Champions-League-Aus in Barcelona
Torlos in die Ewigkeit

Schalkes Trainer Mirko Slomka verabschiedet sich aus der Champions League – sein Klub plant die nächste Saison in aller Öffentlichkeit ohne ihn.

GELSENKIRCHEN. Marcelo Bordon blieb noch eine Weile nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen und ließ seinen Blick durch das Estadi Camp Nou schweifen. „Schön war's. Hier könnte ich ewig spielen“, sagte der Kapitän des FC Schalke 04 und bemerkte dabei nicht, welch bittere Pointe er da gerade formuliert hatte. Denn „ewig“ bezeichnete alles, was zum Champions-League-Aus der Schalker Mittwochabend in Barcelona geführt hat. Sie hätten ewiglich weiter spielen können und doch kein Tor erzielt - ganz zu schweigen von den zwei, die es gebraucht hätte, um trotz des Gegentreffers von Toure (43.) das Halbfinale zu erreichen.

Was am Ende bleibt, ist dennoch positiv. Die Gelsenkirchener sind in der Königsklasse weit gekommen, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass sie in sieben von zehn Spielen nicht einen Treffer erzielt haben. Aber gegen das formschwache Ensemble des FC Barcelona reichten neunzig Minuten ansprechender Fußball nicht aus, weil so ein Viertelfinale ein Gesamtkunstwerk aus zwei Teilen ist, das mindestens 180 Minuten dauert. Und weil die Schalker ihre Chancen mal wieder nicht genutzt haben. „Wir haben 90 Minuten richtig stark gespielt, aber auch 90 Minuten nicht“, sagte Trainer Mirko Slomka. Die guten und die schlechten Zeiten seien „leider auf zwei Spiele verteilt gewesen“.

Die Katalanen verstanden es immerhin, ihre lichten Momente in jedem der beiden Spiele zu einem Tor zu nutzen und so die im Abschluss viel zu harmlosen Schalker zweimal 1:0 zu schlagen. Bis in die Nacht hinein redeten die Spieler, unterstützt von ihren Vorgesetzten, sich und anderen ein, sie hätten Großes geleistet. Aber am Ende kamen auch die Westfalen nicht an der Erkenntnis vorbei, dass sie es mit dem Spiel ohne Tore übertrieben hatten. „In so vielen Spielen keinen Treffer erzielt zu haben – darüber müssen wir uns sicherlich Gedanken machen“, sagte Slomka. Ohne Kreativität im Mittelfeld, ohne Alternative zu Kevin Kuranyi als Torjäger ist es unmöglich, im europäischen Wettbewerb auf höherem Niveau zu bestehen.

Soweit der Befund. Aber was folgt daraus? Welche Therapie ist vonnöten und vor allem: Wer wird sie bestimmen? Slomka wohl nicht. Vieles deutet darauf hin, dass er alsbald das Feld räumen muss, obwohl sein Vertrag bis Juni 2009 läuft und seine Bilanz ein Saisonergebnis möglich erscheinen lässt, das den Vorgaben der Klubspitze genügt. In der Champions League hat Schalke den Plan übererfüllt; in der heimischen Liga haben sie die Chance, abermals die Champions League zu erreichen.

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