Chaos beim Liga-Dino: HSV-Anhänger greifen eigene Spieler an

Chaos beim Liga-Dino
HSV-Anhänger greifen eigene Spieler an

Nach der Heimpleite gegen Berlin haben Hunderte Fans des Hamburger SV die Stadionzufahrt blockiert und Spieler mit Gegenständen beworfen. Berichten zufolge soll zudem die gesamte sportliche Leitung entlassen werden.
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Hamburg, DüsseldorfNach der Rekord-Niederlage des Hamburger SV hat sich die Wut einiger Fans in bislang nicht gekannter Weise entladen und auch die Spieler des taumelnden Fußball-Bundesligisten getroffen. Als einige HSV-Profis gemeinsam mit Clubchef Carl Jarchow nach dem 0:3 (0:3) gegen Hertha BSC auf einem Parkplatz vor dem Stadion die aufgebrachte Menge beruhigen wollte, kam es am Samstagabend zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Spielern. Wie der Verein bestätigte, wurden einige Profis attackiert. Es kam zu Schubsereien. Zudem traten die Fans auf die Autos der Spieler ein. Anschließend kam es zu Handgreiflichkeiten unter den Fans, bei denen mindestens ein HSV-Anhänger am Kopf verletzt wurde. Die Polizei musste die rivalisierenden Fangruppen trennen. Die Polizei hat zwei Fans vorläufig festgenommen. Wie eine Sprecherin der Polizei am Sonntagmorgen sagte, sollen sie Flaschen auf Ordnungskräfte und Polizisten geworfen haben. Einige Fans reagierten schon im Stadion auf den traurigen Negativrekord in der 51-Jährigen Bundesliga-Geschichte des HSV aggressiv und beschimpften allen voran Kapitän Rafael van der Vaart.

Die Darstellung der Ereignisse unterscheidet sich je nach Quelle: Der Sport-Informations-Dienst (SID) etwa berichtet davon, dass Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart mit Gegenständen, darunter Eier, beworfen wurde. Bei der Online-Ausgabe der Bild-Zeitung ist sogar von einer Rangelei mit Fans die Rede. Das Fachmagazin Kicker berichtet von einer langen Unterredung van der Vaarts mit den aufgebrachten Vereinsanhängern. HSV-Profi Jacques Zoua sei unter Tränen zurück in die Arena geführt worden. Unbestätigt ist die Meldung, dass auch Zoua angegriffen worden sein soll. Fest steht offenbar die Sachbeschädigung an den Autos der Spieler.

Die Szenen vor der HSV-Arena waren unrühmlicher Höhepunkt eines sportlich erneut desaströsen Abends für die Hanseaten. Immer weiter trudelt das Liga-Gründungsmitglied Richtung Abstieg, hält aber entgegen aller Mechanismen des Geschäfts unverdrossen an Trainer Bert van Marwijk fest. Nach historischen sechs Pleiten in Serie liegt der HSV weiter auf dem vorletzten Tabellenplatz. „Wir haben kein Trainerproblem, sondern ein Verteidigerproblem. Der Trainer bleibt definitiv“, sagte Kreuzer in den Stadionkatakomben.

Laut Bild-Zeitung verschärfte sich die Lage beim Hamburger SV aber schon unmittelbar nach Abpfiff auch intern. Wie die Zeitung berichtet, verlangt der Aufsichtsrat vom Vereinsvorstand den Rausschmiss von Trainer Bert van Marwijk. Der Vorstand um Klubboss Carl-Edgar Jarchow verweigert dies jedoch. Nun, so der Bericht, wird Jarchow noch am Sonntag dem Aufsichtsrat in einer Sondersitzung zur sportlichen Lage Rede und Antwort stehen müssen. Schon in der Arena soll dabei gedroht worden sein, den gesamten Vorstand von seinen Aufgaben zu entbinden, sollte der Trainer nicht entlassen werden. Dementsprechend spekuliert die Bild bereits über ein Tribunal für die Führungsebene.

Tatsächlich ist die Lage sportlich, wirtschaftlich und menschlich verheerend. „Schlechter kann es fast nicht kommen“, sagte van Marwijk. „Ich laufe nicht weg. Ich fühle mich voll verantwortlich für diese Situation.“ Zweimal Torjäger Adrian Ramos (23., 38 Minute) und Sami Allagui (16.) erzielten vor 48.593 Zuschauern in der Arena im Volkspark die Treffer für die Gäste, die damit 2014 ihren ersten Sieg verbuchten. Die Berliner können nach verpatztem Rückrundenauftakt mit zwei Niederlagen aufatmen. Sie richten den Blick als Siebter sogar wieder zu den internationalen Startplätzen.

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