Confederations Cup
Südafrika probt den Ernstfall

Die Fußball-WM 2010 in Südafrika ist für die Regierung unter Präsident Jacob Zuma weit mehr als nur ein Sportereignis. Fünfzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid will das Land der Welt beweisen, dass es zu den aufstrebenden Nationen zählt und ein Megaevent bewältigen kann. Beim am Sonntag beginnenden Confederations Cup wird schon mal der Ernstfall geprobt.

JOHANNESBURG. Der Fußball wird momentan für die Wirtschaft Südafrikas zum wichtigen Impulsgeber – anders als in Deutschland, dem Gastgeberland der WM 2006. Hier waren die Ausgaben für Stadien und andere Infrastrukturbauten im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung minimal. Sie steuerten nur ein halbes Prozent zu den Gesamtinvestitionen in Deutschland zwischen 2002 und 2005 bei.

Für die dreizehnmal kleinere südafrikanische Wirtschaft ist das Fußballturnier wesentlich bedeutender: Mehr als 3,5 Mrd. Euro hat Südafrika in die zehn WM-Stadien und zahlreiche Straßenbauprojekte investiert. Parallel dazu läuft bis 2012 ein staatliches Infrastrukturprogramm in Höhe von 70 Mrd. Euro. Darunter fällt auch der prestigeträchtige Hochgeschwindigkeitszug Gautrain, der bis zur Weltmeisterschaft den internationalen Flughafen von Johannesburg mit dem vornehmen Stadtteil Sandton verbinden und ein Jahr später bis in die Landeshauptstadt Pretoria verlängert werden soll.

Die massiven Ausgaben konnten freilich nicht verhindern, dass die Wirtschaftskrise das Land hart getroffen hat. Das Ende des Rohstoffbooms bereitet den Gold- und Platinproduzenten am Kap zunehmend Probleme. Die Johannesburger Börse hat seit dem Allzeithoch im Mai 2008 rund 35 Prozent verloren. Die Wirtschaft befindet sich seit dem ersten Quartal 2009 in der Rezession und schrumpfte zuletzt um 6,4 Prozent auf Jahresbasis – der stärkste Rückgang seit 1984. Der renommierte US-Ökonom David Shapiro rechnet in diesem Jahr bestenfalls mit einem Nullwachstum. Im schlimmsten Fall werde die Wirtschaft um zwei bis drei Prozentpunkte schrumpfen.

Leidtragende der Krise sind auch die Baukonzerne und Zementhersteller, deren Aktien nach der Vergabe der WM an Südafrika vor fünf Jahren noch kräftig angezogen hatten. Allerdings ist die Baubranche angesichts noch immer gut gefüllter Auftragsbücher über Gebühr bestraft worden, was Hoffnung auf eine weitere Kurserholung macht. Am stärksten sind bisher die Titel von Aveng und Murray & Roberts gestiegen, vielleicht auch, weil diese beiden Unternehmen im Mittleren Osten stark aufgestellt sind.

Die Wirtschaftskrise hat auch ihr Gutes: So hat sich die Lage im vernachlässigten Stromsektor entspannt, weil Südafrika seit dem Ende des Rohstoffbooms vor einem Jahr deutlich weniger Elektrizität verbraucht. Der zeitweise auf Null geschrumpfte Überschuss der Stromproduzenten ist inzwischen wieder auf rund acht Prozent gestiegen, obwohl die Regierung den Ausbau der Infrastruktur bisher verschlafen hat.

Den WM-Veranstaltern bereitet derzeit vor allem das marode und teils nur rudimentär vorhandene Transportsystem Sorge. Die im Anforderungskatalog des Fußball-Weltverbands Fifa aufgelisteten Straßenbahnen und U-Bahnen gibt es am Kap jedenfalls nicht. Symptomatisch für die fehlende Entschlossenheit der Regierung ist, dass Johannesburg sein gerade erst groß angekündigtes Schnellbus-System zum Confederations Cup, der als Generalprobe für die WM dient, unter dem Druck der Sammeltaxi-Fahrer noch nicht in Betrieb nehmen wird.

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