BVB-Chef Watzke
„Frühere Finanzkrise hätte das Aus bedeutet“

Borussia Dortmund ist derzeit in Top-Form, schreibt aber rote Zahlen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nennt im Interview die Gründe, erläutert die neue Klubphilosophie und erklärt, warum Bayern München unerreichbar bleibt und er sich selbst weniger für einen Manager als vielmehr für einen Fußballromantiker hält.
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Frage: Herr Watzke, in der Bundesliga ist Borussia Dortmund einsame Spitze, aber wirtschaftlich läuft es noch nicht rund - der BVB schreibt rote Zahlen.

Hans-Joachim Watzke: Das ist nur eine Momentaufnahme. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir durch einen Spielerverkauf im Sommer auch einen Gewinn ausweisen können. Aber viel entscheidender ist doch: Wir haben innerhalb von fünf Jahren 125 Millionen Euro an Verbindlichkeiten abgebaut.

2,8 Millionen Euro Verlust sind trotzdem kein Ruhmesblatt, zumal Sie ein ausgeglichenes Ergebnis versprochen hatten.

Ein wesentlicher Grund für den Verlust sind die Abschreibungen auf das Anlagevermögen, insbesondere das Stadion. Diese betragen zehn Millionen Euro pro Jahr und damit knapp zehn Prozent vom Umsatz. Ich kenne kaum ein mittelständisches Unternehmen mit ähnlich hohen Ergebnisbelastungen durch Abschreibungen.

Warum haben Sie das Stadion überhaupt zurückgekauft?

Hätten wir das nicht getan, hätten wir bis zu 17 Millionen Euro jährlich an Stadionmiete zahlen müssen. Das war einfach nicht drin.

Borussia Dortmund war 2005 klinisch tot, die 143 Millionen Euro aus dem Börsengang 2000 waren verpulvert, dem Verein drohte die Insolvenz.

Als ich hier vor fünfeinhalb Jahren anfing, war die Kasse leer, aber es gab 122 Millionen Euro Verbindlichkeiten, davon das meiste fällig. Es ging also zunächst darum, frisches Eigenkapital und Sponsoren aufzutreiben und die Kosten radikal herunterzufahren. Rückschauend haben wir auch großes Glück gehabt: Wäre die Finanzkrise zwei Jahre früher gekommen, hätte das das Aus bedeutet.

Der Sparkurs hat den sechsmaligen Deutschen Meister und Champions-League-Gewinner von 1997 aber sportlich ins Mittelmaß zurückgeworfen.

Aber mehr war unter den finanziellen Voraussetzungen nicht möglich. Natürlich ist Tabellenplatz 13 kein Geschäftsmodell für einen großen Verein wie Borussia Dortmund. Deshalb haben wir ab 2007 eine neue Strategie formuliert, um unsere sportliche Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig zu verbessern, vor dem Hintergrund unserer finanziellen Möglichkeiten.

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