Champions-League
Levski Sofia und die Renaissance des bulgarischen Fußballs

DÜSSELDORF. Es ist der 10. Oktober 1994, New York, USA. „Gott ist Bulgare“, schreit ein bulgarischer Reporter des staatlichen Fernsehenders in sein Mikrofon, die kleine Fraktion bulgarischer Pressevertreter im Giants-Stadion steht Kopf. Und daheim in Sofia da tanzen die Menschen an diesem denkwürdigen Tag auf den Straßen. Selbst für die alten Frauen an den Bushaltestellen gibt es kein anderes Thema.

Stoitchkov, Letchkov, Balakov und Co. haben Titelverteidiger Deutschland im Viertelfinale aus dem WM-Turnier geworfen – und das ganze Land in einen Taumel versetzt. Zwölf lange Jahre ist das jetzt her. Und viel Anlass zum Tanzen und Taumeln hat der bulgarische Fußball seitdem nicht gegeben. Mit Levski Sofia, nach dem 0:2 vor 14 Tagen heute erneut Gegner von Werder Bremen, hat sich in diesem Jahr jedoch erstmals ein bulgarischer Verein seit Bestehen der Champions League für die Gruppenphase qualifiziert. Selbst Skeptiker sehen darin erste Anzeichen einer Renaissance des bulgarischen Klubfußballs.

In dem Land, dass noch heute, ein Jahr vor dem geplanten Beitritt zur europäischen Union als eines der korruptesten Europas gilt, waren Vereine wie Levski oder ZSKA Sofia lange Zeit Spielball der heimischen Mafia und internationaler Finanzjongleure – mit zum Teil fatalen Folgen. Im vergangenen Jahr wurde der 39-jährige Präsident von Lokomotive Plovdiv, Georgi Illiev, nach Angaben des Innenministeriums in Drogengeschäfte verwickelt, in seiner eigenen Bar erschossen. Levski Sofia gehörte bis vor zwei Jahren dem russischen Geschäftsmann Michael Chorny, der bereits 2000 als Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft des Landes verwiesen wurde. „Spiele wurden hier für ein paar tausend Euro verschoben“, erinnert sich Daniel Borimirov. Kein bulgarischer Spieler von internationalem Format, sagt der ehemalige Profi von 1860 München und seit zwei Jahren in Diensten von Levski, wäre auf die Idee gekommen hier seine Karriere zu beenden.

Mit Verbandspräsident Borislav Mihailov, Vize Jordan Letchkov, der früher beim Hamburger SV spielte und nebenbei die Bürgermeistergeschäfte in seiner Heimatstadt Sliven in Südbulgarien leitet, sowie Nationaltrainer Hristo Stoitchkov sitzen jedoch nun Leute an den Schaltstellen des Sports, die nach Ansicht von Borimirov „das Spiel lieben und genügend internationale Erfahrung mitbringen, um den heimischen Fußball zu professionalisieren.“

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