Champions League
Risse im System der Bayern

Das System des FC Bayern hat in der entscheidenden Saisonphase Risse bekommen. Eine überragende Spielzeit droht ins Mittelmaß zu kippen. Höchste Zeit für alte bayrische Tugenden – Guardiola hin oder her. Eine Analyse.
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DüsseldorfDie schnellste Meisterschaft der Geschichte der Bundesliga und ein unbezwingbares System: Die Überlegenheit des FC Bayern München schien erdrückend – bis zum 27. Spieltag. Fast ohne mediale Anteilnahme verschlechterte sich der Rekordmeister schlagartig. Jetzt gab's im könglichen Bernabéu die fatale Quittung.

Der Ballbesitzfußball des „Guardiolismo“ hat seine Durchschlagskraft verloren, aus den Meisterbayern wurden Standfußballer. 75 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit klingt nach einer klaren Kiste. Doch es hakt. Denn genau dorthin, wo die Bayern bis zum Titelgewinn am gefährlichsten waren, gelangt jetzt kaum noch ein Roter: Der gegnerische Sechszehner scheint für die Bayern wie vernagelt zu sein.

Das System der Bayern ist, wie Real Madrid am Mittwochabend eindrucksvoll bewies, nicht mehr unbezwingbar. Die Spielabläufe sind den Gegnern bekannt, Kreativmomente äußerst selten. Neue Ideen waren gegen die Madrilenen kaum zu erkennen.

Dabei waren es gerade die Kreativspieler Robben, Ribéry und Götze, die den Bayern die früheste Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga sicherten. Das System der Bayern hat Risse bekommen. Die muss der Rekordmeister im Halbfinal-Rückspiel am Dienstag kitten.

Matthias Sammer, der auf alle Fragen eine Antwort parat zu haben scheint, sprach von einer „Wohlfühloase“, die den FC Bayern und seine Spieler umgebe. Ob die Bayern nach dem Triple-Gewinn der vergangenen Saison tatsächlich satt oder als Folge einer langen Saison mit vielen Verletzten einfach müde sind, lässt sich noch nicht sagen. Fakt ist: Nach dem verlorenen Halbfinal-Hinspiel in der Champions League bei Real Madrid haben die Bayern ihren Bonus verspielt.

Die Spieler, die sich sofort nach der Niederlage selbst Mut zusprachen und beteuerten, dass noch nicht alles verloren sei, werden in den kommenden Tagen mit viel Kritik zu kämpfen haben. Denn eines ist sicher: Der FC Bayern will das Triple auch in dieser Saison. Alles andere wäre eine herbe Niederlage. National die fußballerische Vorherrschaft zu behalten ist nur ein Teil des bayrischen Leistungsanspruches. Und der Pokal ist auch noch längst nicht gewonnen.

Daher wird es höchste Zeit, dass die Bayern zurück in die Erfolgsspur finden. Diese hatten sie nach dem Titelgewinn im März aus den Augen verloren. Guardiolas Taktik, nach dem Sieg der Meisterschaft öffentlich auf die Bremse zu treten, hat sich als Fehler erwiesen. Die Mannschaft hat sich prompt auf ihren Lorbeeren ausgeruht und das Tagesgeschäft Bundesliga schleifen lassen. Ein Zeichen für die Sättigung der allmächtigen Bayern. Vom Schongang der letzten Liga-Tage in die Königsklasse wieder hochzuschalten – das ist den Bayern nicht gelungen.

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Die Säbener Straße ist ein Pulverfass

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