Bundestrainer Löw
„Weltmeister werden ist nicht das Einfachste auf der Welt”

Die Vorfreude auf ein großes Fußballfest hat Bundestrainer Jogi Löw schon bei der WM-Auslosung im Gepäck. Seinen Plan, wie er die Liebe, Stärke und Leidenschaft der Gastgeber kontern will, verrät er im Interview.
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Costa do SauípeDie WM in Brasilien bekommt am Freitag mit der Gruppen-Auslosung in Costa do Sauípe ein Gesicht. Haben Sie den Reiseführer mit in der Tasche, Herr Löw?
Ich habe mich schon in diesem Sommer ausgiebig mit Brasilien beschäftigt. Die Vorfreude ist auf jeden Fall sehr groß. Brasilien ist einfach das Fußball-Land. Das habe ich schon beim Confed Cup erlebt und gespürt. Es wird nirgendwo Fußball intensiver gelebt und geliebt als in Brasilien. Deshalb freue ich mich darauf, Land und Leute noch ein bisschen näher kennenzulernen, auch wenn der Trip nicht so lang ist. Ich war schon im Sommer begeistert von dieser Intensität, von der Liebe und der Leidenschaft für den Fußball. Das hat mich sehr beeindruckt.

Das klingt nach Fußball-Traumland auch für Sie persönlich?
Ja. Brasilien hat ja eine riesengroße Fußballgeschichte. Schon die fünf Titelgewinne sprechen eine klare Sprache. Man kennt ja die Bilder im Fernsehen, wenn die Kinder dort sozusagen mit dem Ball am Fuß aufwachsen. Ich habe selbst gesehen, dass es eine unglaubliche Anzahl an Talenten gibt. Das kleinste Kind ist fußballvernarrt. Überall wird Fußball gespielt, in allen Altersschichten. Fußball hat bei den Menschen wahrscheinlich den höchsten Stellenwert nach der Religion.

Schon 1970 wurde Brasilien zum dritten Mal Weltmeister. Waren Sie selbst damals als zehnjähriger Junge auch der kleine Pelé beim Bolzen auf der Straße?
Pelé war zu unserer Zeit sicher eines unserer Idole wie hier im Land Franz Beckenbauer. Mein Idol war ja auch Günter Netzer. Aber diese brasilianischen Ballzauberer, die haben wir schon gekannt und bewundert.

Was verbindet Sie als Trainer mit Brasilien? Haben Sie die großen brasilianischen Weltmeister-Trainer wie Mario Zagallo, Felipe Scolari, der ja jetzt wieder aktueller Nationalcoach ist, oder Carlos Alberto Parreira studiert?
Ich habe in meiner ganzen Laufbahn als Trainer immer versucht, die südamerikanische Spielweise zu studieren, mich auch daran zu orientieren. Es ist natürlich auch ein etwas anderer Stil und nicht unbedingt eins zu eins auf unsere Spielweise zu übertragen. Zuletzt hat mich Brasilien beim Confed Cup sehr beeindruckt. Gute Defensivarbeit, Ordnung, Organisation - das sieht man neben aller individuellen Klasse. Dazu bringen die Brasilianer im Vergleich zu den vorangegangen Jahren auch eine sehr gute Physis mit.

Brasilien ist also Ihr Topfavorit. Sie streben den Titel mit Ihrem Team auch an. Was muss alles zusammenkommen, damit das gelingt?
Es muss alles passen. Die Spieler müssen in einer hervorragenden Form sein. Wir müssen es schaffen, dass wir uns in den drei, vier Wochen Vorbereitung richtig einspielen. Dann müssen wir von Verletzungen verschont bleiben in den Monaten davor. Dazu braucht man das Quäntchen Glück. Wir haben ja schon erlebt, dass es an ganz winzigen Dingen, an Nuancen, hängt, ob man ins Finale kommt oder zuvor ausscheidet. Die Mannschaft muss zu 100 Prozent funktionieren. Wenn jemand denkt, wir Deutschen müssen nur an den Zuckerhut fliegen und einfach den WM-Pokal abholen, diese Leute verkennen die Situation.

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