Chile 1962
Aus für ”Halbgott” Pele

Die Titelkämpfe 1962 in Chile wurden zu einer "vergessenen Weltmeisterschaft". Das lag einerseits an Deutschland, das so früh wie zuvor nur 1938 ausschied, aber auch am Fernsehen, das noch nicht live aus Südamerika übertragen konnte.

dpa HAMBURG. Vergessen konnte und sollte man diese WM aber vor allem wegen der ermüdenden Defensiv- Taktik, der bis auf Brasilien alle Teams huldigten. Der Weltmeister aus Südamerika konnte seinen Titel so auch ungehindert verteidigen. Brasilien schlug in der Vorrunde Mexiko (2:0) und Spanien (2:1), dessen Star Di Stefano nach einem Streit mit Trainer Herreira als Tourist nach Chile gekommen war.

Nur gegen den späteren Finalgegner CSSR mussten die Brasilianer ein 0:0 hinnehmen, weil sich Pele, der "Halbgott in Fußballschuhen", einen Muskelriss zuzog und für den Rest des Turniers ausfiel. Andere schlüpften in seine Rolle - die Experten stritten, ob es die WM Garrinchas oder die von Zagallo war.

Nach den "Spaziergängen" gegen England (3:1) im Viertelfinale und gegen Chile (4:2) im Halbfinale traf der Titelverteidiger auf eine Tschechoslowakei, die sich nur dank ihres alle überragenden Torwarts für das Endspiel qualifiziert hatte. Doch ausgerechnet dieser Schroiff sollte das Finale für seine Mannschaft verlieren. Beim 1:1 ließ er sich von Amarildo verladen, das 2:1 legte er Vava vor die Füße, und bei Zitos Kopfball zum 3:1 wirkte er ebenfalls ratlos. Da half es auch nicht, dass Masopust die CSSR in Führung gebracht hatte.

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Deutschland folgte dem Trend der Zeit und entschied sich für eine defensive, manchmal sogar destruktive Taktik. Herbergers Elf und Italien neutralisierten sich beim 0:0 zum Auftakt. Danach langweilten die Deutschen beim glücklichen 2:1 gegen die Schweiz; in Erinnerung blieben nur die Tore von Brülls und Seeler sowie ein Foul, mit dem Szymaniak das Bein des Schweizers Eschmann brach. Das 2:0 gegen Chile bedeutete den Gruppensieg. Die Deutschen waren mit "bescheidenen Mitteln" im Viertelfinale und trafen Jugoslawien - zum dritten Mal hintereinander. Fünf Minuten vor Schluss passte Galic auf Radakovic, und der überwand Fahrian. Deutschland musste die Heimreise antreten.

Für die größten Schlagzeilen aber sorgte jenes Spiel in der deutschen Gruppe, in dem Chile und Italien aufeinander trafen. In der Partie, die später als "Weltkrieg der Fußtritte" bezeichnet wurde, zertrümmerte Leonel Sanchez ungestraft dem Italiener Maschio mit einem Fausthieb das Nasenbein. Der englische Schiedsrichter Ken Aston drückte beide Augen zu - auch als die Chilenen serienweise ihre Gegenspieler bespuckten, mit Drohgebärden provozierten und mit Füßen traten. Vom Platz schickte er nur die Italiener Ferrini und David.

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