Champions League

BVB verpatzt Auftaktspiel

Tottenham gilt als größter Konkurrent des BVB im Kampf um Platz zwei in einer Gruppe mit Real Madrid. Der Titelverteidiger startet mit einem 3:0-Pflichtspielsieg gegen Nikosia in die Champions League.
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BVB-Trainer Bosz: „Wir hatten keinen leichten Start, aber alles ist noch offen“

BVB-Trainer Bosz: „Wir hatten keinen leichten Start, aber alles ist noch offen“

Erste Bewährungsprobe, erste Niederlage - Fußball-Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund hat zum Start in die Champions League Lehrgeld bezahlt. Mit schlimmen Abwehrfehlern und einem phasenweise naiven Auftritt brachte sich das bisher noch ungeschlagene Team von Trainer Peter Bosz beim 1:3 (1:2) gegen Tottenham Hotspur am Mittwoch um die Chance, in einem vermeintlichen Schlüsselspiel seiner schweren Gruppe zu punkten. „Jetzt ist das Heimspiel noch wichtiger“, sagte BVB-Offensivspieler Christian Pulisic. Mit Blick auf das Rückspiel sagte er: „Wir müssen sie schlagen zu Hause.“

Vor 67 343 Zuschauern im Wembley Stadion sorgten der ehemalige Leverkusener und Hamburger Heung-Min Son (4.) und Harry Kane (15./60.) beim BVB für Ernüchterung. Der erste Treffer von Neuzugang Andrej Jarmolenko (11.) im BVB-Trikot zum zwischenzeitlichen Ausgleich konnte die vermeidbare Niederlage zwei Wochen vor der nicht minder schweren Aufgabe gegen Real Madrid nicht abwenden. Bei Tottenham sah Verteidiger Jan Vertonghen in der Nachspielzeit Gelb-Rot (90.+2.).

Turbulenter Start

Das Spiel begann turbulent. Die Taktik von Champions-League-Debütant Bosz mit einer hoch stehenden Viererabwehrkette erwies sich früh als wenig effektiv: Nach einer Viertelstunde hatte Tottenham den BVB bereits zweimal mit schnellen Angriffen über die rechte Dortmunder Abwehrseite überrumpelt.

Ein kluger Pass von Harry Kane in die Tiefe entblößte die Defensive der Borussia schon in der vierten Minute zum ersten Mal. Son ließ Sokratis aussteigen und sorgte mit seinem Schuss aus spitzem Winkel für die schnelle Spurs-Führung. „Wir haben gesehen, dass die Lücken da sind und die haben wir genutzt“, sagte Son.

Der BVB reagierte erstaunlich gefasst und glich durch einen sehenswerten Schlenzer von Neuzugang Jarmolenko, der sein Startelfdebüt für den Revierclub feierte, in der elften Minute aus. Doch nur kurze Zeit später schlugen die Gastgeber erneut zu. Top-Torjäger Kane setzte sich auf der Außenbahn gegen Nuri Sahin durch und schoss den Ball am Dortmunder Keeper Roman Bürki vorbei wuchtig ins Netz - aus spitzem Winkel sah der Schlussmann wie schon beim ersten Gegentreffer nicht wirklich gut aus. Allerdings hatten Kane und zuvor Son den Ball auch perfekt getroffen.

BVB jammert über „schwere Fehlentscheidungen"
Niederlage
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Die Dortmunder um Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang unterlagen bei Tottenham Hotspur. Mehr Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - weniger Tore. Nach dem verpatzten Start in die Champions League schoben die Dortmunder Frust.

1:0
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Der frühere Bundesligaprofi Heung-Min Son (r) traf zum 1:0 für Tottenham. Die zuvor in 360 Pokal- und Meisterschaftsminuten unbezwungene Dortmunder Abwehr erwies sich als Schwachpunkt. Heung-Min Son (4.) und der starke Kane (15/60.) nutzten die großen Räume eiskalt aus. „Bei den Gegentoren waren wir zu lieb“, bekannte Fußball-Lehrer Peter Bosz. Die vom Tuchel-Nachfolger favorisierte mutige Taktik mit frühem Pressing und hoch stehender Abwehr erwies sich für die Champions League als nur begrenzt tauglich

1:1
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BVB-Neuzugang Andrej Jarmolenko (2.v.r) lässt sich nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich feiern. Andrej Jarmolenko stand erstmals in der Startelf und überzeugte auf Anhieb. Allein bei seinem sehenswerten Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 (11.) in bester Arjen-Robben-Manier deutete der Neuzugang von Dynamo Kiew an, warum er dem BVB 25 Millionen Euro wert war. „Er passt zu uns“, befand Zorc, „gute Fußballer brauchen selten eine lange Eingewöhnungszeit“.

