Champions-League
FC Bayern: Eine Schande für Deutschland

Ohne Lahm, ohne Klose, ohne System und ohne lernfähigen Trainer geht der FC Bayern München im Viertelfinale der Champions League in Barcelona unter. 4:0 verliert der bisherige Stolz des deutschen Vereinsfußballs. Die Gründe dafür sind offensichtlich – und lassen für den deutschen Fußball nur das Schlimmste befürchten.

DÜSSELDORF. Seit Jahrzehnten war keine deutsche Mannschaft stärker in der Champions League als der FC Bayern München in dieser Saison. Keine andere Mannschaft hatte ein besseres Torverhältnis. Doch es reichten 90 Minuten gestern in Barcelona, um das alles ins Gegenteil zu verkehren.

Klinsmann verfolgte am Spielfeldrand mal wütend gestikulierend, mal fassungslos dreinblickend das Debakel. Manager Uli Hoeneß vergrub angesichts des Fiaskos immer wieder das Gesicht in den Händen. Der alles überragende Argentinier Messi traf vor 93 219 Zuschauern zweimal (9./38.), seine ebenso genialen Kollegen Eto'o (13.) und Henry (43.) erzielten nach Traumkombinationen weitere Tore.

Es gab Gründe, warum der FC Bayern 4:0 in Barcelona verlor. Diese Ausfälle kann ein finanziell gesehen Mittelklasseverein Europas nicht ersetzen. Dem FC Bayern fehlt es an dieser Stelle an Breite: Philipp Lahm ist für das Spiel der Mannschaft wichtiger als Frank Ribery, gerade in Auswärtsspielen gegen solche Stürmer. Luca Toni ist ohne einen Miroslav Klose neben sich weniger als die Hälfte wert. Von einem Breno kann man aufgrund der fehlenden Praxis nicht mehr erwarten.

Am schwersten wog freilich die Besetzung der Außenpositionen in der Viererkette. Es sind im modernen Fußball die wichtigsten Spieler mit den meisten Ballkontakten. Gerade in Auswärtsspielen machen sie den Unterschied – oder eben auch nicht. Oddo und Lell, der dazu noch auf der ungewohnten linken Seite gegen einen gewissen Herrn Messi dran glauben musste, sind bestenfalls Bundesligadurchschnitt. Eine schwache Seite, wie zuletzt stets die rechte bei Bayern, kann man verschmerzen. Aber nicht zwei Seiten, wo der Gegner machen kann, was er will.

Dazu ein Trainer, der nicht aus seinen Fehlern lernt. Beim Pokalaus in Düsseldorf gegen Leverkusen (2:4) spielte Klinsmann mit einem Stürmer und einem Fünfer-Mittelfeld. Das ging gründlich daneben, weil die Ordnung fehlte und sowohl nach vorne wie nach hinten Chaos herrschte. Als mit Podolski ein zweiter Stürmer ins Spiel kam, waren die Bayern gleich zwei Klassen stärker.

Anderseits: Hätte Klinsmann Podolski in einem solchen Spiel aufbieten sollen? Andere Vereine haben drei, vier Stürmer auf Top-Niveau, Bayern hat zwei. Das reicht nicht für ein Halbfinale. Außer, wenn alles passt. Und das tat es gestern nicht.

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