Daum Vs. Hoeneß
Der nächste Akt einer Männer-Feindschaft

Noch nicht einmal eine Woche ist Christoph Daum zurück in der Bundesliga – und schon brennt die Dauerfehde mit Lieblings-Nemesis Uli Hoeneß neu auf. Wieder geht es um "Pulver" und wieder geht es unter die Gürtellinie.
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München/FrankfurtMan konnte Uli Hoeneß fast ansehen, wie sehr er den Moment genoss, in dem der Vorhang wieder aufging. Bei einem Gespräch im Rahmen des Kulturforums der Düsseldorfer Sparkasse wurde der Bayern-Präsident auf das doch eher überraschende Neu-Engagement Christoph Daums bei Eintracht Frankfurt angesprochen – für Hoeneß die Einladung zu einer gehörigen Portion süffisanter Breitseite gegen Daum und den Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen: "Ich habe mich schon gewundert, dass Heribert, den ich als sehr behutsamen und bedächtigen Mann konservativer Neigung und nachhaltigen Manager kennengelernt habe, so eine Aktion startet", begann Münchner Lautsprecher vorsichtig, um dann in die Vollen zu gehen: "Da muss irgendwie ein Pulver im Kaffee der Bundesliga gewesen sein - allgemein. Und er hat vielleicht auch etwas da drin gehabt."

Eine Aussage, die im Kontext der Kokainaffäre von 2000 mehr ist als nur ein verbaler Tiefschlag. Es ist der - wohl nur im chronologischen Sinne - letzte Akt einer tiefgehenden Männerfeindschaft zwischen zwei machiavellistischen Machtmenschen, die im Laufe der vergangenen 22 Jahre häufiger aneinander geraten sind als in der Bundesliga-Geschichte wohl jemals zuvor zwei Verantwortliche.

Alles begann im Mai 1989. Daum, damals im zweiten Jahr als Cheftrainer beim 1. FC Köln, lag mit den Rheinländern vier Spieltage vor Schluss nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München - und die psychologische Kriegsmaschinerie lief auf Hochtouren. "Er könnte auch Werbung für Schlaftabletten machen", urteilte Daum über Bayern-Cheftrainer Jupp Heynckes, die Wetterkarte sei interessanter als ein Gespräch mit ihm. Und als wäre das noch nicht genug legte der Jung-Trainer nach: "Nach dem Sieg gegen Inter Mailand ging es ihm mal für ein paar Stunden besser, da war eine Hirnwindung mehr durchblutet. Im Grunde genommen ist er völlig kaputt."

Ein persönlicher Angriff, den Heynckes' Freund Hoeneß natürlich nicht so stehen ließ. Im Aktuellen Sportstudio kam es zur ersten der bis heute wenigen direkten Konfrontationen. Daum bestätigte die Zitate mit gewohnt fiebrigem Blick und behauptete, dass auch Hoeneß ihn "nicht von seinem Weg abbringen könnte", was der damalige Bayern-Manager mit Blick auf das anstehende Duell gar nicht versuchen wollte, denn "am nächsten Donnerstag ist dein Weg zu Ende". Am Ende von Akt 1 des "Sommernachts-Daums" gewann Bayern 3:1 in Köln, Hoeneß und Heynckes hatten nach Abpfiff Tränen in den Augen und wurden drei Wochen später auch Meister, Daum musste knapp ein Jahr später unter bis heute nicht ganz klaren Umständen und auf Anweisung von FC-Präsident Dietmar Artzinger-Bolten den Verein verlassen.

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