Champions-League
VfB will in Glasgow Rettungsanker auswerfen

In der Bundesliga rudert der VfB Stuttgart zunehmend hilflos am Rande des Abstiegsstrudels herum, ausgerechnet in der Champions League soll nun wieder einmal der Rettungsanker ausgeworfen werden. Vor dem richtungweisenden Spiel bei den Glasgow Rangers heute (20.45 Uhr/live bei Sky) hofft nicht zuletzt der angeschlagene Markus Babbel auf die angeblich so befreiende Wirkung der Königsklasse. "Da kann ich frei aufspielen. Da ist kein Druck da", behauptet der Trainer.

Kein Druck? Babbel und der VfB stehen mehr denn je mit dem Rücken zur Wand. Seit dem Unentschieden am vergangenen Samstag im Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin (1:1) liegen die Schwaben in der Bundesliga nur noch auf dem Relegationsplatz. Der Befreiungsschlag mit nachhaltiger Wirkung will nicht gelingen, nur der Glaube daran scheint noch nicht verloren. "Wenn man gegen den Tabellenletzten der Bundesliga nicht gewinnt, heißt das nicht, dass man in Glasgow keine Chance hat", sagt Sportvorstand Horst Heldt.

Spieler stehen hinter Babbel - Heldt flüchtet sich in Floskeln

Es geht, und so viel scheint sicher, zunehmend auch um die Weiterbeschäftigung von Babbel. Heldt wollte sich am vergangenen Samstag nicht mehr bedingungslos hinter seinen Kumpel stellen, er flüchtete sich in Floskeln und erklärte, es gehe nicht mehr um das Schicksal Einzelner. Als weiterer VfB-Spieler hatte sich zuvor auch Innenverteidiger Matthieu Delpierre als Advokat pro Babbel geoutet: "Er hat seinen Weg immer verfolgt und versucht, positiv auf uns einzuwirken und uns so zusammenzuschweißen. Wir hören auf ihn."

In der Tat wäre nun die Gelegenheit günstig, der bisher so trostlosen Saison eine Wende zu gaben. Als Dritter in der Gruppe G hat der VfB (3 Punkte) noch alle Chancen, das einst als Minimalziel ausgegebene Achtelfinale zu erreichen. Mit zwei Siegen, zunächst in Glasgow und am 9. Dezember gegen Unirea Urziceni (5 Punkte), kämen die Stuttgarter sogar aus eigener Kraft in die K.o.-Runde. Wenn der bereits qualifizierte FC Sevilla noch zweimal gewinnt, darf der VfB bei den Rangers auch verlieren, wenn er dann gegen Urziceni gewinnt.

Doch gewonnen hat der VfB zuletzt vor knapp zwei Monaten, mit 3:0 bei Eintracht Frankfurt. Der Befreiungsschlag, dachten, hofften sie in Stuttgart. Weit gefehlt. In den folgenden zehn Pflichtspielen ohne Sieg trafen die Schwaben nur noch fünfmal in des Gegners Tor. "Wir wollen, aber der Ball geht nicht rein", klagte Nationalstürmer Cacau nach dem Unentschieden gegen Hertha BSC, wo wieder einmal zu erkennen war, dass sich der VfB Chancen erspielen oder erkämpfen kann, aber keinen (Mario Gomez) mehr hat, der sie verwertet.

"Glasgow wird auch keine leichte Aufgabe", sagt folglich auch Sportvorstand Heldt, "aber wir werden auch da unsere Chancen haben. " Wer sie nutzen kann, weiß er nicht so recht, "die ganze Mannschaft" sei gefordert, sagt er. Die ganze Mannschaft hat in der Bundesliga in 13 Spielen nur 11-mal getroffen, und auch eine andere Statistik verheißt wenig Gutes: Der VfB ist seit neun Auswärtsspielen in der Champions League oder im Uefa-Cup sieglos. Darunter ist das 1:2 am 19. September 2007 bei den Rangers. Torschütze damals: Gomez.

Im Gegensatz zu den Stuttgartern haben die Rangers zuletzt zumindest in der nationalen Liga Selbstvertrauen sammeln können. Nach dem 3:0 gegen den FC Kilmarnock und dem 1:2 des ewigen Rivalen Celtic steht der (Welt)Rekord-Meister auf Platz eins der Tabelle der schottischen Premier League.

© SID

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