Der Brite ist schon omnipräsent
Beckham bekehrt US-Fußball

Am Samstag ist die Major League in ihre 12. Saison gestartet. Mit ihrem neuen Star will sie sich endlich emanzipieren.

BERLIN. Über Nacht ist nichts mehr wie es mal war. Zuerst rufen Familienmitglieder an, danach Freunde und Bekannte. Am nächsten Tag meldet sich eine Waliser TV-Station, kurz darauf klingelt die BBC durch. „Eigentlich hing ich drei Tage nur am Telefon“, erinnert sich Andy Dorman: „Das ist alles der reinste Wahnsinn.“

Dorman ist gebürtiger Engländer, 24, Fan des FC Liverpool und offensiver Mittelfeldspieler des US-amerikanischen Erstligateams New England Revolution. Bisher rief die Familie nur an, um zu hören, was der Filius in den Staaten so treibt. Und die Freunde nur, um zu stänkern. Fußball in den USA? „Das war für die in ungefähr so lächerlich“, sagt Dorman, „wie Baseball bei uns daheim.“ Gestört hat es ihn nicht, er dachte lange Zeit nicht anders.

Bis zu jenem 13. Januar, der Dorman drei Tage Telefonterror einbrachte, nun seine Hoffnungen auf eine große Fußballerkarriere beflügelt und der Major League Soccer (MLS) weltweit die größte Aufmerksamkeit seit der Ankunft von Pele bei Cosmos New York Sommer 1975 beschert. Es war der Tag, an dem David Beckham bei den Los Angeles Galaxys einen Fünfjahresvertrag unterschrieb. Gewaltiger hätte die Erschütterung des in seiner Nische vor sich hin spielenden amerikanischen Profifußballs nicht sein können.

Am Samstag startete die MLS in ihre zwölfte Saison – ohne den bekanntesten Fußballer des Planeten, der noch bis Juni an Real Madrid gebunden ist. Trotzdem ist der Brite omnipräsent. Kein Wohnungsangebot, das Beckhams Ehefrau Victoria ausschlägt, das nicht vermeldet wird. Kein Anstieg beim Verkauf der Saisontickets, der nicht auf den 31-Jährigen zurückgeführt wird. Allein bei den Galaxys hat seine Vertragsunterschrift innerhalb einer Woche dafür gesorgt, dass 5 000 Plasteschalen über die Saison hinweg fest vergeben sind. Auch die restlichen 13 Klubs verzeichneten seit Januar eine unerwartete Nachfrage. Ohne auch nur einen einzigen seiner berühmten Pässe geschlagen zu haben, hat Beckham mehr Einfluss auf die Entwicklung des US-Soccers als Franz Beckenbauer, Pele, Johan Cruyff oder George Best zuvor in den siebziger Jahren.

Die Amerikaner machen beim zweiten Versuch Ernst, nachdem der erste vor 30 Jahren damit endete, dass Europas alternde Fußballstars ob ihrer Herkunft schon mal in Londoner Doppeldeckerbussen aufs Spielfeld transportiert wurden und bald klar war, dass die damalige NASL nichts weiter ist als der naive Versuch, den traditionellen Sportarten wie Basketball, Football, Base-ball und Eishockey durch kunterbunten Firlefanz Paroli zu bieten.

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