Bwin-Direktor Jörg Wacker: „Der Wettskandal schädigt das Vertrauen“

Bwin-Direktor Jörg Wacker
„Der Wettskandal schädigt das Vertrauen“

Wettbetrug im Fußball fügt seinem Geschäft hohen Schaden zu, sagt Jörg Wacker, Deutschland-Chef von bwin. Für Ihn gibt es bei Sportwetten kein sichereres Medium als das Internet.
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DüsseldorfJörg Wacker ist Direktor des Sportwettenanbieters bwin e.k.. Der Sponsor des FC Bayern München bewirbt sich um eine der 20 Lizenzen in Deutschland. Im Interview macht Wacker deutlich, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag aus seiner Sicht das Problem der Spielmanipulation eher verschärfen wird. Viele Kunden würden sich dem Schwarzmarkt zuwenden.
Herr Wacker, Europol hat heute den größten Wettmanipulationsskandal publik gemacht. 380 Spiele allein in Europa sollen zwischen 2008 und 2011 verschoben worden sein. Wie betrifft Sie das als Anbieter von Sportwetten im Internet?
Durch so einen Skandal und diese kriminellen Aktivitäten werden der Sport und die Sportwettenbranche massiv in ihrem Image und dem Vertrauen ihrer Fans und Kunden geschädigt. Bei einer Wettmanipulation und bei Betrug ist der erste wirtschaftliche Verlierer immer der Wettanbieter, denn er muss die Gewinne auszahlen. Gerade deshalb haben wir als Anbieter natürlich größtes Interesse, dass nicht manipuliert wird.

Gewettet auf die faulen Spiele wird offenbar oft in Asien, auch die Drahtzieher sitzen nach Informationen der Ermittler häufig dort. Wie viel hat das Thema überhaupt mit dem deutschen Sportwettenmarkt zu tun?
Das Hauptproblem bei Wettmanipulationen ist der nicht kontrollierbare Schwarzmarkt in Asien. Jeder Anbieter, der lizenziert und staatlich kontrolliert ist, hilft, den Schwarzmarkt trocken zu legen. Das muss das oberste Ziel aller Beteiligten sein. Deshalb spricht bwin sich schon seit Jahren für eine regulierte und kontrollierte Öffnung des gesamten Marktes aus. Das muss EU-weit mit einer Bündelung der Kräfte passieren. Ein einziger Mitgliedstaat hat keine Chance, effektiv etwas gegen die asiatische Wettmafia zu erreichen.

Macht erst das Internet und die Möglichkeit, dort Wetten zu platzieren, das Problem zu einem globalen Problem?
Nein – im Gegenteil: Es gibt kein sichereres Medium als das Internet, da hier jede einzelne Wette in Echtzeit überwacht und alle Einsätze lückenlos nachvollzogen werden können. In Asien hingegen werden die Wetten zum Großteil mit Bargeld platziert.
In Deutschland kommt es in diesem Jahr nach langem Gezerre zu einer kontrollierten Öffnung des Sportwettenmarktes. Wird diese mithelfen, die Manipulation und den Schwarzmarkt einzudämmen?
Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag werden die Weichen in Deutschland in die falsche Richtung gestellt: Die Zahl der Sportwettenlizenzen soll auf 20 begrenzt werden und für die lizenzierten Online-Anbieter gibt es weitreichende Einschränkungen. Damit sind ihre Angebote nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber Schwarzmarktanbietern. Viele Kunden werden sich daher den vermeintlich attraktiveren Schwarzmarktangeboten zuwenden.

Was bemängeln Sie konkret?
Beispielsweise sollen Einsatzlimits in Deutschland in Zukunft nur für Online-Anbieter und nicht für das stationäre Wettgeschäft gelten. Das heißt: Gerade in den Wettshops werden Wetteinsätze unbegrenzt möglich sein. Hinzu kommen komplizierte und nicht zeitgemäße Identifizierungsverfahren, die den Wettkunden abschrecken und auf nichtlizensierte Angebote führen werden. Wenn eine Betrugsprävention Erfolg haben soll, müssen so viele Spieler wie möglich hin zu den staatlich überwachten Anbietern kanalisiert werden. Das leistet der neue Staatsvertrag nicht, damit fördert er weiterhin den Schwarzmarkt.

Ist Ihr Unternehmen geschädigt durch die aktuell publizierten Betrugsfälle?
Inwieweit das für den aktuellen Fall gilt, kann heute noch nicht beurteilt werden. In der Vergangenheit hat es in allen bekannt gewordenen Betrugsfällen keine Einsätze bei bwin gegeben. Uns ist es ein besonders Anliegen, Wettbetrug zu verhindern und zu bekämpfen.

Was tun Sie dafür konkret?
Es sind mehrere Dinge: Die Sicherheitsstandards von bwin mit Limits verhindern hohe Wetteinsätze und machen es dadurch für Betrüger unattraktiv. Außerdem gibt es keine Möglichkeiten für anonyme Wetteinsätze und eine restriktive Kontrolle des Spielgeschehens durch ein eigenes Securityteam.
Auch die Fifa hat mit dem Early Warning System ein eigenes Monitoring-System. Zudem kümmert sich das Unternehmen Sportradar um das Aufdecken von Auffälligkeiten im weltweiten Sportwettenbetrieb. Was kann denn noch getan werden?
bwin ist eines der Gründungsmitglieder der European Sports Security Association (ESSA), deren Ziel es ist, Kunden ein faires Sportwettenprodukt anzubieten, indem Insider-Wetten und Wettbetrug verhindert werden. Der Vorteil von Online-Wetten ist, dass jede einzelne Sportwette überwacht werden kann. Auffälligkeiten werden direkt registriert. Die ESSA hat durch ihre Mitglieder Zugang zu einer sehr großen Menge abgeschlossener Wetten in allen Sportarten. So kann sie alle Aktionen entsprechend überwachen und verdächtige Wetten direkt identifizieren und an Sportverbände melden.

Sind Sie dabei verbandelt mit den großen Sportorganisationen?
Ja, die ESSA kooperiert unter anderem mit IOC, Uefa und Fifa. Auch hier gilt: Je kleiner der Schwarzmarkt ist, desto transparenter wird das Wettgeschehen und so effektiver seine Überwachung. Schwarzmarkteinsätze in Asien lassen sich von der ESSA nicht monitoren, da sich die entsprechenden Wettanbieter nicht anschließen. Deshalb gilt auch hier: Je mehr Umsätze im regulierten Markt getätigt werden, desto effektiver werden die freiwilligen Frühwarnsysteme der Glücksspielindustrie. Nur eine umfassende Regulierung auf europäischer Ebene kann hier bestmögliche Transparenz und Sicherheit schaffen.
Herr Wacker, wir danken Ihnen für das Interview.

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