Bundestrainer trifft Entscheidung kurzfristig
Klinsmann nach Ballack-Genesung unter Zugzwang

Jürgen Klinsmann muss den ersten Brandherd löschen: Vor dem Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Costa Rica gibt der Gesundheitszustand von Michael Ballack Rätsel auf und sorgt zugleich für Unruhe.

Das Rätselraten um Michael Ballacks Gesundheitszustand sorgt bei der deutschen Nationalmannschaft vor dem Eröffnungsspiel gegen Costa Rica offenbar für reichlich Feuer unterm Dach. Auslöser war der Gesundsheits- und Fitnesszustand von Michael Ballack, der von dem 29-Jährigen anders als von Jürgen Klinsmann eingeschätzt wurde. Womöglich wird aus diesem Schwelfeuer sogar ein Flächenbrand wird, der das DFB-Team während des gesamten Turniers belastet - abhängig auch vom Aussehen der Anfangsformation der Mannschaft am Freitagabend in München.

Nachdem sich Ballack, der eine Woche zuvor bei der WM-Generalprobe gegen Kolumbien einen Schlag auf die Wade erhalten hatte und seitdem an einer Muskelverhärtung laboriert, nach der Ankunft am Donnerstag in München selbst einsatzbereit gemeldet hatte, geriet der Bundestrainer in Zugzwang. Der 41-Jährige hatte tags zuvor noch ohne Wenn und Aber erklärt, dass sein "Leader" gegen die "Ticos" nicht zur Verfügung steht.

Klinsmann contra Ballack

"Er hat in Berlin noch kein komplettes Mannschaftstraining mitmachen können. Deshalb macht es keinen Sinn. Wir hoffen, dass er beim zweiten Spiel zur Verfügung steht", sagte Klinsmann. Dem widersprach Ballack wenige Stunden später energisch. "Ich fühle mich fit und spüre keine Beschwerden mehr", sagte der 29-Jährige und fügte hinzu: "Ich habe mich bei Klaus Eder intensiv behandeln lassen und dem Trainer mitgeteilt, dass ich spielen kann. Ob er mich spielen lässt, ist seine Entscheidung."

Klinsmann, der schon wegen seiner offensiven Spielausrichtung beim 2:2 gegen Japan in der vergangenen Woche von seinem Kapitän öffentlich kritisiert worden war ("Wir müssen viel defensiver spielen"), steckte durch Ballacks erneutes Vorpreschen in der Zwickmühle: Am Mittwochmittag hatte er seinen Spielern erklärt, wer am Nachmittagstraining nicht teilnehmen könne, würde auch am Freitag nicht spielen. Aufgrund dieser Drohung biss Ballack offenbar auf die Zähne und startete am Nachmittag einen Trainingsversuch. Um kein Risiko einzugehen, musste der künftige Chelsea-Profi die Einheit aber vorzeitig abbrechen.

"Kaiser" Franz Beckenbauer, in der Vergangenheit nicht immer Klinsmanns Meinung, gab seinem früheren Kapitän in der Diskussion um Ballack Rückendeckung. "Dass Klinsmann im Eröffnungsspiel auf den Kapitän verzichten will, ist eine schwere, aber richtige Entscheidung. Gerade Muskelverletzungen in der Wade können böse Folgen haben, das Risiko wäre einfach zu groß", sagte der OK-Chef in diversen Kommentaren.

Unabhängig von der Entscheidung über die Aufstellung am Freitag: Klinsmanns Verhältnis zu Ballack, dem er bereits zu Beginn der Amtszeit die Spielführerbinde von Oliver Kahn übertragen hatte, scheint abgekühlt. Dass sich der künftige England-Legionär neben der Behandlung bei Physiotherapeut Klaus Eder und Mannschafts-Orthopäde Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt auch noch in die Obhut von "Wunderheiler" Kurt Schweinberger begab, soll Klinsmann neben der Systemkritik Ballacks zudem übel aufgestoßen sein. "Ich kenne den Herrn nicht", hatte der Bundestrainer süffisant erklärt und zudem klar gemacht: "Nur unsere DFB-Mediziner können Michael wieder gesund schreiben".

Neben Ballack vertrauen allerdings auch Torwart Jens Lehmann, Bernd Schneider sowie die Bremer Fraktion Tim Borowski, Torsten Frings und Miroslav Klose auf die Kräfte des Bio-Energetikers. Bis auf Borowski alles Führungsspieler, ebenso wie der zur Nummer zwei degradierte Oliver Kahn, die auch hinter Ballacks vor Millionenpublikum geäußerter Symstemkritik gestanden haben sollen.

Dass die Mannschaft bei der durchaus gelungenen WM-Generalprobe gegen Kolumbien (3:0) im Gegensatz zum Japan-Spiel eine eher kontrollierte Offensive an den Tag gelegt hatte, war angeblich das Ergebnis einer Eigeninitiative. Klinsmann, der nach dem Match von einer grundsätzlichen Änderung seiner Spielphilosohie nichts wissen wollte, habe dies intern zähneknirschend zur Kenntnis genommen.



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Dass Ballack nach seiner Verletzung gegen Kolumbien zweieinhalb Tage im Kreise seiner Familie genossen hat und sich erst am Pfingstmontag nach dem Eintreffen in Berlin in Behandlung gegeben hat, soll zusätzlich für Zündstoff gesorgt haben. "Bei uns ist keiner sauer auf Ballack, weil er die Verletzung vielleicht unterschätzt hat. Er kennt seinen Körper am besten und ist davon ausgegangen, dass die Wadenverhärtung bis Montag abklingt", äußerte Klinsmann.

Gegen Spekulationen, sich möglicherweise fahrlässig verhalten zu haben, setzte sich Ballack aber vehement zur Wehr: "Ich wehre mich gegen alle Unterstellungen, unprofessionell gehandelt zu haben. Solche Behauptungen sind eine absolute Frechheit." Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff verteidigte den Kapitän: "Michael hat sich professionell verhalten. Diese Anschuldigungen sind nicht angebracht."

© SID

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