Cannavaro beendet Pressekonferenz
Juve-Manager stürzt aus Fenster

Ein ehemaliger Spieler des im Mittelpunkt des Fußballskandals stehenden Vereins Juventus Turin hat offenbar einen Selbtmordversuch unternommen. Der jetzt als Generalmanger tätige Gianlucca Pessotto ist am Dienstag aus der Vereinszentrale-Zentrale in Turin aus dem Fenster gestürzt.

HB TURIN. Turin/Duisburg (dpa) - Nach dem mutmaßlichen Selbstmordversuch ihres früheren Nationalmannschaftskollegen Gianluca Pessotto ist den Italienern die Freude über ihren Einzug ins WM-Viertelfinale vergangen. Der jetzige Teammanager von Juventus Turin stürzte sich am Dienstag mit einem Rosenkranz in der Hand aus einem Dachgeschoss- Fenster des Clubhauses, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Der 35-Jährige erlitt mehrere Knochenbrüche und Verletzungen innerer Organe mit inneren Blutungen, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Der mutmaßliche Selbstmordversuch scheint nicht in Zusammenhang mit dem am Donnerstag beginnenden Prozess gegen den Rekordmeister und sein früheres Führungsduo Luciano Moggi und Antonio Giraudo zu stehen. Der 22-malige Nationalspieler, bei dem über gesundheitliche Gründe spekuliert wurde, ist nicht in den Fußball-Skandal um den italienischen Rekordmeister verstrickt. Auch wurde Pessotto nie eines Dopingvergehens beschuldigt, obwohl er in dem von Juve gewonnenen Dopingprozess aussagen musste.

Pessotto soll sich vom höchsten Fenster des Juve-Clubhauses in den Innenhof gestürzt haben. Dort sei er auf das Auto des Juve- Vizepräsidenten Roberto Bettega geprallt, was die Wucht des Aufpralls verringert habe. Ein Rettungswagen habe den früheren Abwehrspieler in das Krankenhaus Molinette gebracht, wo am Nachmittag seine Frau Reana und Bruder Vanni eintrafen. Nach ersten Untersuchungen schloss der behandelnde Arzt Marco Rapellino eine Querschnittslähmung aus, sein Zustand sei stabil. Pessotto sei bei Bewusstsein ins Krankenhaus gebracht worden. Nach ersten Operationen werde er für 72 Stunden in ein künstliches Koma versetzt. Staatsanwalt Andrea Calice ermittelte am Clubsitz, zu dem am Dienstagnachmittag auch der designierte neue Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli eilte.

Die "Azzurri" reagierten in ihrem WM-Quartier in Duisburg schockiert. Als Kapitän Fabio Cannavaro die Nachricht aus Italien erreichte, brach der Turiner eine Pressekonferenz ab. "Ich bin aufgewühlt. Pessotto ist der liebste Mensch der Welt", sagte Cannavaro drei Tage vor dem Viertelfinale in Hamburg gegen die Ukraine. Bis zum Ende der vergangenen Saison hatten die beiden gemeinsam für den Rekordmeister in der Abwehr gespielt. Erst vor wenigen Wochen war Pessotto als Teammanager in die Funktionärsriege des amtierenden Meisters gewechselt.

"Er ist unser Freund, wir sind in Gedanken bei ihm", sagte Marco Materazzi. "Wir wünschen ihm, dass er bald wieder auf den Beinen ist und keine Schäden zurückbehält", meinte der Verteidiger von Inter Mailand. Für einen möglichen Selbstmordversuch fanden die "Azzurri" keine Erklärung. Pessotto hatte das Team noch beim 2:0-Sieg in der Vorrunde gegen Tschechien in Hamburg besucht. Dabei habe der WM- Teilnehmer von 1998 keinen depressiven Eindruck gemacht. Mit der Nationalelf war Pessotto 2000 Vize-Europameister geworden. Mit Juve hatte er seit 1995 sechs Meistertitel und einmal die Champions League gewonnen.

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