Der ewige Verlierer
Michael Ballacks achtfaches Unglück

Der „Capitano“ gab alles und verlor sogar Blut, aber sein Finaltrauma konnte er wieder nicht besiegen: Nach einer wundersamen Heilung der angeschlagenen rechten Wade führte Michael Ballack die deutsche Nationalmannschaft im EM-Endspiel gegen Spanien zwar auf das Feld und kämpfte trotz einer Platzwunde über dem rechten Auge mit dem Herzen eines Löwen, doch der ersehnte erste Titelgewinn auf der internationalen Fußball-Bühne blieb ihm erneut verwehrt.

WIEN. Als abgepfiffen war, und Michael Ballack in die Knie sank, sich mit beiden Händen im Rasen abstützend, und um ihn herum elf spanische Spieler sich ansprangen, in die Arme fielen und ihren ersten EM-Triumph seit 44 Jahren feierten, da gab es auf dem Feld im Ernst-Happel-Stadion keinen unglücklicheren Menschen als Michael Ballack. Er hatte schon wieder ein Finale verloren. Acht Endspiele, bei Turnieren, in Meisterschaften und Pokalfinals, hat der 31 Jahre alte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft in seiner Karriere bestritten und achtmal ist er als Verlierer vom Platz gegangen. Zweimal hat ihn zudem eine Verletzung an der Teilnahme gehindert. Hat es je im deutschen Fußball einen Unglückseligeren gegeben?

Das ging schon vor dem Spiel los, als sich eine Misere mal wieder über Ballack zu ergießen drohte. Die Wade, seit Freitag entzündet. Sein Einsatz war drei Tage lang fraglich. Erst der Spielberichtsbogen erlöste die gequälte deutsche Fußballnation. Der Deutsche Fußballbund meldete der Uefa, die Namen der Final-Spieler. Unter ihnen: Ballack

Aufatmen, landesweit. Am Morgen vor dem Finale hatte Ballack beim so genannten Anschwitzen noch gefehlt, so wie auch am Freitag. Am Morgen hatte Ballack DFB-Arzt Müller-Wohlfahrt von den Schmerzen in seiner Wade berichtet. Wie der Medikus der Nationalmannschaft schnell herausfand, hatte sich diese in der Nacht entzündet und dadurch, wie es im Fußball-Jargon heißt „zu“ gemacht hat. Vorstellen muss man sich das wie einen dauerhaften Krampf.

An Kuriosität ist das Geheimhaltungs-Unternehmen „Wade“ danach nicht zu überbieten gewesen, und es zeigte, wie viel vor diesem Finale an der Personalie Ballack hing: Gefühlt, alles. Der in Görlitz geborene Sachse ist Kopf und Seele dieser Elf. Er ist ihr Kapitän. Er hat nach dem 1:2 gegen Kroatien die zunehmend auseinander driftenden Gruppen im Kader durch einen Abend „offener Worte“ wieder zusammengefügt. Und, hätte er gekonnt, er hätte die dreimal von Manager Oliver Bierhoff organisierten „Familientage“ fürs Tete a tete mit Frauen und Freundinnen einfach verboten. Ballack sei der Schlüsselspieler, hat Franz Beckenbauer zwei Tage vor dem Finale die Bedeutung des 31-Jährigen für den Ausgang des Finals beschrieben, da wusste er nur noch nichts von der lädierten Wade. Niemand wusste etwas.

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