„Das, was wir machen, ist einfach internationaler Standard. “
Klinsmann: Philosophie-Umsetzung auf allen Ebenen

Die Nationalmannschaft begeistert derzeit mit der Philosophie von Jürgen Klinsmann das ganze Land. Deshalb fordert der Bundestrainer auch die Umsetzung auf allen Ebenen: "Ein Ruck muss durch Fußball-Deutschland gehen".

Nachdem die Philosophie von Jürgen Klinsmann die Nationalmannschaft ins WM-Viertelfinale getragen hat, fordert der Bundestrainer vor dem Spiel gegen Argentinien am Freitag die Umsetzung auf allen Ebenen des deutschen Fußballs und erneuert zugleich seine Kritik an den Bundesliga-Klubs. "Wenn man daran glaubt, muss diese Philosophie in der Trainingslehre, Trainerausbildung, in den Junioren-Nationalmannschaften des DFB und auch an der Basis in den Landesverbänden umgesetzt werden", sagte der 41-Jährige in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit (Donnerstagsausgabe).

Einzug ins WM-Finale als Voraussetzung

Klinsmann sieht im Einzug des deutschen Teams ins WM-Finale die Voraussetzung für die Fortsetzung seiner Spielphilosophie: "Wenn wir rausfliegen würden gegen Argentinien, ginge die Diskussion wieder los: Wäre es nicht besser gewesen, abzuwarten? Erstmal hinten dichtzumachen? Auf Konter zu lauern? Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir weiterkommen, noch weiter, bis zum Endspiel. Vor allem, damit dieser Prozess das einzig entscheidende Gütesiegel bekommt: den Erfolg. Und wir werden ihm dieses Gütesiegel verpassen", sagte Klinsmann kämpferisch.

Noch habe sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht zu seiner offensiven Philosophie und den Trainingsinhalten bekannt. "Im Moment warten alle das Ergebnis der WM ab", erklärte Klinsmann. Die in jüngster Zeit zahlreichen Bekenntnisse zu seiner Person seien nicht entscheidend. Das derzeitige Schweigen vieler Fachleute von Franz Beckenbauer bis Günter Netzer zeige, "wie zerbrechlich die ganze Sache ist", sagte Klinsmann weiter.

Der Weltmeister von 1990 sieht in der Umsetzung seiner Philosophie die einzige Chance, um international nicht den Anschluss zu verlieren. "Es muss ein gewaltiger Ruck durch Fußball-Deutschland gehen", sagte Klinsmann in Anlehnung an den Bundespräsidenten a.D. Roman Herzog, der am 26. April 1997 seine legendäre "Ruck-Rede" gehalten hatte.

"Das, was wir machen, ist einfach internationaler Standard. Das ist der Fußball vom FC Barcelona, von Arsenal London, von Ajax Amsterdam. Zwischen den deutschen Topteams und diesen Mannschaften liegen Welten", erneuerte Klinsmann seine wiederholt geäußerte Kritik an der Arbeit in den Bundesliga-Klubs. Jeder wisse jetzt: "Das alles können deutsche Fußballer! Wenn sie richtig geführt werden und richtig trainieren."

Aus der Bundesliga hatte man sich zuletzt teils verärgert über die Schelte des Bundestrainers an der Trainingsarbeit in den Vereinen gezeigt. "Jeder kann seine Arbeit verkaufen, wie er will. Den Schuh, dass meine Spieler nicht fit sind, ziehe ich mir auf jeden Fall nicht an", hatte jüngst Trainer Felix Magath vom deutschen Rekordmeister Bayern München gesagt.

Bei der Frage nach seiner Zukunft wollte sich der Bundestrainer erneut nicht festlegen. Er könne sich "jederzeit" vorstellen, nach der WM wieder in seinen beruflichen Alltag bei der amerikanischen Firma Soccersolutions, deren Teilhaber er ist, zurückzukehren: "Einfach, weil ich weiß, was ich in den Jahren davor gelernt und geschätzt habe, an der Arbeit mit meinen Partnern in unserer Firma."

Über seine Zukunft als Trainer sagte Klinsmann zudem: "Ich gehe auf in dieser Tätigkeit, ja. Auf der anderen Seite lasse ich mich aber nicht auffressen." Dieser Job sei es keine Droge, keine Sucht für ihn. Ein Engagement als Vereinstrainer komme für ihn "momentan nicht in Frage".

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%