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Philipp Grothe: Ein Mann, ein Fußball-Deal

Was hält die Welt in ihrem Innersten zusammen? Sportmanager Philipp Grothe hat darauf eine einfache Antwort: „der Lederball“. Der 42-jährige Jurist ist ein Pionier im Geschäft mit Sportrechten und handelt mit seiner Agentur Kentaro für über 30 Fußballklubs die Fernseh- und Sponsorenverträge aus, darunter Arsenal und Chelsea London. In Kürze soll auch deutscher Bundesligist hinzukommen.

LONDON. Philipp Grothe geht es mies. Er hat Antibiotika geschluckt, lag bis eben fiebrig im Bett. Jetzt aber thront er breitbeinig in einer Londoner Hotellobby, bestellt einen Burger und redet wie ein Buch. Es geht um seine Lieblingsthemen: Fußball und Business. „Was hält die Welt im Innersten zusammen?“, fragt er und antwortet fix selbst: „Es ist der Lederball.“ Nur eines bleibt unklar: Wie ist der Mann erst drauf, wenn er kein Fieber hat?

Grothe ist Chef der Sportrechteagentur Kentaro und froh, nicht mit Schrauben handeln zu müssen. „Wir atmen Fußball, essen Fußball, schlafen Fußball“, sagt der Jurist. Die Ware ist emotional aufgepumpt, das färbt ab: „Man muss schon Fehler an den Synapsen haben, wenn einen die Stadionatmosphäre nicht bewegt.“

Der 42-Jährige gilt als ein Pionier in diesem Business. Ab 1993 bekam Grothe bei der Bertelsmann-Tochter Ufa den Beginn der Sportkommerzialisierung hautnah mit – und stieg schnell auf. 2000 holte ihn der Vermarkter IMG als Managing Director nach London, wo er sich 2003 ausklinkte, um an Ort und Stelle Kentaro zu starten.

Gleich am Gründungstag konkurrierte er mit Sportfive um die Vermarktungsrechte an der englischen Nationalmannschaft. Im Finale flog er raus. „Eure Firma gibt es erst seit 24 Stunden“, begründeten die Entscheider die Abfuhr. 2007 gelang die Revanche: Seitdem hat der englische Fußballverband Grothe die millionenschweren TV-Rechte anvertraut. Wayne Rooney, der rüpelnde Stürmer, grüßt auf der Internet-Startseite. Das passt: Kentaro ist der junge Wilde unter den Vermarktern, ein Angreifer.

Mit seinem Co-Chef Philippe Huber vertritt Grothe schon über 20 internationale Fußballverbände, darunter die Schweden, Iren, Ukrainer und US-Amerikaner. Wer ein südamerikanisches WM-Quali-Match übertragen will, muss erst mit Grothe über den Preis reden. Auch wenn die brasilianische Seleção Freundschaftsspiele absolviert, organisiert und verdient er mit. Daneben betreut Kentaro die weltweiten TV-Rechte des Boxstalls von Wilfried Sauerland. „Sein Sohn Kalle war Praktikant bei IMG und bei Kentaro mein erster Mitarbeiter“, sagt der Boss.

Über 170 Mio. Schweizer Franken hat Kentaro im Vorjahr umgesetzt – zu 95 Prozent stammt das Geld aus dem Fußball. Günstig versteuert wird es am Hauptsitz im schweizerischen Wil. Die Kentaro-Kommandozentrale liegt im Chelsea Harbour, 20 Mann, Glaswände, keine Sekretärin. „Wir sind schlank aufgestellt, auch wenn man es nicht glauben mag“, sagt Grothe und kokettiert so mit seinem Lebemann-Körper. Mitten auf den Bauch hat er sich die Anfangsbuchstaben seines Namens ins Hemd sticken lassen. „PG“ – das hat Schliff.

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