Chaos in Köln
Mutmaßungen um Overath-Rücktritt

Chaostage, Brennpunkt, Scherbenhaufen und Untergang sind nur einige Schlagworte, die das Drunter und Drüber beim 1. FC Köln auf den Punkt bringen sollen. Auf der heutigen Jahreshauptversammlung, zu der rund 2000 Mitglieder erwartet werden, drohen Anfeindungen und eine Verweigerung der Entlastung des Vorstandes. Das könnte personelle Folgen haben.

dpa KÖLN. Schon sechs Tage nach Karnevals-Anfang wird auf der Mitgliederversammlung des tief in der Krise steckenden Fußball-Bundesligisten Schluss mit lustig sein. Mutmaßungen über einen Rücktritt von Präsident Wolfgang Overath halten an.

"Das sind alles Zeitungs-Spekulationen", sagte Vereinssprecher Christopher Lymberopoulos. Ein Rücktritt Overaths sei "mit Sicherheit" nicht zu erwarten. Der 67-jährige Weltmeister von 1974 selbst schweigt seit dem desaströsen 0:4 am Samstag im Westderby gegen Borussia Mönchengladbach. Auf der Jahreshauptversammlung, zu der rund 2000 Mitglieder erwartet werden, drohen Anfeindungen und eine Verweigerung der Entlastung des Vorstandes. Ob Overath dann nach sechs Jahren hinschmeißt, ist offen.

Ein Nachfolger ist derzeit nicht in Sicht. Zuletzt hatte der frühere Kölner Oberbürgermeister und Mitglied des FC-Verwaltungsrats, Fritz Schramma, abgewunken. "Aber wenn ein Kandidat kommt und sagt, dass er das Amt übernehmen will, dann soll er sich melden", sagte Schramma dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Denkbar ist auch, dass FC-Manager Michael Meier - ihm wird mehr noch als Overath der Niedergang am Rhein angekreidet - gehen muss oder entmachtet wird. Die Bilanz seiner 2005 begonnenen Amtszeit in Köln spricht nicht für ihn: Die Verbindlichkeiten des Traditionsclubs belaufen sich auf 24,1 Mill. Euro. 47 Spieler hat Meier mitverpflichtet, von denen nur wenige sportlich wertvoll waren. In der Bundesliga gelang den Kölnern in dieser Saison nur zwei Siege, zudem schossen sie mit Nationalstürmer Lukas Podolski die wenigsten Tore der Liga.

Manager Meier, der einen Vertrag bis 2013 hat, soll der Rücktritt bereits nahegelegt und eine Abfindung angeboten worden sein. "Das ist nicht der Fall", sagte Meier auf Anfrage. Auch von Plänen, ihm einen Sportdirektor an die Seite zu stellen, weiß er nichts: "Darüber hat mit mir keiner gesprochen." In die Mitgliederversammlung gehe er ohne Angst. "Mitglieder sind auch Partner", sagte er. "Wir gehen mit dementsprechenden Argumenten dahin, wenngleich Tabellenplatz 18 keine gute Vorlage für eine gute Stimmung ist."

Personelle Klarheit herrscht in Köln über FC-Chefcoach Frank Schaefer. Er soll auch nach dem Pflichtspiel am Sonntag beim VfB Stuttgart noch im Amt bleiben. Inzwischen bot auch der ehemalige Trainer Christoph Daum seine Hilfe an. "Im Rahmen meiner Möglichkeiten würde ich dem FC auch in dieser schweren Phase selbstverständlich helfen", sagte der 57-Jährige, der im Sommer 2009 ohne Vorankündigung zu Fenerbahce Istanbul wechselte, dem Kölner "Express".

Gleichzeitig brach er eine Lanze für den Präsidenten: "Wolfgang Overath ist als Persönlichkeit für mich unantastbar. Bei mir genießt er hohe Wertschätzung. Ich hoffe, dass die Mitglieder genauso denken."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%