Champions League
Werder enttäuscht und stolz zugleich

dpa BREMEN. Erst sehr, sehr spät mischten sich in den tiefen Frust ein wenig Stolz und Trotz. Nach dem schmerzhaft späten 1:1 (0:0) gegen das Weltklasseteam des FC Barcelona bemühte sich vor allem Torsten Frings um eine kämpferische Aussage.

„In den nächsten beiden Spielen gegen Sofia können wir sechs Punkte holen, dann schlagen wir Chelsea zu Hause und dann sehen wir mal“, sagte der Fußball-Nationalspieler und versuchte die vage Hoffnung des SV Werder Bremen auf das Achtelfinale der Champions League zu schüren.

In der Gefühlswelt der meisten Bremer Spieler überwogen indes Niedergeschlagenheit und Trauer, die greifbar nahe Sensation gegen den Titelverteidiger verpasst zu haben. Fassungslos und erschöpft waren die Werder-Profis vom Platz geschlichen, mühevoll versuchten sie, die Wirkung von Lionel Messis Ausgleichstreffer in der vorletzten Minute in Worte zu fassen. „Das ist einfach eine riesige Enttäuschung, uns haben nur ganze zwei Minuten gefehlt “, klagte Miroslav Klose. Und Christian Schulz gab zu: „Für uns ist das wie eine Niederlage. Wir hätten sie packen können.“

Der mit Abstand besten Saisonleistung der schwach gestarteten Bremer, die durch das Eigentor von Carles Puyol (56.) geführt hatten, fehlte durch den herrlich herausgespielten Messi-Treffer die Krönung. Gleichwohl war es eine glänzende Werder-Vorstellung, die an die Gala- Auftritte der Vorsaison erinnerte. Wie groß der Respekt vor Werder ist, zeigte das Lob von Barca-Trainer Frank Rijkaard: „Wir haben ja auch schon im vergangenen Jahr in Bremen gelitten. Deswegen ist es für uns ein gutes Ergebnis.“

Das Unentschieden war keine große sportliche Ungerechtigkeit. Barcelona besaß wie die zum Teil entfesselt aufspielenden Bremer einige gute Torchancen. Dennoch empfanden die meisten Fans wohl wie Werder-Manager Klaus Allofs: „Vielleicht hätten wir uns vorher mit einem 1:1 zufrieden gegeben, aber wenn man lange Zeit das bessere Team ist und auch noch Chancen auf das 2:0 hat, dann ist es bitter.“

Gleichwohl könnte dieses Unentschieden ein Wendepunkt für das Werder-Team sein, das seit sechs Partien auf einen Sieg wartet. „Es war wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte Klose. Und Trainer Thomas Schaaf kommentierte: „Dieses Spiel wird uns viel Kraft geben. Wir haben uns gegen eine Superklassemannschaft bewiesen, das überwiegt bei mir.“

Werder zeigte erstmals in dieser Saison mannschaftliche Geschlossenheit und Leidenschaft, druckvolles Pressing und schnelles Spiel nach vorne - all das, was bisher weitestgehend gefehlt hatte. Schaaf hatte daran maßgeblichen Anteil, denn seine mutigen Umstellungen wurden allesamt belohnt. Bei seinem ersten Champions-League-Einsatz von Beginn an glänzte vor allem der freche Aaron Hunt: Der gerade erst 20 Jahre alte gewordene Stürmer wirbelte die Abwehr des katalanischen Starensembles immer wieder durcheinander und bereitete das 1:0 vor.

Aber auch der riskante Einsatz von Per Mertesacker lohnte sich. Der drei Monate verletzte Nationalspieler gab der Abwehr bei seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für Werder die erhoffte Stabilität. Schaaf freute sich über das gelungene Debüt: „Das hat wunderbar geklappt. Dieses Spiel brachte so viel Aufmerksamkeit mit sich, dass Per genügend abgelenkt war von seiner eigenen Geschichte, er musste sich total auf das Spiel konzentrieren.“ Und Mertesacker sagte zum ersten Champions-League-Einsatz seiner Karriere: „Es ist für mich sehr, sehr gut gelaufen.“

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