kippen", sagt Klinsmann.

7. April 2006
Der Bundestrainer nimmt weiterhin wenig Rücksicht auf die Meinung des Volkes und die Vorlieben der Boulevardpresse. Zwei Wochen nach dem 4:1 gegen die USA beendet er den Torwartkrieg. Jens Lehmann heißt die neue Nummer eins. "Klinsi killt Kahn", schreibt "Bild".

15. Mai 2006
Bei der Benennung des WM-Kaders bleibt sich Klinsmann treu. Er verzichtet auf Kevin Kuranyi, Patrick Owomoyela und Fabian Ernst. Dafür nominiert er überraschend David Odonkor (Foto), der vorher noch kein Länderspiel bestritten hat.

9. Juni 2006
Kurz vor WM-Beginn wirkt Klinsmann sehr angespannt. Michael Ballack fordert mehr Defensive ein. Beim Eröffnungsspiel fehlt Ballack, Klinsmann sagt, er sei nicht fit. Am Abend vor dem Spiel lässt der Kapitän via "Bild" verkünden, er könne spielen. Doch Klinsmann lässt ihn nicht. Die Deutschen gewinnen trotzdem 4:2 gegen Costa Rica.

4. Juli 2006
Deutschland verliert im WM-Halbfinale 0:2 gegen Italien - nach fünf Siegen hintereinander, was noch keiner deutschen Mannschaft bei einer WM gelungen ist. Mit einem 3:1 gegen Portugal sichern sich die Deutschen den dritten Platz.

9. Juli 2006
"Es gibt nur ein' Jürgen Klinsmann", singen die Fans in Berlin. So ist es. Gäbe es zwei, könnte einer in Kalifornien bei der Familie bleiben und der andere die Nationalelf trainieren.

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