De Maiziere: „Interessante Idee“
Sympathie für WM-Ausschluss des Iran in der Bundesregierung

Die Bundesregierung ist sich uneins, den Iran wegen der israelfeindlichen Äußerungen seines Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad von der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auszuschließen.

HB BERLIN. "Davon halte ich nichts", sagte der für den Sport zuständige Innenminister Wolfgang Schäuble der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zu einem entsprechenden Vorstoß der Grünen. "Was können die iranischen Fußballer und ihre Fans dafür, dass ihr Staatspräsident verabscheuungswürdige Äußerungen macht?" Ähnlich äußerte sich auch SPD-Fraktionschef Peter Struck. Dagegen sprach Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere von einer interessanten Idee. Über den WM-Ausschluss des Iran sollte aber der Sport entscheiden, sagte er der "Welt am Sonntag". Nach de Maizieres Worten lotet die Bundesregierung bei der Uno international abgestimmte Reaktionen auf Ahmadinedschads Äußerungen aus.

Struck sagte dagegen der "B.Z. am Sonntag", er halte das für falsch. "Die Fußballer können nichts dafür, dass sie einen verrückten Präsidenten haben."

Schäuble erklärte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ebenfalls, er halte nichts von einem solchen Vorgehen. "Was können die iranischen Fußballer und ihre Fans dafür, dass ihr Staatspräsident verabscheuungswürdige Äußerungen macht?" Man müsse dem Iran jedoch unmissverständlich klar machen, dass "die zivilisierte Weltgemeinschaft solche Denk- und Verhaltensweisen unter gar keinen Umständen akzeptiert".

Ahmadinedschad hatte den Völkermord an den Juden wiederholt als Mythos bezeichnet und gefordert, Israel nach Europa oder Nordamerika zu verlegen. Europa, die USA und Israel hatten sich empört über die Aussagen gezeigt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Äußerungen Ahmadinedschads als zynisch und brandgefährlich. Der iranische Präsident belaste damit nicht nur die Vermittlungsversuche Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens im Konflikt über das iranische Atomprogramm. "Auch Deutschlands Beziehungen zum Iran werden einer Belastungsprobe ausgesetzt", schrieb der SPD-Politiker in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Gerade die Deutschen dürften "nicht zulassen, dass das Existenzrecht Israels bestritten und der Holocaust geleugnet wird".

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