Champions League
Zurück in die Vergangenheit

Das Champions-League-Spiel Real Madrid gegen Bayern München ist nur noch eine billige Kopie früherer Tage. Der Ausgang der Partie ist offen. Aber nicht wegen der ausgeglichenen Stärke beider Teams, sondern wegen ihrer fast identischen Schwächen – sagt ausgerechnet Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. Paradoxerweise hat der Verlierer am meisten zu gewinnen.

MADRID. Selbst auf den Fotos scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Seitenwahl vor dem Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale zwischen Real Madrid und Bayern München: Oliver Kahn und Gegenüber Raul reichen sich obligatorisch die Hände. Die Aufnahme der beiden Kapitäne auf der Ausgabe des Sportblatts Marca datiert vom 10. März 2004.

Wie auf einer Reise in die Vergangenheit mochte sich gestern Morgen so mancher gefühlt haben, der in Spaniens Hauptstadt die großen Tageszeitungen und Sportblätter aufschlug. Vom Duell europäischer Titanen wurde geschrieben, einer Art Kulturstreit zwischen den unzeitgemäßen Künstlern des spanisch-königlichen Klubs und ihren Widersachern aus dem teutonischen Bayern um die Bedeutungshoheit im europäischen Fußball, und das Gestern besungen: in Statistiken, Fotostrecken, Anekdoten und Interviews.

Kein Wort davon, dass von dem Champions-League-Achtelfinalhinspiel der beiden Tabellenvierten ihrer Ligen weder Spektakel noch Fußball für die Geschichtsbücher zu erwarten ist.

Es ist immer ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Gegenwart als schal empfunden wird, wenn sie den Bildern aus der Vergangenheit nicht standhalten kann. Niemand aber, der nach dem krisenhaften Charakter des Europapokalklassikers gefragt wurde, wagte diese Analyse. Stattdessen redeten Owen Hargreaves, Roy Makkay, Ruud van Nistelroy oder Mark van Bommel von dem „anderen Charakter der Champions League“ und der Möglichkeit, „mit einem Sieg die Krise beenden zu können“. Das verwirrte im selben Maße wie es darüber Aufschluss gab, dass beide Mannschaften weit davon entfernt sind, den sportlichen Niedergang zu stoppen. Nur Ottmar Hitzfeld erlaubte sich zu widersprechen, als er in den vergangenen Tagen spanischen wie deutschen Medienvertretern antwortete, das Duell sei zwar eines von europäischen Riesen, aber eines von zwei angeschlagenen.

Losgelöst von den Zwängen eines langjährigen Engagements wagte ausgerechnet der Interimstrainer die Analyse. Fazit: Fahrlässig haben der vierfache (Bayern) und neunfache (Real) Europapokalsieger ihre Gegenwart seit jener glorreichen Vergangenheit verspielt.

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