Fußball
Chaos nach "Schiri"-Skandal weitet sich aus

Das Chaos in Brasiliens Fußball weitet sich nach der Neuansetzung aller elf von Edilson Pereira de Carvalho geleiteten Spiele aus. Der Unmut vieler Klubs richtet sich besonders gegen den Zeitpunkt der Urteils-Verkündung.

In Brasiliens Fußball wird nach der Neuansetzung aller elf von Skandal-Schiedsrichter Edilson Pereira de Carvalho geleiteten Spiele das Chaos immer größer. Die Entscheidung des Obersten Sportgerichtshofes (Stjd) im Land des Weltmeisters ohne Überprüfung der Einzelfälle löste bei betroffenen Klubs wütende Reaktionen aus, zumal Carvalho nach eigenen Angaben am Wochenende in einem Aufsehen erregenden TV-Geständnis in einigen Partien entgegen seines Manipulations-Auftrages aufgrund des Spielverlaufs nicht eingegriffen haben will.

Stjd-Präsident Luiz Zveiter drohte den zahlreichen unzufriedenen Klubs dennoch mit drastischen Strafen, sollten die Vereine gegen das Urteil seines Gremiums klagen: "Wer vor ein ziviles Gericht geht, fliegt aus der Meisterschaft." Zveiter lag damit auf einer Linie mit Brasiliens Verbands-Boss Ricardo Teixeira: "Wer auch immer absteigen muss, wird absteigen, und wer auch immer aufsteigen darf, wird aufsteigen. Jeder, der deswegen vor Gericht zieht, wird eine unvergessliche Strafe erhalten."

Carvalho: "Ich habe gesündigt. Ich war korrupt"

Carvalhos spektakuläre Fernseh-Beichte drängte jedoch den Streit über den Stjd-Beschluss in den Hintergrund. "Ich habe gesündigt. Ich war korrupt", gab sich der zuvor schon im Polizeiverhör geständige Ex-Referee im TV-Sender Globo reumütig: "Ich habe mich verführen lassen, und das war falsch." Carvalho erklärte weiter, er habe den Anwerbe-Versuchen der Wettmafia zunächst widerstanden, dann aber wegen seiner umgerechnet 20 000 Euro Schulden doch nachgegeben.

Carvalho, der durch theatralische Bekreuzigungen vor dem Anpfiff bekannt wurde, gestand mehrere Einzelfälle. Wieviele der elf betroffenen Partien er entscheidend beeinflusst hat, sagte der Unparteiische allerdings nicht. Beim 3:0 von Corinthians Sao Paulo gegen Guarani habe er aber beispielsweise ebenso wenig eingreifen müssen wie beim 4:1-Sieg von Figueirense gegen Juventude.

Die Neuansetzung dieser Partien erscheint daher genauso zweifelhaft wie der Wiederholungsbeschluss für den 3:2-Sieg des FC Santos über Corinthians. In der Begegnung scheiterte offenbar Carvalhos Versuch, Corinthians zum Sieg zu verhelfen. "Das ist absurd. Santos ist ein Opfer", klagte Santos-Sportdirektor Luiz Henrique de Menezes.

"Wir sind zu dieser Entscheidung gekommen, weil in den Geständnissen deutlich wurde, dass Carvalho ein doppeltes Spiel trieb und es Widersprüche in seinen Aussagen und den abgehörten Telefonaten gab. Daraus folgerten wir, dass seine Aussagen keine Glaubwürdigkeit haben", begründete Stjd-Präsident Zveiter: "Das ist von den dramatischen Lösungen die beste, um das Chaos in der Meisterschaft zu verhindern."

Acht Begegnungen sind bereits neu terminiert. Bei allen Partien soll der Eintritt frei sein, um die betrogenen Fans nicht ein zweites Mal zu bestrafen. Es dürfen aber keine Spieler eingesetzt werden, die beim ersten Duell noch nicht für den Klub eingeschrieben waren oder am Spieltag eine Sperre absaßen.

Unmut der Klubs

Der Unmut vieler Klubs richtet sich besonders gegen den Zeitpunkt der Urteils-Verkündung. "Wir sind psychologisch benachteiligt worden", klagte zum Beispiel Trainer Muricy Ramalho von Internacional Porto Alegre, der mit seinem Klub zunächst am "grünen Tisch" die Tabellenführung verlor und wenige Stunden später daheim nur zu einem 2:2 gegen Fluminense Rio de Janeiro kam. Der neue Spitzenreiter Corinthians, der in zwei ursprünglich verlorenen Spielen eine zweite Chance erhält, siegte dagegen 3:2 gegen Brasiliense. "Zveiter hätte das Urteil nach Abschluss des Spieltags verkünden können. So hat er Corinthians zusätzlich Kraft gegeben", schimpfte Ramalho.

Während für die von Carvalho geleiteten Erstliga-Spiele eine Lösung gefunden wurde, gestaltet sich die Situation in der Sao Paulos schon beendeter Regionalmeisterschaft außerordentlich problematisch. Dort hatte neben Carvalho auch Schiedsrichter Paulo Jose Danelon mit vorsätzlichen Fehlentscheidungen Spiele manipuliert. Der Verdacht erstreckt sich auf 22 Partien, die jedoch im Falle einer Annullierung nicht wiederholt werden können und Einfluss auf die Abstiegsentscheidung haben können.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%