Der Fall des Miroslav K.
Deutschland, ein Sommerloch

Seit neun Monaten hat er für die Nationalmannschaft kein Tor mehr geschossen. Selbst Kollegen richten mittlerweile öffentlich über ihn und unterstellen ihm mangelnde Corporate Idendity: Vor dem letzten Fußballspiel der Saison scheint es kein anderes Thema zu geben als den Fall des Miroslav K.

HAMBURG. Seit neun Monaten hat Miroslav Klose nicht mehr für die Nationalmannschaft das Tor getroffen. 271 Minuten kommen inzwischen zusammen, wie Statistiker nach jedem torlosen Spiel des Stürmers verkünden. Gerne garnieren Sie die Bilanz des Bremers mit den „jämmerlichen“ drei Toren, die der WM-Torschützenkönig in der Rückrunde „nur“ geschossen habe, vergessen dabei aber, dass er noch vor Kollege Diego der beste Scorer der Bundesliga ist.

Es gab ganz sicher Tage, an dem es Miroslav Klose besser ging als in diesen, zumal der Boulevard sich genüsslich über sein Privatleben hermacht und er seit seinem heimlichen Treffen mit den Vereinsoberen des FC Bayern und seiner wenig intelligenten Schwalbe im Uefa-Pokal-Halbfinale längst nicht mehr der Publikumsliebling der Bremer Fans ist.

Aber jetzt richten auch noch die Kollegen öffentlich über ihn. In vorderster Front Torsten Frings, der Klose mangelnde Corporate Idendity für Grün-Weiß unterstellte, obwohl er selbst lange damit liebäugelte, in den Schoß der „Alten Dame“ Juventus Turin zu wechseln. „Dann soll er halt gehen“, hat Frings gesagt. Und Per Mertesacker merkte an, dass Klose „extrem beäugt“ werde, wenn er in der kommenden Saison noch in Bremen spielt, obgleich sein Wechsel zum FC Bayern im Sommer 2008 bereits feststünde.

Klose wusste erst nicht, ob und wie er sich gegen die Schelte der Kameraden wehren sollte. Nach einer Woche, in der er sich jeder Interviewanfrage verweigerte, stellte er sich dann den Fragen der „Süddeutschen Zeitung“, um mit der Aussage verbal zurückzuschlagen, dass Torsten Frings ein Fähnchen im Wind sei. Wer ihn kenne, sagte Klose, und er kennt ihn gut, der wisse: „Wenn der Wind aus der Richtung kommt, dann äußert er sich so, und wenn er von der anderen Richtung kommt, dann ist es genau das Gegenteil“, sagte Klose. Täglich und stündlich könne sich das ändern, was der Frings so von sich gibt.

Weil Klose im Gegensatz zu seinem offenbar geschwätzigen Kollegen in den vergangenen Tagen lieber gar nichts sagen wollte, erwiderte Frings auf Kloses Verbalschelte am Dienstag damit, dass er froh sei, „dass Miro überhaupt noch was sagt, und er ein Lebenszeichen von sich gibt.“

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