Champions League
Die Anti-Bayern aus Porto

Junge Talente, schnelle Stürmer und ein kaum beachtetes Wirtschaftswunder: Der FC Porto ist der kleinste unter den ganz großen Vereinen in Europa. Trotzdem kommt er regelmäßig ganz weit in Europa. Warum?
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DüsseldorfTraum-Los wider Willen: Nach der Auslosung für das Viertelfinale der UEFA Champions League sprachen Kommentatoren von einem Traum-Los für den FC Bayern. Der FC Porto galt als vermeintlich einfachster Gegner für die Münchener. Das stimmt allerdings nur bedingt: Denn der FC Porto ist Stammgast in der Königsklasse und hat erfrischend wenig zu verlieren. Warum auch, bei einer blutjungen Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 24 Jahren?!

Denn den Spielern des FC Porto ist die große Bühne gerade recht. Die Königsklasse ist für sie das Schaufenster der Fußballwelt, in dem sie die Puppen sind. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass beim FC Porto ein Kronjuwel heranreift. Denn trotz zahlreicher Titel auf nationaler und internationaler Ebene ist der FC Porto ein Ausbildungsverein.

Die Verantwortlichen des Traditionsvereins haben ein besonderes Händchen für Talente. Für geringe Summen kaufen sie vor allem Nachwuchsspieler aus dem eigenen Land und aus Südamerika.

Das hat Tradition: Als viele portugiesische Profis in den 1970er-Jahren dem Ruf des Geldes folgten und in andere Länder Europas wechselten, begann Porto, die Lücken mit Spielern aus Lateinamerika zu füllen – insbesondere aus Brasilien. Wegen der gemeinsamen Sprache fällt die Integration nicht schwer.

Diese Vorgehensweise haben sie beim FC Porto professionalisiert. Mehrere hunderte Scouts sollen für den Verein durch die Welt reisen. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Was Transfers angeht, ist der FC Porto eine Festung. Bei ungemütlichen Fragen wird die Zugbrücke hochgezogen und das geht in der nordportugiesischen Hafenstadt ganz einfach: Das Trainingsgelände des Vereins liegt auf der anderen Seite des Flusses Douro. Nicht einmal die Fans haben Zutritt.

Der FC Porto will mit dieser restriktiven Politik genau eines erreichen: Die jungen Talente sollen behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden und sich im vergleichsweise unaufgeregten Ligabetrieb Portugals zu kompletten Spielern entwickeln. Das Trainingsgelände wird so zum Forschungszentrum.

Dann kommt das Geschäftliche: kaufen, veredeln, kostspielig weiterverkaufen. Die Nachwuchsspieler beim FC Porto werden wie reife Äpfel geerntet und für große Summen an zahlungskräftige Spitzenklubs transferiert.

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