Bundestrainer kämpferisch
Klinsmann sieht noch "Luft nach oben"

Bundestrainer Jürgen Klinsmann gibt sich vor der Achtelfinal-Partie der DFB-Auswahl gegen Schweden kämpferisch. Auch Mittelfeldspieler Bernd Schneider ist sich sicher, "dass wir das Viertelfinale erreichen".

Nach dem überzeugenden 3:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft im letzten Vorrundenspiel gegen Ecuador soll die Erfolgsstory der Klinsmann-Truppe auch im Achtelfinale am Samstag gegen Schweden (17.00 Uhr/live im ZDF und auf Premiere) nicht abreißen. "Ab dem K.o.-System ist alles auch eine Kopfsache, dazu wollen wir aber unsere Leidenschaft und die Rückendeckung durch unser Publikum in die Waagschale werfen", gibt sich Klinsmann vor der Achtelfinal-Partie kämpferisch. Der Bundestrainer betonte mit Nachdruck, dass seine Mannschaft nach den drei gewonnenen Gruppenspielen nach wie vor "mental und körperlich topfit" sei.

"Konzentrieren uns auf die eigenen Stärken"

Durch das abschließende 3:0 gegen Ecuador und den damit verbundenen ersten Tabellenplatz in der Gruppe A sei das Selbstbewusstsein innerhalb des Teams noch einmal gestiegen, erklärte der Weltmeister von 1990. Aus diesem Grund wolle er die Mannschaft in den kommenden Tagen nicht mit Informationen über die Skandinavier überfrachten: "Wir konzentrieren uns eher auf die eigenen Stärken."

Nicht viel anders sieht es Bernd Schneider. "Das wird am Samstag sicherlich eine schwere und spannende Partie, weil beide Mannschaften ein hohes Tempo gehen werden. Aber wir haben gezeigt, was wir leisten können. Deshalb bin ich sicher, dass wir das Viertelfinale erreichen", sagte der Leverkusener mit Überzeugung. Der Mittelfeldspieler stellte aber klar, dass die Verdienste aus der Vorrunde "nichts mehr zählen". Einen besonderen Druck verspüre die Mannschaft deshalb aber nicht: "Die jungen Spieler sind unbekümmert und spielen frech drauf los, und wir Älteren wissen, wie wir mit einer solchen Situation umgehen müssen."

Zu dieser Lockerheit passte, dass die Nationalspieler nach ihrem Sieg gegen Ecuador mehr oder weniger nur am Rande verfolgten, auf wen sie im Achtelfinale treffen. "Wir haben mit unseren Familien im Garten gesessen, der ein oder andere hat dann nebenbei das Spiel zwischen Schweden und England geschaut", berichtete Schneider von der kleinen Party am Dienstagabend im DFB-Quartier Schlosshotel im Grunewald, bei der erst um ein Uhr "Zapfenstreich" war.

"Haben großen Respekt"

Auch Klinsmann wiederholte, dass ihm der Gegner in der nächsten Runde wenig Kopfzerbrechen gemacht habe. "Uns war egal, auf wen wir treffen. Wir müssen es ohnehin nehmen wie es kommt. Wir haben großen Respekt vor der schwedischen Mannschaft, die in Europa und der ganzen Welt ein Wort mitsprechen kann. Aber wir gehen mit breiter Brust in dieses Spiel", sagte der 41-Jährige drei Tage vor dem Match im München, wo der WM-Gastgeber am 9. Juni beim 4:2 gegen Costa Rica einen gelungen Start in das Turnier gefeiert hatte.

Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff zollte dem "Drei-Kronen-Team" Respekt: "Das ist ein ganz schwerer Brocken, die Mannschaft steht unglaublich kompakt und hat auch starke Individualisten in ihren Reihen." Der frühere DFB-Kapitän baut aber ebenso wie Klinsmann und vor allem auch der aktuelle Spielführer Michael Ballack auf den zwölften Mann, um die Hürde Achtelfinale zu nehmen. "Die Zuschauer schweben auf einer Euphoriewelle und wir auch. Wir brauchen das Publikum und sind bereit, auch einen großen Gegner zu schlagen", betonte Ballack.

23,11 Mill. Fans verfolgen TV-Übertragung

Diese Euphorie hatte am Dienstag einen neuen Höhepunkt erreicht. Denn die TV-Übertragung des Spiels Deutschland-Ecuador verfolgten bei der ARD in der Spitze 23,11 Mill. Fans, was 83,7 Prozent der Haushalte entspricht und somit WM-Rekord bedeutet. Rund zwölf Mill. Fans sollen zudem auf öffentlichen Plätzen die Partie in Berlin verfolgt haben. "Es ist toll, diese Begeisterung zu sehen. Das ist eine Einheit zwischen Mannschaft und Fans entstanden, die uns weit tragen kann. Aber es besteht keine Gefahr, dass wir abheben", versicherte Arne Friedrich, der selbst wie die ganze deutsche Mannschaft von Spiel zu Spiel mehr Sicherheit bekommt.

"Wir hatten sicher den Vorteil, dass wir in der Vorrunde keinen Kracher hatten und uns so immer mehr einspielen konnten", sagte der Berliner, der von einer weiteren Steigerung der deutsche Elf im Turnierverlauf ausgeht. Auch Klinsmann sieht das Potenzial seines Teams bei weitem noch nicht ausgeschöpft. "Wir wissen, dass wir noch Luft nach oben haben. Deshalb halten wir die Trainingsintensität auch sehr hoch, damit wir auch in nächsten Wochen unser Level halten."

Klinsmann fordert Leistungssteigerung

Entsprechend realistisch hätten er und sein Kollege Joachim Löw auch trotz aller Freude den Erfolg über die Südamerikaner bewertet. "Jogi und ich konnten sehr schnell die Qualität dieses Spiels einschätzen. Wir wissen, dass uns jetzt ganz andere Kaliber erwarten und wir uns weiter steigern müssen, um möglichst noch am 9. Juli in Berlin zu sein", erklärte der Bundestrainer, warum er nach dem Match nicht in die allgemeinen Jubelorgien miteinstimmen wollte.

Positiv zur Kenntnisse genommen habe er neben den Ergebnissen in der Vorrunde aber, dass sich die Persönlichkeitsstruktur innerhalb der Mannschaft weiter verbessert habe: "Die Mannschaft ist in den vergangenen Wochen gewachsen und reifer geworden." Deshalb ist Klinsmann auch nicht bange davor, wenn seine Mannschaft mal zurückliegen sollte: "Das würde uns nicht aus der Bahn werfen. Wir wären auch nach einem 0:1 weiter zuversichtlich und von uns überzeugt."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%