Das Spektakel England gegen Portugal
Beckham meets Figo

England gegen Portugal. Langsam aber sicher wird diese Begegnung zu einem Klassiker bei internationalen Fußballturnieren. Erinnerungen werden wach, Erinnerungen an das Viertelfinale bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal. 8:7 hatte der Gastgeber damals gewonnen. Im Elfmeterschießen, in dem David Beckham daneben schoss. Stürmer Wayne Rooney brach sich in dem Spiel zum ersten Mal den Fuß, im April 2006 zum zweiten Mal.

HAMBURG. Erinnerungen an Spiele, die im Elfmeterschießen entschieden wurden, sind für die Engländer in den meisten Fällen nicht schön. Vier von sieben solcher Begegnungen bei Welt- und Europameisterschaften haben sie verloren. Das "Drei-Löwen-Team" des schwedischen Trainers Sven-Göran Eriksson fürchtet vor dem Spiel gegen Portugal am Samstag um 17 Uhr in Gelsenkirchen deshalb wohl nichts mehr als eine Wiederholung der Ereignisse. Die Spieler reden sich denn auch Mut zu. "Ich glaube nicht, dass ein Deutscher einen Elfmeter besser schießen kann als ein Engländer", sagte etwa Owen Hargreaves von Bayern München.

Doch erst einmal müssen die Engländer es überhaupt in ein Elfmeterschießen schaffen. Nach den bisherigen Auftritten der Mannschaft wäre das schon ein Erfolg. Denn die Engländer quälen drei große Probleme. Das erste ist das Sturmproblem. Zwar ist Rooney - wider Erwarten sehr vieler Engländer - durch medizinische Höchstleistungen rechtzeitig zur Weltmeisterschaft wieder gesund geworden. Doch ihm mangelt es noch an Fitness, Schnelligkeit, Spritzigkeit und vor allem am Torerfolg. Gegen Portugal wolle er unbedingt treffen, sagte der Stürmer von Manchester United. Dass muss er wohl auch, wenn England gewinnen will. Denn die Nummer 2 im englischen Sturm, Michael Owen, verletzte sich in der Gruppenphase schwer am Knie, und fällt monatelang aus. Sven-Göran Eriksson bleiben somit neben Rooney nur noch zwei einsatzbereite Stürmer: Der unerfahrene Peter Crouch vom FC Liverpool, der eigentlich als Rooney-Ersatz mit nach Deutschland gefahren ist. Und der noch unerfahrenere Theo Walcott (Arsenal London). Er ist gerade erst 17 Jahre alt. Die Folge: Eriksson stellte im Achtelfinale sein System schon um und startete nur mit einem Stürmer: Rooney.

Das zweite große Problem der Engländer ist ihr eigentlich hoch gelobtes Mittelfeld. Das hat bei dieser Weltmeisterschaft spielerisch bislang enttäuscht. Außer langen Bällen, dem berühmten "Kick and Rush" ist den Spielern nicht viel eingefallen. Einzig Joe Cole auf der linken Außenbahn und der einmal eingewechselte Aaron Lennon auf rechts trugen zeitweise mit brillanten Dribblings den Ball bis zum Tor. Als Cole im Achtelfinale gegen Ecuador aber schlecht spielte, gab es nur noch lange Bälle - auf den gerade einmal 1,78 Meter großen Rooney. Der rannte sich die Lunge aus dem Leib. Doch irgendwann gab er frustriert auf: Zu ungenau waren die 30 bis 50 Meter Pässe, zu allein war er auf weiter Flur.

Dazu gesellte sich das dritte Problem: Der immer noch nicht ganz fitte Rooney war so ziemlich der einzige Engländer, der sich die Lunge aus dem Leib rannte. Die Engländer sind die Mannschaft, der die Hitze in Deutschland bisher am deutlichsten zu schaffen machte. Beckham übergab sich nach dem Spiel gegen Ecuador gar auf den Rasen. Doch es ist nicht die Hitze allein. Die Engländer, so erzählen seriöse britische Journalisten hinter vorgehaltener Hand, sind einfach nicht fit, zu untrainiert. Und sie feierten zu viel in ihrem WM-Quartier in Baden-Baden.

Ihr schwedischer Trainer Eriksson, der nach der WM bei den Engländern aufhören muss, konterte die Kritik an den schwachen Spielen seiner Elf mit den Worten: "Du versuchst, guten Fußball zu spielen, aber das absolut Wichtigste ist, das Spiel zu gewinnen." In der Tat. Diesmal vielleicht doch im Elfmeterschießen? Immerhin sind bei den Portugiesen Spielmacher Deco (FC Barcelona) und Verteidiger Costinha (Noch Dynamo Moskau) nach dem harten Spiel gegen die Niederlande gesperrt. Die britische Boulevard-Presse drängt die Portugiesen deshalb auch schon in die Fußball-Barbaren-Ecke, übersieht dabei aber, dass sie mit Luis Figo von Inter Mailand einen der besten Kreativspieler dieser WM dabei haben. "Kreative Barbaren" gegen "ersatzgeschwächte Schlappis"? Es verspricht, ein gutes Spiel zu werden.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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