Denkmal „Rehakles“ wackelt
Vom Fußball-Olymp ins Tal der Tränen

Die Aussicht vom Fußball-Olymp war gigantisch. Vor fast genau einem Jahr hatten ihn die Griechen und ihr deutscher Trainer-Held Otto Rehhagel geradezu sensationell erklommen. Doch Deutschland ist nicht Portugal, und wer hoch fliegt kann auch tief fallen. Gestern Abend schlug Europameister Griechenland beim Confederations Cup hart auf dem Boden auf.

FRANKFURT. Vielleicht nicht zum letzten Mal. Denn angesichts der desolaten Verfassung, in der sich die EM-Helden beim noch schmeichelhaften 0:1 gegen Japan präsentierten, droht nach dem Aus bei der "Mini-WM" ein noch tieferer Absturz, ein Super-Gau: Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006 scheint mehr denn je in Gefahr.

"König Otto" brechen beim Europameister immer mehr Zacken aus der Krone - doch der 66-Jährige flüchtet sich in Durchhalteparolen. "Ich weiß die Situation schon richtig einzuschätzen", keifte er angefressen zurück, als die unausweichliche Frage nach der Bedeutung des vorzeitigen Aus beim Confederations Cup kam. "Für uns ist das magische Datum der 7. November, wenn wir gegen Kasachstan spielen. Ich habe die Hoffnung, dass wir gut genug sind, das Spiel zu gewinnen und uns am Ende doch noch für die WM zu qualifizieren." Eine Vertragsverlängerung bis 2008 hat er jedenfalls mit dem Erreichen dieses Ziels verknüpft.

Und so scheint statt der Etablierung in der Creme de la Creme des internationalen Fußballs das Ende der Ära Rehhagel nah. Verbandspräsident Gagatsis beeilte sich zwar zu versichern, dass der Coach so lange bei den Griechen arbeiten könne, wie er wolle. Doch ganz offensichtlich machen sich Abnutzungserscheinungen breit: Null Punkte, null Tore beim Confed Cup, kein Treffer in den vergangenen vier Partien, vom Feuer und dem Elan des Triumphjahres 2004 keine Spur. "Ich hatte gedacht, dass meine Spieler bei diesem Turnier noch einmal über ihre Schatten springen und alles aus sich herausholen", wirkte der Deutsche nach der Japan-Pleite schon fast resignierend. So als könne er seine Spieler nicht mehr erreichen.

Dabei ist er längst nicht der einzige, der sich Sorgen macht. "Natürlich ist ganz Griechenland unzufrieden. Wir zeigen nicht mehr unsere Qualität. Wir müssen endlich begreifen, dass wir nicht mehr in Portugal sind. Sonst werden wir bei der WM nicht mit dabei sein", warnt auch Stürmer Angelos Charisteas, der vor knapp einem Jahr mit seinem Treffer zum 1:0-Erfolg im EM-Finale gegen Portugal in Lissabon griechische Fußball-Geschichte geschrieben hatte.

Angesichts der schlechten Ausgangslage versuchen sich die Spieler bereits mit der Erinnerung an den Sensationserfolg in Portugal Mut zu machen: Der vergangene Sommer habe gezeigt, dass alles möglich sein könne, sagt Mittelfeldspieler Stylianos Giannakopoulos: "Fußball ist nun mal so, es geht oft rauf und runter. Wir müssen nun wieder den Weg nach oben finden." Falls das nicht bald gelingt, sicher schon bald ohne Otto Rehhagel.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%