Depression
Ex-Fußballer Biermann nimmt sich das Leben

Erneut erschüttert ein Selbstmord den deutschen Fußball: Ex-Profi Andreas Biermann hat sich nach jahrelangen Depressionen das Leben genommen. Das Entsetzen in der Fußballer-Szene ist groß.
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BerlinFünf Jahre nach dem Selbstmord von Robert Enke wird der deutsche Fußball erneut von einem Selbstmord erschüttert. Der frühere Fußball-Profi Andreas Biermann, der seit 2004 an Depressionen litt, hat sich im Alter von 33 Jahren das Leben genommen, wie sein letzter Verein FSV Spandauer Kickers 1975 am Samstag auf seiner Facebook-Seite schrieb. Biermann hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder.

In Fußballer-Kreisen hat der Tod Biermanns Trauer und Entsetzen ausgelöst. „Das ist schrecklich. Mir fehlen die Worte“, bekannte Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes. „Mir fällt kein Patentrezept ein, wie solchen Menschen besser zu helfen ist. Man muss ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken, aber reinschauen kann man nicht in ihr Innerstes“, fügte der BFV-Chef hinzu.

Auch Biermanns Ex-Vereine Union und St. Pauli reagierten umgehend. „Er hat sich lange und mutig gegen seine Krankheit gestemmt, aber er konnte den Kampf nicht gewinnen. Wir sind geschockt und traurig. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Andreas Biermann“, teilte Union-Präsident Dirk Zingler am Sonntag mit. Für die „Eisernen“ hatte Biermann 2006/2007 in der Regionalliga 29 Punktspiele bestritten.

Seit zehn Jahren hatte der Berliner, der unter anderem für Hertha BSC, Union Berlin und den FC St. Pauli spielte, Depressionen. Doch erst nach dem Tod von Enke wurde ihm bewusst, dass er krank war. Biermann ging an die Öffentlichkeit, redete in Talkshows, kämpfte, ließ sich stationär behandeln und wollte die Krankheit Depression enttabuisieren. „Leider wird die Krankheit immer noch als Schwäche ausgelegt“, sagte Biermann einmal: „Ich fand es wichtig, die Erfahrungen, die man während der Therapie sammelt, zu teilen. Um damit auch Ängste zu nehmen und dazu beizutragen, dass man in Zukunft offen darüber reden kann.“

Biermann schrieb 2011 seine Autobiographie mit dem Titel „Rote Karte Depression“ – um das Erlebte zu verarbeiten und anderen Depressiven Mut zu machen, sich behandeln zu lassen und um das Leben zu kämpfen. Biermann ging auf Lesetour, fing an, Psychologie zu studieren. Sogar seine Handynummer stellte er ins Internet, damit sich Betroffene bei ihm melden können. Und Biermann spielte nach seinem Klinikaufenthalt wieder Fußball – aber nicht mehr als Profi.

Den mutigen Schritt, seine Krankheit öffentlich zu machen, bereute Biermann daher später. „Menschlich war es damals der einzig richtige Schritt – das sehe ich auch heute noch so. Beruflich hingegen bereue ich mein Bekenntnis“, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur SID im September 2011: „Ich habe dadurch meinen Job verloren. Für meine Familie war das dramatisch. Die Verantwortlichen in den Vereinen haben mir zunächst viele Versprechungen gemacht, die sie später dann nicht eingehalten haben.“

Im Februar 2012 offenbarte Biermann auf seiner Facebook-Seite, dass er zum dritten Mal versucht habe, sich das Leben zu nehmen. „Egal ob privat oder beruflich, momentan könnt's nicht schlechter laufen“, schrieb er und flehte um Hilfe: „Hat jemand eine Idee für mich, mir fällt leider nichts mehr ein. Den Suizidgedanken habe ich nach wie vor, ich fühle mich sehr schlecht.“

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