Bundestrainer verliert das Ziel nicht aus den Augen
Willenskraft, die Großes schafft

Der Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien war kein Spiel für schwache Nerven. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kam gegen das Weltklasse-Team aus Südamerika erstmals an ihre Grenzen - und ging zeitweise sogar darüber hinaus. Das Erfolgsgeheimnis hat einen Namen: Jürgen Klinsmann.

BERLIN. Schon in der ersten Halbzeit, als die "Gauchos" einen beeindruckenden Beweis ihres fast perfekten Fußballs ablieferten und ihr aggressives Pressing seine Mannschaft zeitweise fast zu erdrücken schien, blieb Jürgen Klinsmann ruhig. Ungewohnt selten verließ er seinen Platz auf der Bank auch, als gegen Ende des Spiels die Zeit gegen seine Mannschaft lief. Und selbst nach dem Elfmeterkrimi, der natürlich auch ihn nicht kalt gelassen hatte, präsentierte sich ein zwar erleichterter, aber angesichts der Dramatik erstaunlich gefasster und aufgeräumter Bundestrainer den Journalisten. "Wir sind unheimlich stolz auf diese Mannschaft und was sie geleistet hat. Wir hatten nie das Gefühl, das wir das Spiel nicht gewinnen können. Wir wussten, wir kommen zurück und wir machen das Ding", sagte der Projektleiter "WM 2006", der von Tag zu Tag mehr in sich selbst zu ruhen scheint. "Und wir hatten auch Vertrauen ins Elfmeterschießen, in unsere Schützen und unseren Torwart." Keiner, der dem 41-Jährigen in dieser Sekunde nicht jedes Wort glaubte.

Wie immer sprach der Mann, der die Strukturen beim DFB gegen viele Widerstände revolutioniert hat und jetzt die Früchte erntet, von "wir". Vom Team und dem Spirit, der in seiner Mannschaft herrscht. Deren Teil er ist und sein will. Nicht mehr und nicht weniger. Ob er stolz ist auf seine Arbeit?. "Es hat alles überhaupt nichts mit meiner Person zu tun. Das machen alles die Jungs auf dem Platz. Wir haben eine unglaubliche Gemeinschaft, in der einer für den anderen da ist. Es ist fantastisch, wie wir zusammen halten und wie einer den anderen anspornt, wie Oliver Kahn sich den Jens Lehmann in den Arm nimmt."

Tatsächlich war es vor dem Elfmeterschießen, in dem Jens Lehman mit zwei abgewehrten Elfmetern zum Helden des Abends wurde, eine Szene zwischen den beiden auch im nächsten Leben keine Freunde werdenden Torhütern, die symptomatisch ist für das perfekte Klima in einem selten zuvor so verschworenen DFB-Haufen von 23 Spielern plus Trainer- und Betreuerstab. "Das war für uns nichts Überraschendes", sagte Klinsmann. "Nicht nur Jens ist der Gewinner. Auch Oliver Kahn,. Es ist so viel, was er einbringt." Und: "Jeder will spielen und brennt, aber jeder gönnt dem anderen und fiebert mit."

Aus fast jedem Satz lässt sich die Botschaft heraushören, mit der der Bundestrainer die Mannschaft in eine Art Trance versetzt zu haben scheint, die sie bislang wie auf Flügeln auf nicht für möglich gehaltene Leistungshöhen trägt: Glaube (an sich selbst und die eigene Stärke), Liebe (zum Spiel, zu den Fans, zu Deutschland und in übertragenem Sinne auch zu den Teamkameraden), Hoffnung (aufgeben gilt nicht), diese drei - mit ihnen lassen sich auch im Fußball Berge versetzen.

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