2:1
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Sorgte wieder für die Führung der Londoner: Harry Kane. Abwehrspieler Ömer Toprak: „Schwere Fehlentscheidungen haben das Spiel extrem beeinflusst“, sagte der Abwehrspieler, der auf ein angebliches Foul von Harry Kane an Nuri Sahin vor dem 2:1 verwies.

Unterstützung
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Ein weiterer Stein des Anstoßes war der Treffer zum vermeintlichen 2:2 durch Pierre-Emerick Aubameyang in der 56. Minute, dem der Referee wegen einer angeblichen Abseitsstellung fälschlicherweise die Anerkennung verweigerte. „Kein Mensch weiß, warum das zurückgenommen wurde. Ich hätte gern gesehen, wie sich das Spiel entwickelt, wenn der Tor gegeben worden wäre. Der Schiedsrichter hatte leider nicht das Niveau dieser Spielpaarung“, klagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

3:1
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Harry Kane machte mit dem 3:1 alles klar. Womöglich entscheidet der direkte Vergleich mit den Spurs über ein Weiterkommen in der Königsklasse. Bosz richtete für das Rückspiel eine Kampfansage an die Engländer: „Noch ist alles offen. Sie müssen immer noch nach Dortmund kommen.“

BVB-Coach
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Zwar verzeichnete der BVB mit 64 Prozent deutlich mehr Spielanteile und gewann auch die Mehrzahl der Zweikämpfe (55%), wurde aber Opfer der großen Effektivität des Gegners. „Ich bin enttäuscht, weil heute mehr drin war“, sagte Trainer Peter Bosz. Die Niederlage im vermeintlichen Schlüsselspiel um Platz zwei erschwert die Aufgabe in der wohl anspruchsvollsten Champions-League-Gruppe.

Der BVB wurde deutlich stärker als in den bisherigen drei Ligapartien gefordert, blieb jedoch im Spiel. Dortmund hatte deutlich mehr Ballbesitz als die Londoner Gastgeber, in den entscheidenden Situationen fehlte jedoch häufig die Präzision beim letzten Pass. Vertonghen klärte knapp vor dem einschussbereiten Pierre-Emerick Aubameyang (30.), dann erwischte Christian Pulisic eine Hereingabe des Gabuners nur unzureichend mit der Fußspitze (36.).

Die Abwehr blieb auch im zweiten Durchgang der Dortmunder Schwachpunkt. Kurz nach Wiederanpfiff entging die Borussia mit viel Glück einem höheren Rückstand als Kane (50.) und Son (51.) gute Chancen nicht nutzten.

Nach einer Stunde legten die Spurs dann aber nach. Der starke Kane traf von der linken Strafraumkante flach ins lange Eck. Kurz zuvor hatte der BVB Pech, als ein eigentlich regulärer Aubameyang-Treffer wegen vermeintlicher Abseitsposition nicht gegeben wurde (56.). „Solche Fehlentscheidungen beeinflussen so ein Spiel dann auch“, sagte der sichtlich verärgerte BVB-Abwehrspieler Ömer Toprak. Einen Videobeweis, der anders als in der Bundesliga in der Champions League nicht genutzt wird, wollte er zwar nicht fordern, sagte jedoch: „Der Videobeweis hätte uns wahrscheinlich geholfen.“

Auch nach dem dritten Gegentor gab die Borussia nicht auf. Aubameyang konnte eine gute Flanke des eingewechselten Mario Götze jedoch nicht verwerten (70.). In der Schlussphase, in der Vertonghen nach einem Schlag gegen Götze die Gelb-Rote Karte sah, brachten die Spurs ihre Führung gekonnt über die Zeit.

Real Madrid startet stark
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