Depressionen
Enke täuschte auch DFB-Psychologen

Robert Enke hat auch Hans-Dieter Hermann, den Psychologen bei der deutschen Nationalmannschaft, in Bezug auf seine Depressionen getäuscht. Hermann untersuchte Enke Anfang September vorsorglich auf Depressionen hin, in einem langen Gespräch in der Sportschule Barsinghausen habe es allerdings "keinerlei Hinweis auf diese Erkrankung gegeben", sagte Hermann in einem Interview auf der Website des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) .

HB FRANKFURT/KÖLN. "Robert klagte zu dieser Zeit über Erschöpfungssymptome, für die zunächst kein medizinischer Grund gefunden werden konnte. Obwohl es keine konkreten Anhaltspunkte dafür gab, war ich gemeinsam mit unserem Mannschaftsarzt Professor Tim Meyer der Meinung, dass man auch eine mögliche Depressivität oder gar eine Depression in Betracht ziehen sollte, zumindest müsste ich es abklären", sagte Hermann.

In einem etwa einstündigen Gespräch habe es dann für ihn keinerlei Hinweis auf diese Erkrankung gegeben: "Im Gegenteil, Robert beschrieb sich außerhalb dieser Müdigkeit als privat und sportlich glücklichen Menschen mit klaren Zukunftsideen. Natürlich frage ich mich heute auch wie jeder von uns: Hätte ich hier etwas erkennen können, wenn ich hartnäckiger nachgefragt hätte? Andererseits - was wir aber damals nicht wussten - war er ja in Behandlung und somit bereits in den richtigen Händen."

Enke hatte am Dienstag Selbstmord begangen. Seine Witwe Teresa und sein behandelnder Arzt Dr. Valentin Markser berichteten tags darauf von Enkes Depressionen, die er jahrelang aus Angst vor den Konsequenzen der Öffentlichkeit verheimlicht hatte.

Ganz für sich behalten hat Enke seine Erkrankung aber dann wohl doch nicht: Fußballtrainer Christoph Daum will davon gewusst haben – und das seit Jahren. Der damalige und heutige Trainer des türkischen Vereins Fenerbahce Istanbul sagte dem Kölner „Express“, der Torhüter sei 2003 zwei Wochen nach seiner Ankunft vom FC Barcelona in sein Büro gekommen „und vertraute sich mir an“. Daum weiter: „Ich habe ihm gesagt: 'Robert, ich helfe Dir, wo ich kann, weil ich absolut von Dir überzeugt bin.'“

Er habe Enke einen Experten aus Köln empfohlen. Der Fußballer, der am Dienstag Suizid beging, war seit 2003 bei dem Kölner Psychiater Valentin Markser in Behandlung. „Robert musste starke Psychopharmaka nehmen“, sagte Daum.

Im ersten Spiel mit Enke im Tor habe Fenerbahce 0:3 verloren, erinnerte er sich. „Ich habe zu ihm gesagt: „Robert, Du bist ein großartiger Torwart. Du bist ein toller Mensch.' Wir wollten, dass er bei uns bleibt.“ Auf die Frage, warum Enke den Verein dennoch verlassen habe, sagte Daum der Zeitung zufolge: „Er hat mir etwas gesagt, dass ich nie verraten werde. Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart.“

Nach Enkes Abgang in Istanbul sei er sicher gewesen, dass der Torwart seine Karriere beende. „Ich war dann total überrascht, als er in Teneriffa unterschrieb. Dann tauchte er plötzlich in Hannover auf. Ich war happy, dass er seine Krankheit offensichtlich im Griff hatte.“

Seite 1:

Enke täuschte auch DFB-Psychologen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%