Champions-League
Werders Reifeprüfung im Nou Camp

Am Dienstagabend kann der SV Werder die letzte Stufe auf dem Weg zu einem europäischen Spitzenklub nehmen. Doch die Fußballwunder erprobten von der Weser sind gegen Barcelona nicht mehr auf Europacup-Magie angewiesen. Mit Spielern wie Klose und Diego verfügt das Team von Thomas Schaaf über die nötige individuelle Klasse, die solch ein Spiel entscheiden kann.

BARCELONA. Für Klaus Allofs war es schon vor dem 1:0 gegen den FC Chelsea vor zwei Wochen soweit. Auf fußballpolitischer Ebene, im Kreis der 14 wichtigsten Vereine Europas, soll sein Arbeitgeber endlich ein Stimmrecht haben. Für den Manager gehört der SV Werder Bremen längst in diesen Kreis. Die sportliche Legitimation muss heute Abend folgen, wenn seine Bremer gegen den großen FC Barcelona um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League spielen.

Es geht um viel für Werder Bremen. Längst nicht nur der Einzug in die nächste Runde steht auf dem Spiel, für die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf geht es um den Aufstieg in die Beletage des europäischen Vereinsfußballs und um die vielleicht einmalige Gelegenheit, die Königsklasse sogar gewinnen zu können.

Der Auftritt heute Abend im Camp Nou kann die Vereinsgeschichte verändern. Es ist die historische Chance für die Norddeutschen, sich von einem Provinzklub zu einem der arrivierten Fußballvereine Europas zu emanzipieren.

Schlachten geschlagen haben sie in Bremen schon immer, Wunder haben sie an der Weser fast am Fließband fabriziert, wie beim 6:2 im November 1987 gegen Spartak Moskau oder ein Jahr später beim 5:0 gegen den BFC Dynamo oder 1999 beim 4:0 gegen Olympique Lyon. Einmal haben sie es sogar geschafft, den Europapokal der Pokalsieger nach Bremen zu holen, 1992, als Klaus Allofs und Wynton Rufer zum 2:0 gegen den AS Monaco trafen. In der Champions League aber haben sie in den vergangenen Jahren keine Wunder mehr vollbracht. Oft fehlten in den entscheidenden Momenten die Nerven, anders sind die 3:7-Heimpleite vor zwei Jahren gegen Lyon oder Torwart Wieses folgenschwerer Fehler im vergangenen Jahr gegen Juventus Turin nicht zu erklären.

Der feine Unterschied zu eben dieser Vergangenheit ist, dass morgen Abend eine Mannschaft auf dem Platz steht, die keine Wunder mehr nötig hat. Schließlich vermochte sie es, sich in der viel zitierten „Todesgruppe“ spielerisch eindrucksvoll einen Zwei-Punkte-Vorsprung gegen den Titelverteidiger aus Barcelona zu verschaffen und den FC Chelsea zu schlagen. Und so demonstrieren Spieler, Trainer und Manager in diesen Tagen ein Selbstverständnis wie man es in Deutschland bislang nur von den großen Bayern kannte.

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