BVB-Marketingchef Cramer
„Muss Bier beim BVB 4,50 Euro kosten? Nein, eben nicht!“

Endlich Champions League: Nach einem Jahr Pause spielt Borussia Dortmund heute in Warschau. „Echte Liebe“ soll nun weiter die Fußballwelt erobern. Was das BVB-Leitmotiv in Zeiten von Wachstum und Wettbewerb bedeutet.
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DortmundFußballspieler in einem Bundesligaverein kommen und gehen, doch der Verein selbst bleibt und wird stärker: Das ist das Credo von Carsten Cramer, zuständig für die Vermarktung von Borussia Dortmund. Der Manager versucht dabei den Spagat: zwischen Tradition und Moderne, zwischen Lokalpatriotismus und Internationalisierung, zwischen Südtribüne und VIP-Logen. Das Gespräch mit Cramer in der BVB-Geschäftsstelle gegenüber dem Signal Iduna Park führte Leonidas Exuzidis. Mitarbeit: Thomas Schmitt.

Herr Cramer, hinter Borussia Dortmund liegt die wohl spannendste Transferperiode seit vielen Jahren. Fünf Spieler haben den Verein verlassen, darunter wichtige Stützen wie Hummels, Mkhitaryan und Gündogan. Acht neue Spieler sind gekommen. Wurden Sie zwischenzeitlich unruhig?
Carsten Cramer: Ich habe die Situation mit Spannung, aber ohne Sorgen verfolgt. Unsere Sportliche Leitung hatte für alle Abgänge hervorragende Lösungen parat.  Letztlich sind wir alle mit großer Neugierde und auch Vorfreude in die neue Saison gestartet.

Geht das Marketing nicht lieber mit dem gewohnten Kader in eine neue Spielzeit?
Meine Arbeit hängt nicht unmittelbar davon ab, welcher Spieler für Borussia Dortmund spielt. Deutlich relevanter ist es, wie sich der Verein über einen längeren Zeitraum präsentiert.

Warum?
Der Fußball ist unser Kernthema. Das Marketing hat eine Begleitfunktion. Wenn man so will, dekorieren und putzen wir das Dortmunder Schaufenster.

Sie ordnen sich also bewusst unter?
Alles andere wäre ein großer Fehler. Ich bin Repräsentant eines starken Fußballvereins. Außerdem haben wir mit unseren Fans ein starkes Korrektiv, das uns ab und zu auf die Finger klopft und sagt: „Bis hierhin und nicht weiter.“

Ein Teil dieses Korrektivs trauert Identifikationsfiguren wie Sebastian Kehl, Jakub Blaszczykowski, Kevin Großkreutz und Neven Subotic hinterher. Inwiefern wirkt sich ihr Verlust auf die Marke Borussia Dortmund aus?
Die Menschen interessieren sich in erster Linie für den Verein Borussia Dortmund. Die Strahlkraft dieses Vereins ist ausgesprochen stark. Spieler geben ihm eine Ausprägung, sie verändern aber weder Werte noch Haltung dieses Klubs.

Die Art und Weise des Abschieds einzelner Akteure sorgte zuletzt für großen Ärger.
Jeder ist ersetzbar. Dass Fans mitunter enttäuscht sind, ist nachvollziehbar; dazu gehören auch negative Emotionen. Ich glaube nur, dass darunter niemals der Verein leidet – weil er eben stärker ist.

„Echte Liebe“ also?
Es ist ein Versprechen unsrerseits, das unsere Werte und Verpflichtungen auf den Punkt bringt. Es soll Borussia Dortmund plakativ abbilden. Man muss jedoch den Horizont erweitern: Was bedeutet „Echte Liebe“ in Zeiten von Wachstum und Wettbewerb? Muss das Bier künftig auch bei uns 4,50 Euro kosten (Anm. d. Red: Der aktuelle Preis für 0,5l Bier beläuft sich auf 3,70€)? Nein, eben nicht.

Warum nicht? Der Bierabsatz würde sicher nicht einbrechen.
Weil es nicht zu uns passt und weil wir uns in solchen Bereichen nicht an anderen Klubs orientieren. Wir fahren hier kein Rennen gegen die Konkurrenz, sondern verfolgen ausschließlich den Kurs, den wir für richtig halten. Warum sollten wir uns treiben lassen? Wenn Sie permanent getrieben werden oder im Windschatten stehen, tun Sie irgendwann unvernünftige Dinge.

Sind Sie nicht eher in der Vorreiterrolle?
Das müssen andere beurteilen.

Kommentare zu " BVB-Marketingchef Cramer: „Muss Bier beim BVB 4,50 Euro kosten? Nein, eben nicht!“"

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  • "Werte und Verpflichtungen" - bei Wirtschaftsunternehmen ???

    Werte = das €-Zeichen
    Verpflichtungen = So viele Spieler vom Transfermarkt holen wie möglich (vor allem vor und von den Anderen (Bayern München))
    Verpflichtungen = Soviel Geld von Fans und Sponsoren scheffeln wie möglich.

    ... und das ganze garnieren mit "Mir san mir" oder dem "Arbeiterclub", der schon längst keiner mehr ist, weil zu verkommerzialisiert.

    Die Deutschen müssen wohl noch zu viel Geld in den Taschen haben, um es den Sportclubs hinterher zu tragen ....

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